Unsere persönlichen Highlights für Sie ausgesucht
Calanda oder Alvas Antwort – von Angelika Overath
In der Morgendämmerung bricht Alva auf, um den Churer Hausberg Calanda zu besteigen. Vor ihr liegen knapp zweitausend Höhenmeter. Sie hat eine Nachricht erhalten, die ihr Leben verändern wird. Möchte sie zurückkehren in ihr Leben? Schritt für Schritt dem Gipfel entgegen erinnert sie Momente ihres Lebens. Da ist der Engadiner Cla, Vater ihrer Tochter, und der Istanbuler Baran, Vater ihres Sohns. Alva ist alleinerziehend und lebt doch eine familiäre Dreiecksbeziehung. Wie kann sie eine gute Mutter bleiben? Wie viel Belastung verträgt die Liebe, die Freundschaft zu Baran und Cla, die einmal ein Paar waren? Und Alva erinnert sich an ihre Großmutter, die Flucht und Vertreibung erlebte und deren Stärke durch die Generationen hinweg Alva Kraft gibt. Sie erkennt, dass die eigene Schwäche annehmen Stärke sein kann.
Mein Tipp: Auch ohne Kenntnis der Vorgänger von Overath‘s Istanbul-Trilogie war die Lektüre dieses Buches ein tief berührender Genuss. Ich war zwar anfänglich unsicher, ob mich das Thema nicht allzu stark bedrücken wird. Aber Overath kehrt die Dramatik in etwas Lebensbejahendes. Familie und meine Freunde machen das Leben lebenswert, auch wenn Alva nicht den herkömmlich Begriff von enger Familie lebt. Familie heisst, sich verlassen können. Und auf ihrem Weg den Calanda hinauf, erfährt sie die Schönheit der Natur und begreift, dass sie sich verlassen kann, auf ihre Gefährten, auf ihre Freundin. Das ist wichtig in Anbetracht der Nachricht, die sie erhalten hat. Dass sie getragen wird, auch wenn sie bald schwach und hilflos sein wird.
Die Psychiaterin – von Freida Mc Fadden
Die beiden frisch verheirateten Tricia und Ethan sind auf dem Weg zur Besichtigung eines abgelegenen Anwesens, das bald ihr Zuhause sein könnte. Während Ethan voller Begeisterung ist, spürt Tricia, dass etwas nicht stimmt. Bis vor drei Jahren lebte hier noch die Psychiaterin Dr. Adrienne Hale. Ihr plötzliches Verschwinden damals ging durch die Presse. Weil ein Schneesturm die Strassen unbefahrbar macht, muss das junge Paar die Nacht im Haus verbringen. Dabei entdeckt Tricia ein verborgenes Zimmer voller Kassetten – Aufnahmen von Adriennes Patientensitzungen. Mit jeder Kassette, die sie sich anhört, wird ihr klarer, wie es zu Adriennes Verschwinden kam und dass sie selbst in tödlicher Gefahr schwebt. Denn manche Stimmen schweigen nie …
Mein Tipp: Für alle Freida Mc Fadden Fan ein «Muss» oder für Leser, die gerne ins Thriller-Genre eintauchen möchten, ohne extrem blutige Gewalt, allerdings mit viel Spannung. Mc Faddens Schreibstil ist einfach, locker und fesselnd, sodass man die Bücher kaum aus der Hand legen kann.
Die zweitgrösste Liebe – von Ruth-Maria Thomas
Reicht die Liebe im Zweifel? Michelle ist Anfang dreißig, als ihr Leben im Osten des Landes auseinanderbricht. Sie lässt alles hinter sich und fängt von vorne an: Als Rezeptionistin eines Hotels trifft sie auf Luxus, westdeutschen Reichtum und – Henry. Einer, der ganz andere Startmöglichkeiten hatte als sie, dem es nie an irgendetwas gemangelt hat. Sie verlieben sich, allen Unterschieden zum Trotz. Es erscheint Michelle zum ersten Mal möglich, ein sorgloses Leben. Aber es wäre kein Buch von Ruth-Maria Thomas, wenn nicht alle schönen Gewissheiten irgendwann gehörig ins Wanken gerieten.
Mein Tipp: Insgesamt ein wirklich toll und mitreißend geschriebener Roman über Chancengleichheit in unserer Gesellschaft und die daraus entstehenden Probleme, die auch die Liebe nicht immer überwinden kann.
Die Villa – von Jess Ryder
Vor drei Jahren starb die zukünftige Braut Aoife bei ihrem eigenen Junggesellinnenabschied. Nun kehren ihre Freundinnen in die Villa zurück, in der sich das Grauen damals abgespielt hat. Sie sehnen sich nach einem Abschluss. Doch kaum haben sie die Villa betreten, brechen alte Wunden auf und die Spannungen nehmen zu. Jede erinnert sich an eine andere Version der Ereignisse jener Nacht. Was verheimlichen sie sich gegenseitig? Und wie weit werden sie gehen, um ihre Geheimnisse zu wahren?
Mein Tipp: Mein erster Thriller von Jess Ryder, leicht und flüssig zu lesen. Kein grosser Nervenkitzel, jedoch eine konstante Spannung von der ersten bis zur letzten Seite. Ein idealer Thriller für die Sommermonate. Die heisse Sonne Marbellas, ein Junggesellinnenabschied, viel Alkohol, Männer und wilde Partys. Alles kommt anders als man denkt…
Atmosphere – von Taylor Jenkins Red
Joan Goodwin sieht zu den Sternen auf, seit sie denken kann. Als Professorin für Astrophysik hat sie ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht, und sie ist glücklich, wenn sie ihrer Nichte abends unter freiem Himmel die Sternbilder erklären kann. 1980 wagt sie den Schritt ihres Lebens: Sie bewirbt sich als eine der ersten Frauen für das Space-Shuttle-Programm der NASA. Mit einer Gruppe aus hoch qualifizierten Piloten, Commanders und Ingenieurinnen beginnt sie die intensive Vorbereitung auf ihren ersten Flug ins All. Während sie ihrem Traum von den Sternen immer näher kommt, begegnet Joan unerwartet einer Liebe, die alles überstrahlt.
Mein Tipp: Trotz der Thematik Raumfahrt und Weltall, in der ich mich überhaupt nicht auskenne, hat mich das Buch total gefesselt. Die Geschichte über erste (queere) Liebe & große Träume in den konservativen 80er Jahren ist absolut zu empfehlen.
Das Leuchten der Mondfische – von Matthias Hübener
Nur wer liebt, stirbt nie. Als der Meeresbiologe Clément nach einer Umweltkonferenz auf Tahiti ein Flugzeug besteigt, ahnt er nicht, dass er nach einem dramatischen Sturmflug auf einer Insel der Marquesas notlanden wird. Auch ahnt er nichts von dem Strudel unvorhergesehener Ereignisse, die ihn und sein bisheriges Leben daraufhin vollkommen durcheinanderwirbeln werden. Das Leuchten der Mondfische ist eine fesselnde und facettenreiche Geschichte über Liebe und Verrat, die sich vom Südpazifik über Japan bis nach Frankreich entwickelt und dabei die grundsätzliche Frage des Wofür im eigenen Leben berührt. Eine Geschichte, die von falschen Sehnsüchten und Hoffnungen erzählt – und von der Erkenntnis, dass die Zerbrechlichkeit des Lebens ein Geschenk sein kann.
Mein Tipp: Ein abwechslungsreicher und spannender Roman, der Mythen und Legenden mit den aktuellen Weltereignissen und Themen verbindet. Regt zum Nachdenken an und macht neugierig auf die Welt mit ihren fremden Kulturen.
Josef Lautenbachers Reise nach Flätz – von Jürg Beeler
Josef Lautenbacher, seit Kurzem im Ruhestand, wähnt sich von seiner Frau kontrolliert und gegängelt. Verzweifelt versucht er, ihr zu entkommen. Nicht alle seiner oft komischen Versuche gelingen, selbst die Flucht in eine benachbarte Stadt verhindert nicht, dass die besorgte Ehefrau ihn findet. Im Bahnhofbuffet von Nimmerach findet er einen Rückzugsort. Je größer die räumliche Entfernung von Luise, desto schärfer und unerbittlicher arbeitet sein Verstand, wie er festzustellen glaubt. Als schließlich Luise mit Sohn unerwartet im Bahnhofbuffet auftaucht, nimmt die Geschichte eine dramatische Wendung. Nach und nach ahnen die Lesenden, dass Josef Lautenbacher seine Buchhandlung nicht ganz freiwillig aufgab. Als Luise ihren siebzigsten und seinen fünfundsechzigsten Geburtstag mit einer gemeinsamen Feier begehen will, beschließt er, zu verschwinden. Er träumt von einer Reise nach Paris, fingiert eine Reise nach «Flätz», einem Ort, an dem ihn gewiss niemand finden wird. Kein einfaches Unternehmen für einen Menschen, der in seinem Leben fast ausschließlich mit Büchern Umgang pflegt und alle alltäglichen Dinge seiner Frau überlässt.
Mein Tipp: Jürg Beeler entwirft in diesem Roman ein Bild einer Gesellschaft und einer Zeit, in der Figuren wie Josef Lautenbacher keinen Platz mehr finden. Das Alter und der schwierige Übergang vom Berufsleben zum Rentnerleben ist Thema. «Josef Lautenbacher war früh aufgestanden, um allein zu frühstücken. Es war nicht einfach, seiner Frau auszuweichen, vor allem nicht, da man in derselben Wohnung lebte. Mit drei Zimmern waren die Fluchtmöglichkeiten nicht groß, Begegnungen waren unvermeidlich.» Als Hommage an Jean Paul fehlt es auch in Josef Lautenbachers Reise nicht an Doppelbödigkeiten, wird eine Welt, die viele für die richtige und normale halten, als verkehrte geschildert. Wunderbar!!!
Die Ehefrau – von Freida Mc Fadden
Sie hatte einen Unfall. Sie kann kaum sprechen. Sie ist die Ehefrau eines Mannes, der alles für sie tut. Doch das ist nicht die ganze Wahrheit … Sylvia Robinson wird im Haus der Barnetts als private Pflegekraft eingestellt. Nach einem Unfall benötigt Victoria Barnett rund um die Uhr Betreuung. Sie kann weder gehen noch sprechen und ist an ihr Bett im obersten Stockwerk des Hauses gefesselt. Daher hat ihr Mann Sylvia als Unterstützung hinzugeholt. Doch schon bald hat Sylvia das Gefühl, dass Victoria nicht so hilflos ist, wie sie scheint. Dann entdeckt sie Victorias Tagebuch versteckt in einer Kommode. Und was sie darin liest, zieht ihr den Boden unter den Füssen weg.
Mein Tipp: Freida Mc Fadden steht für starke, weibliche Figuren mit Abgründen, kurze Kapitel mit hoher Spannung und Twists die wirklich überraschen. Ihre Protagonistinnen sind keine Heldinnen im klassischen Sinn. Sie haben Geheimnisse, machen Fehler, lügen, das macht sie menschlich und fesselnd zugleich. Mit «Die Ehefrau» ist ihr ein weiterer, spannender Thriller gelungen.
Nicht – von Dror Mishani
Eli, 52, hat offenbar nichts mehr zu verlieren, obwohl noch so viel vor ihm liegt. Die Kinder sind aus dem Haus, KI bedroht seine Arbeit als Übersetzer. Vor allem hat der Tod seiner Frau alles infrage gestellt. Eine solche Liebe, da ist er sich sicher, wird er kein zweites Mal finden. Bis ihm bei gemeinsamen Freunden eine Cellistin begegnet. Es entspinnt sich, so leicht, als ob es Vorsehung wäre, ein verheißungsvolles Verhältnis. Doch bald belastet ein zerstörerisches Geheimnis die junge Beziehung und stellt Eli vor eine folgenschwere Frage. Kann er Lia die Wahrheit sagen oder ist es die Lüge, welche die Liebe retten wird? Was ist weniger verletzend?
Mein Tipp: In einen Strudel hat mich die Lektüre gezogen, ich konnte das Buch bis zum Ende nicht weglegen. Ein gewohnt packendes und raffiniertes Konzept vom israelischen Schriftsteller, das nachwirkt!
Knochenkälte – von Simon Beckett
Das Skelett hängt in den Wurzeln einer mächtigen Fichte, die das Unwetter zu Fall gebracht hat. Das Wurzelwerk scheint über die Jahre in den verwesenden Körper hineingewachsen zu sein und hält ihn fest umklammert wie in einer Umarmung.
Dr. David Hunter ist während eines Wintersturms in einer kleinen Ortschaft in den Cumbrian Mountains gestrandet. Er ist hier unerwünscht, daran lassen die Bewohner von Edendale keinen Zweifel. Beim Versuch, den grausigen Fund bei der Polizei zu melden, stellt der forensische Anthropologe fest, dass der Sturm das Dorf von der Aussenwelt abgeschnitten hat …
Mein Tipp: Mein Erster Thriller von Simon Beckett und ich bin begeistert! Unglaublich spannend, eine anhaltende, schauerliche Atmosphäre und viel Aktion, definitiv kein «Blümchen Thriller» und es steckt auch keine versteckte «Love Story» dahinter. Knochenkälte ist der 7. Fall von David Hunter, einem Forensiker aus London. Das Buch ist ein abgeschlossener Fall und kann ohne Vorkenntnisse der anderen Fälle gelesen werden. Mein einziger Hinweis: Den Thriller in den kalten Wintermonaten zu lesen, würde die eiskalte Stimmung noch intensivieren.
Matei entdeckt die Freiheit – von Catalin Dorian Florescu
Der junge Matei wächst auf im pulsierenden Bukarest der 30er-Jahre, doch in der Diktatur verliert seine Familie alles. Und Matei wird 1956 wegen politischer Gedichte verurteilt, zur Lagerarbeit im Donaudelta, wo die Natur faszinierend, aber unbarmherzig ist und das Leben hart, mitunter tödlich. Die Menschlichkeit unter den Häftlingen hält ihn am Leben – und auch der Hass. 1964 wird er begnadigt, aber es ist keine Rückkehr in die Freiheit. Zwar erfährt er Familienglück, doch nie echten Frieden. Als Matei nach dem Fall des Eisernen Vorhangs in der neuen, großen Freiheit den «schönen Pană», einen Verhöroffizier, wiedersieht, will er sich den Geistern der Vergangenheit endlich stellen. Und fasst einen Plan.
Mein Tipp: Seit er 15 ist lebt er in der Schweiz, kehrt aber in seinen Werken immer wieder zurück in die alte Heimat. Hier erzählt der Autor entlang eines Lebens in aufwühlenden, poetischen Bildern das Drama des europäischen Ostens, das bis heute anhält. Eine große Reflexion über Glück, die Verlockungen der Rache, Gerechtigkeit und die Frage: Wann ist der Mensch wirklich frei? Lange habe ich ihn ersehnt, diesen neuen Roman von Florescu. Gratulation, es ist wiederum ein wahnsinnig berührender und packender Roman geworden, der mich nachdenklich zurücklässt.
Der Mädchenname
Anfang des 20. Jahrhunderts in einem kleinen Dorf in den sizilianischen Bergen: Früh zeigt sich, dass die kleine Rosa aus dem Stoff der Pflanze gemacht zu sein scheint, deren Namen sie trägt: Blüten, die immer wieder zum Leben erwachen, das Holz stark und widerstandsfähig. Als Frau gilt sie wenig, doch ihrem Vater und ihren Brüdern, beugt sie sich nie ganz. Als sie Sebastiano Quaranta kennenlernt, ist es Liebe auf den ersten Blick. Rosa brennt mit ihm durch, sie heiraten und eröffnen gemeinsam ein Gasthaus, das zum begehrten Anlaufpunkt wird. Kurz darauf werden ihnen der hübsche Fernando, Donato, der Priester werden wird, und schliesslich Selma geboren, deren Hände so zart sind wie die Stickereien, mit denen sie Stoffe schmückt. Selma heiratet gegen Rosas Rat und besseren Wissens, ihre unglückliche Ehe hat Auswirkungen auf ihre eigenen Töchter. Patrizia, die kämpferischste der drei Schwestern, Lavinia, die das Kino liebt, und Nesthäkchen Marinella, die davon träumt, Italien zu verlassen.
Mein Tipp: Aurora Tamigio vereint in ihrem preisgekrönten Drei-Generationen-Roman, alte Weisheit, fantasievolle Leichtigkeit und starke Frauenfiguren. »Der Mädchenname« entfaltet einen unwiderstehlichen Sog und wurde als Lieblingsbuch der italienischen Buchhändler*innen ausgezeichnet, dem kann ich mich nur anschliessen!
PERFECT CRIME – Wenn niemand dir glaubt– von Claire Douglas
Sie alle haben ein Geheimnis. Doch nur einer würde dafür morden.
Als erfolgreiche Autorin kennt Emilia menschliche Abgründe nur aus ihren eigenen Büchern. Bis zu dem Tag, an dem ein schreckliches Unglück ihr wohlbehütetes Leben in der Londoner Vorstadt aus der Bahn wirft. Der Vorfall stammt unverkennbar aus ihrem aktuellen Thriller. Doch wie kann das sein? Nur eine Handvoll Menschen kennt den Inhalt ihres unveröffentlichten Krimis und kommt als Täter infrage. Emilia beginnt auf eigene Faust zu ermitteln und muss mit Grauen feststellen, dass jeder in ihrem Umfeld Geheimnisse hütet die Freundin, der sie alles anvertraut, der Vater, der immer an ihrer Seite war. Und sogar ihr Ehemann, neben dem sie jeden Abend friedlich einschläft. Emilia weiß, dass alle lügen. Doch wer von ihnen trachtet nach ihrem Leben?
Mein Tipp: Ein gut unterhaltendes Buch mit viel Spannung jedoch keinem grossen Nervenkitzel, die Thriller Momente fehlten mir ein wenig. Die Schreibweise und die Handlung packten mich dennoch und ich konnte das Buch kaum es der Hand legen. Viele Plot Twists.
Der Fluch der Falodun Frauen – von Oyinkan Braithwaite
Eniiyi wird an dem Tag geboren, an dem ihre Tante Monife begraben wird. Aufgrund der unheimlichen Ähnlichkeit mit Monife ist sich die Familie sicher: Sie ist ihre Reinkarnation. Die Frauen in Eniiyis Familie finden seit Generationen schon keinen Frieden, weil sie ihre geliebten Männer verlieren. Laut der Yorubapriesterin Mama G ist ein Fluch am Werk, der ihnen allen zum Verhängnis wird. Bleibt die Frage: Kann wenigstens Eniiyi dem Familienfluch und dem mysteriösen Schicksal, das Monife ereilt hat, entkommen?
Mein Tipp: Drei Generationen, verbunden durch Liebe, Streit, Schweigen, Geheimnisse und den Versuch, etwas zu beenden, das größer wirkt als sie selbst. Es geht um Familie. Um Weitergegebenes. Um Dinge, über die nie gesprochen wurde. Ein Roman, der Aufmerksamkeit fordert.
Sie wollen uns erzählen – von Brigit Birnbach
Oz ist anders, er hat ADHS und tut sich schwer in der Schule, aber diesmal ist ihm etwas wirklich Blödes passiert. Auf dem Heimweg wünscht er sich deshalb zumindest eine kleine Katastrophe, die seine Mutter von dem Brief der Lehrerin, den er ihr geben muss, ablenken würde. Als Oz nach Hause kommt, ist Ann – auch sie ausgestattet mit einem flirrenden Nervenkostüm – nicht wie vermutet in Zeugnis-Feierlaune, sondern es ist tatsächlich etwas passiert. Die Zilly-Oma, die in den Bergen lebt, ist weg …
Mein Tipp: Ein Roman über die Chancen, die der Wildwuchs im Denken eröffnet. Mit grosser Empathie erzählt die Autorin von der Liebe einer Mutter, die mit sich und gegen andere kämpft, um ihr Kind gegen die Zuschreibungen von aussen zu verteidigen. Viele Jahre habe ich selbst so gekämpft wie Ann, habe Gleiches erlebt und durchlitten. Musste erfahren, wie Kinder nur auf Defizite reduziert werden. Ich empfehle dieses Buch als Wohlfühloase für Betroffene und als Gedankenanstoss für Interessierte. In diesem Zusammenhang möchte ich auch noch auf einen anderen Roman zum Thema hinweisen, der mich nachhaltig schwer beeindruckt hat: ‚Der Koffer‘ von Robin Roe.
Durchbruch Mein Weg – Dein Erfolg! – von Carlo Janka
Ein Buch das dich stärkt! Wenn der Weg das Ziel sein sollte, dann hätten wir es alle längst erreicht… In diesem Buch erzählt dir Carlo Janka offen über sein Leben – von dem schüchternen Jungen, der im kleinen Obersaxen einen unglaublichen Traum hegte, für den er bereit war alles zu geben. Gemeinsam mit ihm wirst du seine Höhen und Tiefen durchleben, um zu verstehen wie entscheidet es ist, dir selbst ein Coach dabei zu werden. Das Buch wird dich motivieren ungenutzte Energien und Strategien zu erkennen, deine Sprache dabei zu verändern, um die beste Version deiner selbst zu werden.
Mein Tipp: Carlo Janka bekannt als der «Iceman» gibt uns in diesem Buch tiefe Einblicke in seine Vergangenheit als Spitzensportler. Unglaublich ehrlich und tiefgründig, lässt uns Carlo in seine Vergangenheit eintauchen. Das Buch ist nicht nur eine spannende Biographie, sondern auch ein kleiner Ratgeber, in dem Carlo Janka sein Wissen als Coach einfliessen lässt.
Ps: Ich freue mich, Carlo Janka am 26. November bei uns in der Bibliothek begrüssen zu dürfen!
Ich möchte zurückgehen in der Zeit – von Judith Hermann
Judith Hermann folgt den Spuren ihres Großvaters, der während des Zweiten Weltkriegs für die SS im polnischen Radom stationiert war. Sie verknüpft ihr Schreiben mit seiner lange verleugneten Geschichte, reist von Polen aus weiter zu ihrer Schwester nach Neapel und geht Erinnern und Vergessen der folgenden Generationen nach. In Zwischen- und Untertönen spürt sie das Verdrängte, die Leerstellen unserer Gesellschaft auf.
Mein Tipp: Ein starkes, sprachlich wunderschönes Buch. Ganz Judith Hermann. Es bleiben inhaltlich für mich – wie eben auch für die Autorin – viele Fragen offen. Da habe ich mich zwischendurch gefragt, was sie uns sagen möchte. Aber gerade darum geht es, um das Ungewisse, das Nicht-zu-Beschreibende, wie wir mit den Leerstellen in der familiären Geschichte umgehen. So heisst das dritte kurze Kapitel des Buches ‚Tidstomme‘ – übersetzt mit Zeittäschchen. Es handelt vom Verschwinden und Wiederauftauchen der Eltern ihres Mannes. Hier geht es ganz konkret um die Lücke, ein unbekanntes Zeitfenster, eine Leerstelle, die die Angehörigen in höchstem Maße irritiert. Auf jeden Fall eine Empfehlung für alle, die Judith Hermann mögen!
Bambino – von Marco Balzano
Triest, 1920. Mattia ist ein Faschist der ersten Stunde. Sein Gesicht ist noch bartlos, weshalb man ihn Bambino nennt, aber seine Schläge sind so hart, dass die halbe Stadt sich vor ihm fürchtet. Mattia weiß nicht, wer seine Mutter ist. Gar eine von drüben? Eine Slowenin? Sein Vater, der Antifaschist und Uhrmacher, will es ihm nicht verraten. Im Schlamm und Schmutz des Zweiten Weltkriegs verliert Mattia schließlich alle Gewissheiten, und er muss erfahren, dass der Gewinner von heute der Verlierer von morgen sein kann.
Mein Tipp: Marco Balzano gelingt es erneut, eine fiktive Biografie eng mit historischen Ereignissen zu verknüpfen. Die Geschichte Triests und die gewaltsame Verdrängung der slowenischen Bevölkerung waren mir nicht bewusst. Balzanos bildhafte, eindringliche Sprache hat eine grosse Sogwirkung. Man liest wie im Rausch, obwohl Mattia ein zutiefst unsympathischer Protagonist ist: ein rücksichtsloser Opportunist, dem man im wirklichen Leben aus dem Weg gehen würde und der einen dennoch bis zur letzten Seite fesselt. Wiederum ein äusserst eindrückliches Buch von Balzano!
Pi mal Daumen – von Alina Bronsky
«Pi mal Daumen» erzählt von einer ungewöhnlichen Freundschaft: Ein hochbegabter Junge und eine unterschätzte Frau begegnen sich in der Welt der Mathematik. Es geht in Pi mal Daumen um Identität, um Mitgefühl, um Intelligenz, um das Einstehen für andere, um Machtmissbrauch, um Autoritätsgehabe, um die Konsequenzen falscher Schlussfolgerungen, um Mathematik und die akademische Welt, um die Chance auf Bildung und wer sie letztlich wirklich hat.
Mein Tipp: Sehr warmherzig erzählt, mutige Romanfiguren, die mich beeindruckten. Teils tragisch, doch auch sehr komisch. Der Lacher kam mir einige Male über die Lippen.
Der letzte Sommer der Tauben – von Abbas Khider
Noah ist vierzehn Jahre alt und Taubenzüchter. Eines Tages flattern seine geliebten Tiere unruhig durch die Lüfte, über der Stadt kreisen die Helikopter des Kalifats. Noah erlebt einen Sommer voller Umbrüche: Für seinen Vater muss er Frauenkörper auf Produktfotos schwärzen, sein älterer Bruder steigt zum Leiter einer Sicherheitsbehörde auf, seine Mutter und seine Schwester dürfen nicht mehr allein aus dem Haus – und bald schon steht das Leben seiner Tauben auf dem Spiel.
Mein Tipp: Ich bin ein grosser Fan von Khider. Alle seine Bücher und seine eigene Geschichte haben mich schwer beeindruckt. Nach 2 Jahren im Gefängnis ist er mit 19 aus dem Irak geflüchtet, hielt sich in verschiedenen Ländern auf, bevor er Im Jahr 2000 nach Deutschland kam, wo er Literatur und Philosophie studiert hat. Seine Bücher schreibt er auf Deutsch, auch hier wieder in seiner poetischen Art und seinem feinem Humor. Er erzählt vom Verlust der Kindheit und vom Erwachsensein in einer von Willkür und Gewalt bestimmten Gesellschaft. In all dieser Unsicherheit regt sich aber auch Widerstand und es lebt die Hoffnung, dass die Welt eines Tages wieder besser wird. Die Tauben mit ihrem Schwarmleben, ohne Konkurrenz- und Machtdenken sind ein wunderbares Sinnbild dafür. Khider selbst war als Junge Taubenzüchter. Unbedingt lesen!