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Tipps vom Team

Juni-Tipps 2018

- Lesetipp von Brigitte Locher

Wurzeln schlagen: Ein Jahr im Garten auf der Suche nach mir selbst

«Wurzeln schlagen» von Allan Jenkins      

Sein Leben lang musste Allan darunter leiden, als Heim- und Pflegekind das Gefühl  familiärer Geborgenheit nicht kennengelernt zu haben. Nun, Jahrzehnte später wendet er sich diesen dunklen Jahren wieder zu. Monat für Monat, von Frühling bis Winter tastet er sich vor. Der Schmerz, den das Graben in der eigenen Vergangenheit auslöst, wird durch die Arbeit im Garten erträglich: sobald er das üppig bewachsene Stück Land betritt, die Erde zwischen seinen Händen spürt, Kapuzinerkresse aussät oder Bohnen und Tomaten ernten kann, ist die Welt um ihn für einen Moment in Ordnung.

Mein Tipp: Ich lese diese Trouvaille während den wunderschönen Apriltagen, umgeben von meinen eigenen Pflanzen. Mit dem Autor teile ich die Liebe zur Natur, den Jahrgang, aber zum Glück nicht seine Kindheitserlebnisse. Es beeindruckt mich, wie sich der Verfasser seinem Trauma stellt und gezielt eine Verarbeitung desselben mit Gartenarbeit erreicht. Die Tagebuchform gibt dem Buch eine Struktur und hilft den Gedankensprüngen des Autors zu folgen. Wieder einmal ein Buch, das langsam gelesen werden will, also kein «Page-turner».

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- Lesetipp von Susan Ricklin

Aluta

"Aluta" von Adowa Badoe

Charlotte ist eine intelligente, attraktive junge Frau, die 1981 ihr Studium in Kumasi, Ghana, beginnt, weit entfernt von der Hauptstadt Accra, wo ihre Eltern wohnen. Sie genießt dort ihre Freiheit, den Austausch mit neuen Freundinnen, die sie schnell auf ihrer Wohnheimetage findet und die Aufmerksamkeiten der Männer. Durch ihre ältere Zimmergenossin Mary lernt sie den reichen Geschäftsmann Asare kennen, der Charlotte mit großzügigen Geschenken überschüttet. Und mit Hilfe des charismatischen Politikprofessors Dr. Ampem, der Charlottes Interesse an politischen Diskussionen weckt, stellt sie fest, dass sie ihre Schlagfertigkeit in den vielen Gesprächen mit ihrem Vater erworben hat. Dafür wird sie von dem Professor und ihren Kommilitonen bewundert. Und dann ist da auch noch Marys Cousin Banahene, mit dem sie gemeinsam im Studentenrat aktiv wird und in den sie sich im Laufe der Zeit verliebt.

Mein Tipp: Wüsste man nicht schon aus dem Prolog, dass Charlotte ihr politisches Engagement zum Verhängnis wird, hätte man das Gefühl, eine leichtfüssige Coming of Age Geschichte vor sich zu haben. Aber es sind harte Zeiten in Ghana, das seit seiner Unabhängigkeit 1957 schon mehrere Militärputsche erlebt hat. "Alutas" werden die grossen Studentendemonstrationen in Ghana genannt, wo die Universitäten mehrfach geschlossen und die Studenten zu Arbeitseinsätzen gezwungen wurden.

Einerseits ein eindrückliches Zeitdokument aus dem Ghana von vor fast 40 Jahren, aber auch eine sehr berührende Schilderung, wie jugendliches, spontanes politisches Engagement unter autoritären Machthabern in die Katastrophe führen kann. Meine absolute Empfehlung für afrikapolitisch Interessierte  - auch oder gerade auch für junge Menschen. 

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- Hörbuchtipp von Vreni Bolt

Die Geschichte des Wassers

„Die Geschichte des Wassers“ von Maja Lunde

Norwegen 2017: Die 70-jährige Umweltaktivistin Signe will die Gletscher ihrer Heimat retten, aus welchen Eis abgebaut und exportiert wird. Sie begibt sich mit ihrem Segelboot auf eine besondere „Rachereise“ zur französischen Küste und lässt auf der einsamen Reise ihr Leben Revue passieren. Die Profitgier der Mutter und der Einsatz zur Erhaltung der schützenswerten Ressource Wasser des Vaters hatte zum Familienzwist geführt, auch ihre Liebesbeziehung zerbrach an diesem Thema.

Frankreich rund 30 Jahre später: Eine fünfjährige grosse Dürre, unerträgliche Hitze und fürchterliche Brände zwingen die Menschen zur Flucht und entzweien eine Familie. Vater David und Tochter Lou fliehen in Richtung Norden, stranden in einem Flüchtlingscamp und hoffen, die Mutter und den kleinen Bruder hier wieder anzutreffen. Leider ist auch im Lager das Wasser knapp und die Lebensbedingungen katastrophal. Zufällig entdecken Vater und Tochter in einem Garten ein trocken gelegtes Segelboot, dasjenige von Signe. Es keimt wieder etwas Hoffnung auf eine glückliche Zukunft auf.

Mein Tipp: Die Autorin verknüpft geschickt zwei Zeitepochen und Länder miteinander. Es entsteht eine spannend zu hörende, etwas konstruierte Geschichte, die das lebensnotwendige Wasser aus ganz unterschiedlichen Bedürfnissen und Gegebenheiten zum zentralen Thema macht und eine mögliche Klimakatastrophe aufzeigt. Die beiden markanten Erzählstimmen (Christiane Blumhoff und Shenja Lacher) lockern die teilweise etwas langfädige Erzählung wohltuend auf.

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- Lesetipp von Susanne Gambon

Unsere Seelen bei Nacht

„Unsere Seelen bei Nacht“ von Kent Haruf

Holt, eine Kleinstadt in Colorado. Eines Tages klingelt Addie, eine Witwe von 70 Jahren, bei ihrem Nachbarn Louis, der seit dem Tod seiner Frau ebenfalls allein lebt. Sie macht ihm einen ungewöhnlichen Vorschlag: Ob er nicht ab und zu bei ihr übernachten möchte? Louis lässt sich darauf ein. Und so liegen sie Nacht für Nacht nebeneinander und erzählen sich ihre Leben. Doch ihre Beziehung weckt in dem Städtchen Argwohn und Missgunst

Mein Tipp: eine berührende und warmherzige Geschichte, die beweist, dass manchmal ein mutiges Aufeinanderzugehen überaus bereichernd sein kann. Die beiden Hauptpersonen machen dieses kleine und feine Buch so lesenswert.

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- Lesetipp von Ursula Lange

Es war einmal im Fernen Osten: Ein Leben zwischen zwei Welten

 „Es war einmal im Fernen Osten - Ein Leben zwischen zwei Welten“ von Xiaolu Guo

Xiaolu kommt im Jahr 1973 in China zur Welt. Es ist die Zeit der Regierung Maos und der Einkindpolitik. In dieser Zeit wurden viele Kinder aufs Land zu ihren Grosseltern gebracht. Mädchen wurden häufig getötet oder in Kinderheime gegeben. Schule war besonders für die weibliche Bevölkerung ein Luxus…

Gleich nach ihrer Geburt wird Xiaolu an ein kinderloses Bauernpaar in den Bergen und zwei Jahre später ihren Grosseltern „weitergereicht“, wo sie in einem Fischerdorf unter einfachsten Umständen die nächsten Jahre verbringt. Noch im Kindesalter wird sie von ihren leiblichen Eltern in eine Stadt geholt, wo sie endlich zur Schule gehen kann. Mit dem Tod Maos beginnt in China ein dramatischer gesellschaftlicher Wandel. Auch Xiaolu bekommt diesen Wandel zu spüren und es gelingt ihr, an der Filmhochschule in Peking und schliesslich in London zu studieren.

Mein Tipp: Dies ist ein eindringliches Buch, eine Biografie, die den Blick freigibt auf die Rechtlosigkeit von Frauen und Mädchen in China und schliesslich das „Sich-Selbst-Finden“ in einem westlichen Land mit fremder Kultur.

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- Filmtipp von Ursula Lange

Mein Blind Date mit dem Leben

«Mein Blind Date mit dem Leben» DVD

Saliya Kahawatte (gespielt von Kostja Ullmann) träumt davon, Hotelier zu werden. Da verliert er mit 15 Jahren innerhalb von Monaten einen Grossteil seines Augenlichts. Seinen Traum will er dennoch nicht aufgeben und sich nicht behindern lassen. Nach mehreren Absagen bewirbt sich zu einer Ausbildung im Bayerischen Hof, verschweigt aber seine Fast-Blindheit…und wird eingestellt. Mit Hilfe eines Kollegen bewältigt er für uns Sehende fast unüberwindbare Hindernisse. Dann lernt er Laura kennen, und alles wird noch schwieriger…

Mein Tipp: Ich habe bereits vor Jahren die Biografie von Salya Kahawatte gelesen (auch in unserer Bibliothek erhältlich) und war damals schon sehr betroffen von seiner Lebensgeschichte. Der Film kommt der Biografie recht nahe. Tolle Besetzung!

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Mai-Tipps 2018

- Sachbuchtipp von Susanne Gambon

Gärtnern - die neue Freiheit!

"Gärtnern - die neue Freiheit" von Sabine Reber

Sabine Rebers Credo: Gärtnern kann jeder und es funktioniert überall, selbst auf kleinsten Flächen. Einfach ausprobieren: Gartenerfolg - auch gegen die Regeln und mit improvisierten Lösungen. Für junge Gärtner, die mit Leidenschaft ihren eigenen Weg abseits der Normen suchen. Das außergewöhnliche, individuelle Gartenbuch mit stimmungsvollen, motivierenden Fotos.

Mein Tipp: ein schönes und hilfreiches Gartenbuch, das Spass macht zum Durchblättern und Anwenden!

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- Lesetipps von Susan Ricklin

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Es ist mir ein besonderes Anliegen, Sie mit den folgenden beiden Jugendbuchtipps für den Monat Mai auf unsere „AllAge-Literatur“ oder auch „Crossover-Literatur“ oder einfach „Literatur für Junge Erwachsene“ hinzuweisen.

Jugendbuch heisst nicht gleich Kinderbuch, denn viele Romane aus diesem Genre sind auch für Erwachsene ein wunderbares Leseerlebnis. Besonders Fantasy-, aber auch Entwicklungs- (Coming of Age-Literatur) oder Liebesromane oder Krimis lassen sich generationenübergreifend lesen. Protagonisten sind fast immer Jugendliche an der Schwelle ins Erwachsenenleben und Handlung und Thematik entsprechen ihrem Alter und ihrer Erfahrungswelt. Ich persönlich habe schon ganz viele Herzensbücher in dieser Spalte gefunden. Die Bücher sind oft sehr originiell, sehr emotional und mit einer klaren Botschaft. Sinngemäss möchte ich an die Worte der bekannten deutschen Jugendbuchautorin Martina Wildner anknüpfen, welche Jugendbücher schreibt, weil in dieser Lebensphase die Weichen für das Erwachsenenleben gestellt werden und weil diese Entwicklungsphase so unglaublich intensiv und ehrlich ist. Auch wenn man die Zwanzig überschritten hat, fühlt man sich doch gerne in diese Zeit zurück. Mir geht es jedenfalls so.

Diese Bücher sind mit einem violetten Signaturschild und zusätzlich mit einem hellgrünen Punkt versehen. Sie finden sie im oberen Stock im Gestell gleich links von der Treppe oder auch in der Jugendabteilung.

Nur drei Worte (Nur drei Worte – Love, Simon)

"Nur drei Worte" von Becky Albertalli

Was Simon über Blue weiß: Er ist witzig, sehr weise, aber auch ein bisschen schüchtern. Und ganz schön verwirrend. Was Simon nicht über Blue weiß: WER er ist. Die beiden gehen auf dieselbe Schule und schon seit Monaten tauschen sie Emails aus, in denen sie sich die intimsten Dinge gestehen. Simon spürt, dass er sich langsam, aber sicher in Blue verliebt, doch der ist noch nicht bereit, sich mit Simon zu treffen. Dann fällt eine der Emails in falsche Hände – und plötzlich steht Simons Leben Kopf, weil bis anhin niemand ausser Blue weiss, dass er schwul ist.

Mein Tipp: Eine süsse, sehr emotionale Liebesgeschichte zwischen zwei jungen Männern. Durchweg sympathische Charaktere (insbesondere Simon und seine Familie) und mit ziemlichem Spass- und Spannungsfaktor, welche leichten Lesegenuss garantieren. Fasziniert hat mich der Umstand, dass sich so heftige Gefühle entwickeln können, obwohl die andere Person nicht bekannt ist und die Jungen sich ihre Gefühle und Alltagsdinge nur in Emails gestehen. Als es dann schliesslich doch zum ersten Zusammentreffen kommt, fühlt es sich ganz natürlich an, dass die Beiden bereits seit längerem eine Beziehung haben und so Vieles voneinander wissen. Ein gelungenes Jugendbuch, welches sich sanft an das Thema Homosexualität annähert. Man könnte einwenden, dass es nicht sehr glaubwürdig ist, wenn eine Frau sich anmasst, einen Roman über dieses heikle Thema schreiben zu können. Aber als sehr gut gemachte Teenagerlektüre ab 14 empfehle ich das Buch gerne. Unter dem Titel "Love, Simon" erscheint der Film dazu diesen Sommer ... und den werde ich mir gerne mit meinen Teenagern ansehen – oder auch allein...!

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Nur noch ein einziges Mal: Roman

"Nur noch ein einziges Mal" von Colleen Hoover

Als junge Frau zieht Lily nach Boston und nach der Beerdigung ihres Vaters scheinen scheinen dort all ihre Träume wahr zu werden: eine tolle Stadt, ihr eigener Blumenladen, eine neue Freundin und dann auch noch Ryle ... überaus attraktiv, überaus wohlhabend und überaus erfolgreich. Für Lily will er das Wagnis einer Beziehung eingehen. Vergessen scheint ihre schwierige Kindheit. Vergessen scheint auch Atlas, ihre erste Liebe. Der damals 18-Jährige war obdachlos und hatte sich im Nachbarhaus versteckt, wo Lily sich um ihn kümmerte. Beide hatten sich damals gegenseitig beschützt, bis Atlas von heute auf morgen verschwand.

Doch nun steht er plötzlich vor ihr und weckt Ryles´s Eifersucht ... und dieser zeigt sich von einer Seite, die Lily nie wieder an einem Menschen sehen wollte. Aber Lily liebt ihn doch und es machen doch alle Menschen mal Fehler aus dem Affekt heraus, die sie hinterher bereuen, oder?                                           

Mein Tipp: Es war dies der erste Roman der Bestsellerautorin Hoover, den ich gelesen habe. Das Cover und auch der Anfang der Lektüre liessen eine nicht allzu tiefgründige Lovestory vermuten und die vielen Klischees die bereits auf den ersten Seiten bedient wurden, schienen dies zu bestätigen. Trotzdem bin ich in den Sog der Geschichte geraten und konnte das Buch nicht weglegen. Die triefende Liebesgeschichte musste wohl so geschrieben werden, um dem Leser den Konflikt und die Hilflosigkeit in Bezug auf Gewalt in der Ehe vor Augen zu führen, welche Lily durchmacht. Spätestens das Nachwort und der persönliche Bezug von Hoover haben mich vollends ergriffen zurückgelassen und ich gebe meine klare Leseempfehlung für junge Mädchen ab 16 Jahren, aber nach oben hin offen.

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- Lesetipp von Ursula Lange

Ich bin nicht tot: Thriller

„Ich bin nicht tot“ von Anne Frasier, Thriller

Detective Jude Fontaine wurde drei Jahre lang von einem Entführer festgehalten. Nach ihrer Flucht nimmt sie trotz Zweifeln ihrer Kollegen die Arbeit in der Mordkommission wieder auf.

Die Detectives haben keine Wahl, als miteinander zusammen zu arbeiten. Sie müssen einen Psychopathen stellen…

Mein Tipp: Dieser Psycho-Thriller hat mich total gepackt. Die Geschichte ist spannend und nervenaufreibend. - Die Glaubwürdigkeit der Handlung stelle ich jedoch ziemlich in Frage. Ich kann mir nicht  vorstellen, dass jemand, der erlebt hat, was Jude Fontaine erleben musste, wieder zurück ins Arbeitsleben findet - noch dazu zurück in die Mordkommission… - Trotzdem: lesenswert!

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- Lesetipp von Brigitte Locher

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Zeitschrift «Grosseltern»

Seit letztem Herbst liegt eine Neuheit in unserem Zeitschriftengestell: «Grosseltern» Das Magazin über das Leben mit Enkelkindern. Dieses monatlich erscheinende Journal hat mein Interesse aus folgenden Gründen geweckt: 1. weil ich zum Zielpublikum gehöre und 2. wollte ich herausfinden, ob es sich um eine Bereicherung für uns Grosseltern handelt. Die Schlussfolgerung fällt positiv aus. Ich habe einige Hefte ausgeliehen und bin von der hohen Qualität der Beiträge, als auch vom Layout angenehm überrascht. Pfiffige Kolumnen und interessante Ausflugsvorschläge bringen mich dazu, diese Zeitschrift unseren Kundinnen und Kunden zu empfehlen. Je mehr Ausleihzahlen das Medium Ende Jahr vorweist, desto geringer ist die Befürchtung, dass meine Neuentdeckung wieder aus dem Gestell verschwindet.

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 April-Tipps 2018

- Lesetipp von Susan Ricklin

Ein Bild von Lydia

"Ein Bild von Lydia" von Lukas Hartmann                                                                                                  

Lydia ist die einzige Tochter von "Eisenbahnkönig" Alfred Escher und nach seinem Tod 1882 die reichste Frau der Schweiz. Verheiratet ist sie mit dem Sohn von Bundesrat Welti und lebt als Herrin im Landgut Belvoir in Zürich. Sie ist klug, neugierig und auch eigensinnig. Ihre grosse Leidenschaft ist die Kunst. Als ein einstiger Schulfreund ihres Mannes, Karl Stauffer-Bern, ein überaus talentierter Maler und ein Lebemann, sie porträtieren soll, erwächst in den folgenden Wochen eine spannungsvolle Nähe zwischen den Beiden. Lydia setzt alles aufs Spiel und brennt mit Stauffer durch. Diese leidenschaftliche Liebe ist der grösste Skandal in der Schweiz des ausgehenden 19. Jahrhunderts und führt sowohl Lydia als auch Stauffer ins Verderben. Erzählt wird die Geschichte in Hartmann's neuem historischen Roman von Lydia's Dienstmädchen Luise, welche selbst eine schwierige Geschichte zu verarbeiten hat. Sie stellt ihre persönlichen Bedürfnisse zurück und bleibt bis zum Ende der Tragödie an Lydia's Seite.

Mein Tipp: Lukas Hartmann ist ein sicherer Wert für mich - und dies nicht nur aufgrund seiner historischen Romane -, deshalb habe ich seine Lesung in Braunwald im Kulturcafé Bsinti drei Tage nach Erscheinen dieses neuen Romans mit Vorfreude besucht. Ich tauche gerne anhand eines Romans in historische Tatsachen ein, von denen ich bis anhin keine Ahnung hatte. Hier hat mir gut gefallen, wie Hartmann die Tragödie aus Sicht des Dienstmädchens begleitet. Auf jeden Fall lesenswert und toll recherchiert!

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- Hörbuchtipp von Vreni Bolt

Cover: https://exlibris.azureedge.net/covers/9783/2578/0339/6/9783257803396xl.jpg

„Wolkenbruches wunderliche Reise in die Arme einer Schickse“ von Thomas Meyer

Mordechai Wolkenbruch (von seiner Mutter auch mit 25 Jahren noch liebevoll „Mottele“ genannt) hat bisher alles getan, was die orthodoxe Tradition vorschreibt. Als seine Mame ihn aber mit irgendeiner, aber auf jeden Fall jüdischen Frau, verkuppeln will, beginnt er sich aufzulehnen und aus seinem braven und scheinbar vorgegebenen Leben auszubrechen. Denn er hat sich in einem Seminar in Laura verliebt, die keine Orthodoxe in langem Rock sondern eine Schickse in Jeans ist.

Der Rabbi schickt Motti nach Israel, um sich an seine religiösen Wurzeln zu erinnern. Ein Besuch im Yogastudio von Mottis Tante bringt ihm allerdings alles andere als spirituelle Höhenflüge und endlich findet er den nötigen Abstand zur Familie und schliesslich den Mut zur Freiheit, sein Leben so zu leben wie er es für richtig hält.

Mein Tipp: Das Hörbuch erschien 2014, es wird vom Autor gelesen, welcher selber aus einer jüdischen Familie stammt. Es ist gespickt mit jiddischen Ausdrücken, die man zuerst kaum versteht, mit der Zeit aber mit Vergnügen und Selbstverständlichkeit anhört.

Thomas Meyer wurde 1974 in Zürich geboren, sein witziges und humorvolles Romandebüt wurde 2012 für den Schweizer Buchpreis nominiert.

Nun wird das Buch verfilmt, der Film erscheint im Oktober 2018 im Kino mit Joel Basman als Motti Wolkenbruch. Wenn man das Hörbuch gehört oder das Buch gelesen hat, wird man gespannt sein auf die Verfilmung – mir jedenfalls geht es so! smiley

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- Lesetipp von Susanne Gambon

Die Geschichte des verlorenen Kindes: Band 4 der Neapolitanischen Saga (Reife und Alter) (Neapolitanische Saga)

„Die Geschichte des verlorenen Kindes“ von Elena Ferrante

Band 4 der Neapolitanischen Saga

Elena ist schließlich doch nach Neapel zurückgekehrt, aus Liebe. Die beste Entscheidung ihres ganzen Lebens, glaubt sie, doch als sich ihr nach und nach die ganze Wahrheit über den geliebten Mann offenbart, fällt sie ins Bodenlose. Lila, die ihren Schicksalsort nie verlassen hat, ist eine erfolgreiche Unternehmerin geworden, aber dieser Erfolg kommt sie teuer zu stehen. Denn sie gerät zusehends in die grausame, chauvinistische Welt des verbrecherischen Neapels, eine Welt, die sie Zeit ihres Lebens verabscheut und bekämpft hat. Bei allen Verwerfungen und Rivalitäten, die ihre lange gemeinsame Geschichte prägen - Lila und Elena halten einander die Treue, und fast scheint das Glück eine späte Möglichkeit. Aber beide haben sie übersehen, dass ihre hartnäckigsten Verehrer im Lauf der Jahre zu erbitterten Feinden geworden sind.

Mein Tipp:  Auch in diesem Buch bin ich wieder in die Welt der beiden Hauptpersonen Elena und Lila eingetaucht. Wieder haben mich beide Charaktere, jede auf ihre Weise fasziniert. Alle, die bis jetzt Band eins bis drei gelesen haben sollten unbedingt weiterlesen, es lohnt sich!

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- Lesetipp von Ursula Lange

Eine englische Ehe: Roman

„Eine englische Ehe“ von Claire Fuller

Ingrid ist noch jung und voller Pläne, als sie sich in ihren Literaturprofessor Gil Coleman verliebt - und von ihm schwanger wird. Das Glück währt nicht lange. Gil betrügt sie und lässt sie oft mit den Kindern allein. Anstatt ihren Mann zu stellen, beginnt Ingrid,  Briefe an ihn zu schreiben. Diese steckt sie in die Bücher seiner Bibliothek und verschwindet schliesslich spurlos.

Zwölf Jahre später glaubt Gil, seine Frau wiedergesehen zu haben…

Mein Tipp: Die Geschichte spielt in der Gegenwart und in brieflicher Form in der Vergangenheit. Der Wechsel der Zeiten und Erzählformen gibt dem Buch einen ganz eigenen Schwung.

Ich habe ein Zitat gefunden, das meine Meinung zum Buch trifft:

»Claire Fuller hat Figuren geschaffen, die in ihrer Zerrissenheit, ihren Enttäuschungen den Leser von der ersten Seite an fesseln. Ihr gelingt es mit einem wunderbaren Schreibstil, der Geschichte einen immer rasanteren Verlauf zu geben, mit unvorhergesehenen Wendungen zu überraschen.« Freie Presse, 07.04.2017

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- Lesetipp von Brigitte Locher

Ein Mensch brennt: Roman

«Ein Mensch brennt» von Nicol Ljubic

In der Radio-Sendung «52 beste Bücher» habe ich erfahren, dass die Geschichte von Hartmut Gründler auf Tatsachen beruht. Der Atomstromgegner hat sich als Zeichen des Protestes 1977 in Hamburg selbst verbrannt. Immer wieder hat er im Vorfeld dem damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt Briefe geschrieben, um diesen von seiner Kernenergie-Politik abzubringen. Ein Hungerstreik nützte wenig und somit sah er als einzige Möglichkeit, die Menschheit aufzurütteln, diesen schrecklichen Suizid. Vom Autor hörte ich, dass er sich lange überlegt hat, wie er diesen Plot aufbauen könnte. Die Lösung, das Ganze aus der Sicht eines 10-jährigen Knaben erzählen zu lassen, schien für ihn am einfachsten. Familie Kelsterberg aus Tübingen vermietet ihre Unterleger-Wohnung dem Aussenseiter Gründler. Sein Gedankengut schwappt bald auf Hannos Mutter über, die sich gerade in einer Phase der Emanzipation befindet. Dass der Unternehmer Kelsterberg die Welt nicht mehr versteht, liegt auf der Hand.

Mein Tipp: Die gutgläubige Haltung der damaligen Zeit gegenüber Atomkraftwerken und die schreckliche Tat ist eine Sache. Die feinfühlige Schilderung, wie die Mutter den Sohn zum ungewollten Komplizen macht und ihn an Demos und Flugzettel-Verteilungen mitnimmt, eine andere. Die Zerrissenheit des Knaben wird authentisch erzählt und zudem gelingt es dem Autor, Situationskomik nicht ins Lächerliche abdriften zu lassen. Mir gefällt der Aufbau der Geschichte mit Anteilnahme der Gegenwart, aber auch im Kontext mit Tschernobil und Fukushima. Ich staune über die differenzierte Sprache des gebürtigen Kroaten.

Für sein Buch «Meeresstille» erhielt er 2011 den Adelbert-von Chamisso Förderpreis. Auch dieses Werk (natürlich auch bei uns ausleihbar) bleibt mir in unvergesslicher Erinnerung.

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- DVD-Tipp von Lies Meyer

Victoria & Abdul [dt./OV]

Victoria & Abdul, DVD

In dem neuen Kapitel der königlichen Biografie Victoria and Abdul lernt die von ihrem Volk über alle Maßen geliebte Monarchin bei den aufwändigen Feierlichkeiten den jungen Angestellten Abdul Karim (Ali Fazal) kennen - er ist aus Indien angereist, um das Jubiläum in London mitzuerleben. Überraschend nimmt die Queen Karim in ihren Hofstaat auf - zunächst als Kellner. Doch sehr schnell gewinnt er ihr volles Vertrauen und entwickelt sich zu einer Art Katalysator für die Gefühle der Königin, die sich durch die Jahrzehnte ihrer Regentschaft zunehmend eingeengt fühlt. Zwischen den beiden wächst eine Treue und Freundschaft, die am Hof bald zu Misstrauen, Neid und Intrigen führen. Aber mithilfe ihres Freundes Karim beginnt die Queen den Wandel der Zeiten besser zu begreifen - was ihre letzten Lebensjahre mit neuer Freude und Menschlichkeit erfüllt.

Mein Tipp: Dass Victoria & Abdul trotz Pathos und visuellem Prunk durchaus sehenswert ist, liegt neben Frears leichtfüßiger Art des Erzählens vor allem an der wunderbaren Judi Dench, die als störrische Queen Victoria brilliert.

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März-Tipps 2018

- DVD-Tipp von Susan Ricklin

Poldark - Staffel 1 - Standard-Edition

Poldark DVD-Serie

Im Jahr 1783 kehrt Ross Poldark vom Unabhängigkeitskrieg zurück und muss feststellen, dass in Cornwall nichts mehr ist, wie es war: Sein Vater ist tot, der Familienbesitz mitsamt der dazugehörigen Minen heruntergewirtschaftet und verschuldet, und seine Jugendliebe Elisabeth wird in wenigen Wochen seinen Cousin Francis heiraten.
Trotz dieser Rückschläge möchte Ross seine Heimat nicht verlassen. Er ist fest dazu entschlossen, sein Erbe anzutreten und die Zinnminen seiner Familie wieder in Betrieb zu nehmen. Ross ist ein Mann von Ehre mit starkem Sinn für soziale Gerechtigkeit und so liegt ihm auch das Wohl der ehemaligen Minenarbeiter am Herzen. Schon bald gerät er deswegen in Konflikt mit dem Adel. Und auch sein Privatleben ist ein grosses Chaos. Er ist hin- und hergerissen zwischen zwei Frauen und zwei sozialen Schichten.

Mein Tipp: Bei dieser Serie handelt es sich um eine neue Verfilmung von Winston Graham's Poldark-Romanen, die er Mitte des 20. Jahrhunderts geschrieben hat. Landschaftsbilder, die zum Träumen verleiten, schöne Menschen verbandelt in einer ergreifenden Liebesgeschichte und das Ganze verpackt in ein Historiendrama in gesellschaftlichem Zusammenhang. Die Briten waren bei der Ausstrahlung im Taumel und auch mir haben die ersten beiden Staffeln ausnehmend gut gefallen. Die dritte erscheint im April und ich fiebere darauf hin...

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- Hörbuchtipp von Vreni Bolt

Die Melodie meines Lebens

 „Die Melodie meines Lebens“ von Antoine Laurain, Hörbuch

Aus dem Französischen übersetzt von Sina de Malafosse, gelesen von Axel Wostry

Mit 33 Jahren Verspätung wird ein Brief mit einer Zusage für einen Plattenvertrag ausgehändigt. „The Hologrammes“ waren 1983 auf bestem Weg, berühmt zu werden. Dieser Brief stellt Alains Leben (jetzt Arzt, ehemals Gitarrist der Band) auf den Kopf und bringt ihn auf die Idee, nach seinen ehemaligen Bandmitgliedern zu suchen. Die Wege hatten sich damals getrennt und nur mit Mühe gelingt es ihm, die ehemaligen Musiker und die Sängerin Bérangère, in die Alain heimlich verliebt war, aufzuspüren.

Antoine Laurain erzählt leicht melancholisch aber mit viel Witz vom Leben und den Entscheidungen, die man trifft, von verlorenen Freundschaften und verpassten Chancen, vom Ende der Musikkassetten und der Kodak-Filmspulen: Hätte man sich 1983 vorstellen können, mit dem Telefon Fotos zu machen oder Musik aufzunehmen?

Mein Tipp: Die Spannung dieser polit- und gesellschaftskritischen Geschichte hält bis zum Schluss, der überraschend unerwartete Wendungen nimmt und viele Fragen zum Thema aufwirft: „Würde man alles nochmals genau so machen, wenn sich die Zeit zurückdrehen liesse...?“

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- Lesetipp von Ursula Lange

Und jetzt lass uns tanzen: Roman

„Und jetzt lass uns tanzen“ von Karine Lambert

Beinahe wären sie einander nie begegnet: Marcel, der den Sternenhimmel liebt, und Marguerite, die nur dem Tag Schönheit abgewinnen kann. Er, für den nur die Freiheit zählt, und sie, die ausnahmslos allen Regeln folgt. Doch dann verlieren beide ihre langjährigen Ehepartner. An diesem Wendepunkt in ihrem Leben treffen Marguerite und Marcel aufeinander und stellen überrascht fest, dass sie über die gleichen Dinge lachen. Wagen sie es auch, noch einmal zu lieben?

Mein Tipp: Es ist ein leises Buch. Ein Buch, das auf zarte Art das Älterwerden, den Umgang mit dem Verlust des Ehepartners und eine mögliche Liebe im Alter beschreibt. Für mich absolut lesenswert!

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- Lesetipp von Brigitte Locher

Vintage

«Vintage» von Grégoire Hervier

Dieses Buch handelt, wie schon auf dem Umschlag ersichtlich, von einer E-Gitarre. Und zwar nicht von irgendeiner, sondern der Gibson Moderne. 1957 wurde dieser «Heilige Gral» der Vintage-Gitarren entworfen. Thomas Duprè, ein junger Musiker und Journalist, erhält den Auftrag, für einen reichen englischen Lord den Beweis zu erbringen, dass die «Moderne» tatsächlich gebaut wurde. Die Versicherung will diesen Nachweis, damit sie dem Lord die gestohlene «Moderne» vergütet. Via Sydney und Memphis landet Dupré in New Orleans und erlebt in diesem Roadmovie manche gefährliche Situation. Wer hat, wenn es dieses Instrument überhaupt gibt, diese Rarität in seinem Besitz?

Mein Tipp: Beim Lesen dieses Buches tauchte ich in die Welt des Blues und Rock and Rolls ein und zwar bis zu den Anfängen. Zur akustischen Seite stand mir wieder einmal «You Tube» bei und liess all die erwähnten Künstler und ihre Werke erklingen: phantastisch. Zudem ist für Spannung gesorgt, nicht grundlos wird das Buch als Krimi angepriesen. Die 389 Seiten über einen Gegenstand mit 6 Saiten unterhalten und informieren nachhaltig.

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Februar-Tipps 2018

- Lesetipp von Susanne Gambon

Herzenstimmen: Roman (Die Burma-Serie, Band 2)

„Herzenstimmen“ von Jan-Philipp Sendker

Zehn Jahre ist es her, dass Julia Win aus Burma als anderer Mensch zurückgekehrt ist. Doch mittlerweile hat sie das rastlose westliche Leben und ihre Karriere in einer New Yorker Anwaltskanzlei wieder eingeholt. Da erreicht sie ein rätselhafter Brief ihres Halbbruders U Ba, und eine fremde, innere Stimme beginnt zu ihr zu sprechen. Bald erkennt sie, dass sie noch einmal zurück muss nach Burma, um dem Geheimnis dieser Stimme auf den Grund zu gehen und die Quelle ihres persönlichen Glücks wiederzuentdecken.

Mein Tipp: "Herzenstimmen" ist der Folgeroman des Bestsellers "das Herzenhören" und handelt ebenfalls in Burma. Das Buch gehört nicht zu den Neuerscheinungen, lohnt sich aber dennoch für alle, die noch nicht in den Genuss gekommen sind... Eine aussergewöhnliche Geschichte, die an's HERZ geht!

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- Lesetipp von Ursula Lange

Das Gesicht meines Mörders: Psychothriller

„Das Gesicht meines Mörders“ von Sophie Kendrick

Als Clara aus dem Koma erwacht, kann sie sich an nichts mehr erinnern. Sie erinnert sich weder an ihren Namen noch an den Mann, der an ihrem Bett sitzt und behauptet, ihr Ehemann zu sein…

Als jemand versucht, sie umzubringen, begreift Clara, dass sie sich erinnern muss, um zu überleben…                 

Mein Tipp: Dieser Psychothriller hat’s in sich. Ideale Ferienlektüre…

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- Lesetipp von Brigitte Locher

Die Wurzel alles Guten: Roman

«Die Wurzel alles Guten» von Miika Nousiainen

Zahnschmerzen treiben Pekka zum Zahnarzt. Zuerst fällt ihm der gemeinsame, seltene Nachname auf. Als er den Mann zu Gesicht bekommt, ist für ihn klar: sie müssen miteinander verwandt sein. Nach anfänglichem Zögern machen sich die beiden Halbbrüder auf die Suche nach ihrem Vater. Überrascht stellen die Männer fest, dass sie nicht die einzigen Nachkommen des mysteriösen, durch Abwesenheit glänzenden Erzeugers sind. «Eine originelle Komödie aus Finnland über Herkunft, Identität und Vorurteile – und die schönste Geschwistergeschichte südlich des Polarkreises» steht im Klappentext.

Mein Tipp: Wir bekommen diese aus der Sichtweise beider Brüder erzählt und erleben die verschiedenen Charaktere der Protagonisten hautnah. «Wenn es um die Familie geht, ist das vielleicht ganz ähnlich wie bei einer Wurzelbehandlung. Auch wenn es unangenehm wird, muss man es zu Ende bringen.» Nach diesem Motto sind die einzelnen Kapitel aufgebaut und sofort tauchen meine eigenen Erinnerungen an diesen Eingriff auf: im Moment sehr schmerzhaft, jedoch im Nachhinein erlösend. Einfühlend aber auch humorvoll werden die, durch das Stochern in der Vergangenheit auftretenden Schmerzen erzählt. Dieses «Wohlfühlbuch» ist für mich gute Unterhaltung mit Tiefgang. Kein Wunder wird der Bestseller aus Finnland verfilmt. cheeky

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- DVD-Tipp von Lies Meyer

Florence Foster Jenkins

"Florence Foster Jenkins" DVD

"Florence Foster Jenkins" erzählt die wahre Geschichte der gleichnamigen legendären New Yorker Erbin und exzentrischen Persönlichkeit. Geradezu zwanghaft verfolgt sie ihren Traum, eine umjubelte Opernsängerin zu werden. Es gibt nur ein winziges Problem: Die Stimme! Denn was Florence (Meryl Streep) in ihrem Kopf hört, ist wunderschön - für alle anderen jedoch klingt es einfach nur grauenhaft. Ihr "Ehemann" und Manager, St Clair Bayfield (Hugh Grant), ein englischer Schauspieler von Adel, ist entschlossen, seine geliebte Florence vor der Wahrheit zu beschützen. Als Florence aber im Jahr 1944 beschließt, ein öffentliches Konzert in der Carnegie Hall für die gesamte New Yorker High Society zu geben, muss sich St Clair seiner größten Herausforderung stellen...

Mein Tipp: Alles in allem ist «Florence Foster Jenkins» eine heitere Komödie für die ganze Familie.

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- Lesetipps von Susan Ricklin

Das schaurige Haus: Roman. Mit Vignetten von Anke Kuhl (Gulliver)

Die unheimliche Krähe am See: Roman

" Das schaurige Haus" und "Die unheimliche Krähe am See" von Martina Wildner  

Hendrik und Eddi sind mit ihren Eltern in ein kleines Dorf im Allgäu gezogen. Aber irgendjemand scheint zu wollen, dass sie aus dem Haus am Pestkirchlein so schnell wie möglich wieder verschwinden. Als Eddi schlafwandelt und furchtbare Albträume hat, ist für den großen Bruder klar: Auf dem Haus liegt ein Fluch! Zusammen mit Ida verfolgt Hendrik mysteriöse Spuren. Doch können die beiden den schaurigen Fluch bannen, bevor er neue Opfer fordert?

Die Familie ist wieder in die Stadt zurückgezogen und kommt nur zu Besuch ins Allgäu. Irgendwas geht in diesem schaurigen Dorf nicht mit rechten Dingen zu: Krähen greifen plötzlich Idas Oma an. Kaum sind Hendrik und sein kleiner Bruder Eddi da, um Ida zu helfen, wird auch Eddi von Krähen angefallen. Es ist, als läge ein schrecklicher Fluch über dem grün-blau glitzernden Stausee, der einst drei Dörfer überflutete. Sind die Krähen Boten aus der Anderswelt? Hat der Mann, der von der Rache der Götter faselt, etwas damit zu tun? Oder ist es die Rache der Natur?
 

Mein Tipp: Mir hat der Roman um die schaurigen Vorkommnisse im gemieteten Haus auf dem Dorf und auch seine Fortsetzung, in der es anstelle von Schnecken diesmal um Krähen geht, sehr gut gefallen. Zwei superspannende, nicht wenig gruslige Geschichten um Aberglaube und düstere Familiengeheimnisse. Mich haben alle Werke der vielfach ausgezeichneten deutschen Jugendbuchautorin stark beeindruckt. Der gehobene und doch leichte und flüssige Schreibstil und eine Handlung mit Tiefgang heben sich wohltuend ab von den üblichen Reihentiteln im Regal. Meine Empfehlung für Kinder mit starken Nerven ab 10 Jahren. Aber auch für (vorlesende) Erwachsene und Liebhaber guter Kinderbücher eine Lektüre mit Gänsehautfaktor!

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- Lesetipp von Vreni Bolt

Wer dann noch lachen kann: Roman

„Wer dann noch lachen kann“ von Birgit Vanderbeke

Die Autorin stellt mit dieser Geschichte das Tabu-Thema häusliche Gewalt und ein zerstörtes Familienleben in den Vordergrund. Die Ich-Erzählerin erzählt in einer „Rückblende“ anschaulich ihre traumatischen Kindheitserlebnisse: Vom Vater geschlagen und von der überforderten Mutter mit Medikamenten „therapiert“ bzw. vollgestopft findet das Kind einzig Halt und Verständnis in einem imaginären Wesen, das es liebevoll „meinen Mikrochinesen“ nennt. Dieser kleine Wicht sagt zu ihr: „Du kannst schon gar nicht mehr richtig lachen. Wenn man nicht mehr richtig lachen kann, muss man anfangen, auf sich aufzupassen.“

Erst als Erwachsene, als nach einem Autounfall chronische Schmerzen zurückbleiben, sucht die Erzählerin professionelle Hilfe und findet diese in Form einer Mikrokinesitherapie. All die vergessen geglaubten Kindheitserlebnisse werden hervorgeholt und beleuchtet und sie kann endlich Heilung finden.

Mein Tipp: Birgit Vanderbeke schreibt zu diesem Roman, sie habe autobiografische Angaben eingebracht. Ihre Sprache ist sehr kühl, manchmal verstörend durch das Auslassen von Tatsachen, die offensichtlich sind. Auch die Direktheit, die kurzen, prägnanten Sätze erschüttern, die geschilderten Erlebnisse sind unvorstellbar und es bleibt zu hoffen, dass sich Solches nicht wirklich so zugetragen hat…

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Januar-Tipps 2018

- Lesetipp von Ursula Lange

Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod: Roman

„Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod“ von Gerhard Jäger

Herbst 1950: Für den jungen Wiener Historiker Max Schreiber ist es nicht einfach, in einem Tiroler Bergdorf einem alten Geheimnis auf den Grund zu gehen. Er kämpft mit dem Alleinsein, dem Misstrauen der Dorfgemeinschaft und schliesslich auch um die  Liebe zu einer jungen Frau.

Als ein Bauer unter ungeklärten Umständen ums Leben kommt, ein Stall brennt und der Winter mit ungeheurer Wucht und tödlichen Lawinen über das Dorf hereinbricht, spitzt sich die Situation dramatisch zu. Schreiber gerät unter Mordverdacht und verschwindet spurlos. Es bleiben nur seine Aufzeichnungen zurück.

Mehr als ein halbes Jahrhundert später unternimmt ein alter Mann die Reise aus den USA in das Tiroler Bergdorf. Er will endlich die Wahrheit wissen. Von seinen eigenen Schatten verfolgt, begibt er sich auf Spurensuche in die Vergangenheit.

Mein Tipp: Dieser Wälzer lohnt sich! Es ist ein sprachgewaltiger Roman, der mich mitgerissen hat. Ich habe mit Schreiber mitgelitten, seine Einsamkeit gespürt, die Kälte, das Ausgeschlossensein miterlebt.

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- Lesetipp von Brigitte Locher

Der englische Botaniker

«Der englische Botaniker» von Nicole C. Vosseler

Robert Fortune, gelernter Gärtner und Pflanzenliebhaber reist 1843 im Auftrag der Royal Horticultural Society nach China um dort Pflanzen aufzuspüren, die im Westen unbekannt sind. Für die auf ein Jahr geplante Expedition lässt er Frau und Kinder zurück. Die Reise mit seinem Gehilfen und Übersetzer Wang verläuft ereignislos, bis er die Teepflanze kennenlernt. Aber auch dank Liang, einer einheimischen Wanderkriegerin nimmt der Plot Fahrt auf. Aus dem geplanten Jahr werden drei und zuhause wächst die unscheinbare Ehefrau über sich hinaus und lernt auf ihre Weise selbständig zu denken und zu agieren.

Mein Tipp: Wen spricht dieses Buch an: zuerst natürlich die Blumenliebhaber– immer wieder war ich erstaunt, wie viele Pflanzen den Weg aus China zu uns gefunden haben. Aber auch Personen, die mehr über «das Land der Mitte» im 19. Jahrhundert erfahren möchten. Und zuletzt die Teeliebhaber – die Geschichte, wie diese Pflanze westwärts reiste, wird beschrieben. Es war unter Todesstrafe verboten, das «grüne Gold» ausser Landes zu schmuggeln. Dieses Buch ist nicht überstürzt und hastig zu lesen. Aber ich glaube, Pflanzenliebhaber bringen diese Ruhe auf und geniessen die bildhaft schöne Beschreibung dieser Wunder der Natur. Erwähnenswert ist noch die Tatsache, dass sich die Autorin auf authentische Reiseberichte des Botanikers abstützt und mit dem Satz: «Geschichten keimen aus Körnchen von Tatsachen» ihre Phantasie walten lässt.

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- DVD-Tipp von Lies Meyer

The Crown - Die komplette erste Season

"The Crown", DVD

Das Britische Weltreich bricht entzwei, die politische Welt befindet sich in Aufruhr und eine junge Frau besteigt den Thron... eine neue Ära steht bevor. Königin Elizabeth II ist eine 25-jährige, frisch verheiratete Frau, der die Aufgabe zu Teil wird, die bekannteste Monarchie der Welt anzuführen und gleichzeitig eine Beziehung zu dem legendären Premierminister Sir Winston Churchill aufzubauen.

Mein Tipp: "The Crown" lässt die 90-jährige Queen und den 95-jährigen Prinz von Edinburgh zuschauen, wie es in ihrem Leben zugegangen ist. Es ist die Geschichte des Paares vom Tag seiner Hochzeit 1947 bis – ja, wenn alles gut geht – heute. 

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- Lesetipp von Susan Ricklin

Schildkrötensoldat: Roman

"Schildkrötensoldat" von Melinda Nadj Abonji                                                                                        

Zoltán, Sohn einer Dorfhure und eines Säufers, fällt als Kind von des Vaters Motorrad und ist seitdem anders. Ein wunderlicher Junge, ein Träumer, der die Blumen in seinem Garten liebt und dem seltsame Wörter im Kopf herumwirbeln und aus seinem Mund fallen. Er versteht nicht, warum er seinen Eltern eine Last ist, da sie mit seiner Liebe und seinem Anderssein nichts anfangen können. Mit etwa zwanzig entsorgen ihn seine Erzeuger zu den Soldaten, sicher wird man dort endlich einen Mann aus ihm machen, und die Armee kann sowieso jeden gebrauchen, weil der jugoslawische Staat gerade auseinanderfällt. Dort wird er Opfer seines sadistischen Leutnants. Als sein einziger Freund infolge dieser Quälerei umkommt, bricht auch Zoltán endgültig zusammen.
Die zweite Stimme in diesem Buch ist die von Zoltáns Cousine Anna, die das Glück hatte, als Kind dem dörflichen Elend in die Schweiz zu entkommen. (Wie auch die Autorin selbst, welche als Angehörige einer ungarischen Minderheit im ehemaligen Jugoslawien mit  5 Jahren ihren Eltern in die Schweiz folgte. ) Anna begibt sich auf eine Reise zurück, um das Unbegreifliche zu verstehen.

Mein Tipp: Ein ungeheuer beeindruckendes, sowohl erschreckendes und doch auch poetisches neues Buch der Gewinnerin des Schweizer - und auch des Deutschen Buchpreises 2010 für "Tauben fliegen auf"!

"Schildkrötensoldat" erzählt vom sanften Widerstand der Phantasie gegen ein System, welches nur Befehl, Gehorsam und Unterwerfung kennt. Mit seiner schonungslosen Grausamkeit nicht unbedingt eine Lektüre für frohe Weihnachtstage. Aber vielleicht für die Tage danach?

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- Lesetipp von Susanne Gambon

Winterwohlfühlküche - Wärmendes für kalte Tage

"Winterwohlfühlküche - Wärmendes für kalte Tage"
Thorbecke Verlag

Die Tage sind kürzer, draussen ist es umgemütlich und kalt - was kann es da Schöneres geben, als einen gemütlichen Abend in trauter Zweisamkeit, im Kreis der Familie oder mit guten Freunden zu verbringen. Während es vor der Türe stürmt und schneit, knistert drinnen das Feuer im Kamin, alle haben sich am schön gedeckten Tisch um ein wärmendes Mahl versammelt, und aus der Küche weht schon ein köstlicher Duft nach frisch gebackenem Kuchen... Von der Hauptspeise bis zum Dessert und heissen Getränken finden Sie hier die besten Winterwohlfühl-Rezepte, bei denen Sie sich fast wünschen werden, dass die kalte Jahreszeit noch ein bisschen länger dauern möge.

Mein Tipp: Köstliche Rezepte und sehr schöne, stimmige Bilder zeichnen dieses Buch aus. Für mich ein Highlight unter den Kochbüchern und ein Muss in der kalten Jahreszeit...

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Dezember-Tipps 2017

- Lesetipp von Brigitte Locher

Mein Leben als Hoffnungsträger

«Mein Leben als Hoffnungsträger» von Jens Steiner

«Recycling» spielt eine grosse Rolle in diesem Buch. Philipp, ein junger Aussenseiter, hat gerade seine Lehre abgebrochen und landet per Zufall in einer grossstädtischen Abfalltrennanlage. Sein Chef sieht in ihm seinen «Hoffnungsträger einer Zukunftsordnung des Trennens und Wiederverwertens». Die anderen Mitarbeiter, zwei Portugiesen, spuren nicht so, wie es ihr Vorgesetzter gerne möchte. Sie verdienen mit Zweitverwertung des angelieferten Abfalls einen Zustupf, will heissen, sie verhökern den Schrott. Philipp lebt in einer Zweizimmerwohnung im «Bienenstock» (Überbauung Grünau in Altstetten). Eigentlich ist der Protagonist zufrieden, doch mit der Zeit sieht er die Sinnlosigkeit dieses Jobs. «Was die Menschen hier wegwerfen, sind die Schuttmoränen ihrer Kaufräusche». Ein Jobwechsel bahnt sich an.

Mein Tipp: Der Schweizer Autor Jens Steiner trifft mit seiner humorvollen, aber trotzdem sensiblen Sprache meinen Geschmack. Eine Abfalltrennanlage aus der Sicht der Angestellten zu erleben, löst Gedanken zu meinem eigenen Konsumverhalten aus. Es sollte noch erwähnt werden, dass Jens Steiner 2013 den Schweizer Buchpreis mit «Carambole» gewonnen hat.

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- DVD-Tipp von Lies Meyer

Die Frau des Zoodirektors

„Die Frau des Zoodirektors“, DVD

Polen 1939: Im September beginnt der Zweite Weltkrieg, das Land wird von den Nazis besetzt. Antonina Zabinska (Jessica Chastain) und ihr Mann Dr. Jan Zabinski (Johan Heldenbergh) arbeiten in leitender Position für den Warschauer Zoo. Sie sind schockiert, als die deutschen Besatzer sie zwingen, sich dem neu eingesetzten Chefzoologen Lutz Heck (Daniel Brühl) unterzuordnen. Um sich zu wehren, nehmen Antonina und Jan heimlich Kontakt zur Untergrundbewegung auf. So reift in ihnen der Plan, Menschen aus der Hölle des Warschauer Ghettos zu retten, denn inzwischen haben die Nazis die jüdischen Mitbürger in ihrem Viertel buchstäblich eingemauert. Nicht nur Antonia gerät durch diese Hilfsaktionen in Lebensgefahr, sondern ihre gesamte Familie.

Mein Tipp: „Die Frau des Zoodirektors“ packt einen von der ersten bis zur letzten Minute, bietet wunderbare Schauspieler und erzählt eine beeindruckende, wahre Geschichte, die sehr berührend inszeniert wurde.

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- Lesetipp von Susan Ricklin

Der Koffer

"Der Koffer" von Robin Roe                                                                                                                         

Julian ist 14, er ist Waise und sehr introvertiert und schüchtern. Er ist für seine Mitschüler das perfekte Opfer für Spott - falls er überhaupt wahrgenommen wird. Er hat keine Freunde und verbringt seine Pausen zurückgezogen in einem Geheimversteck. Alles was ihm von seinen Eltern geblieben ist, ist ein Koffer, in dem er die Erinnerungen an seine wohlbehütete Kindheit aufbewahrt. Er lebt seit ein paar Jahren bei seinem schrecklichen Onkel, der ihm Tag für Tag zeigt wie wertlos er ist und sein Selbstwertgefühl schrumpft immer weiter. Doch dann trifft er auf Adam. Adam ist 17 und war nach dem Tod von Julians Eltern für kurze Zeit sein Pflegebruder und hat sich um ihn gekümmert. Adam ist das krasse Gegenteil von Julian. Er ist locker, offen und bei Lehrern und Freunden beliebt. So geht er auch auf Julian zu und die beiden nähern sich wieder an. Julian wird Teil von Adams Clique und beginnt sich zu öffnen. Das Glück ist jedoch nur von kurzer Dauer. Zuhause lauert die erdrückende Dunkelheit und ein grausames Monster. Julian kann sich niemandem anvertrauen, nicht einmal Adam. Doch der ist ein aufmerksamer Beobachter und merkt, dass etwas nicht stimmt.

Mein Tipp: "Der Koffer" ist definitiv eins meiner Herzensbücher! Schon auf den ersten Seiten entwickelt die Geschichte einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann und will. Die kurzen Kapitel werden jeweils aus der Sicht der beiden Hauptpersonen Julian und Adam erzählt. Die meisten Charaktere finde ich extrem stark beschrieben. Mein absoluter Liebling ist Adam. Er ist immer hibbelig und muss permanent in Bewegung sein. Daneben ist er aber auch extrem offen und kommunikativ, sehr aufmerksam, sensibel und ansteckend lebensbejahend mit seiner Art. Wie die Autorin sein ADHS als Nebenthematik einbringt, finde ich erstklassig. Eine so positive und hoffnungsvolle Beschreibung ist für alle Betroffenen eine Wohltat.

Ein unglaublich emotionales und auch unglaublich erschreckendes Buch. Deshalb vielleicht erst ab 15 Jahren, aber nach oben hin auf jeden Fall offen.

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- Hörbuchtipp von Vreni Bolt

Die Geschichte der Bienen

„Die Geschichte der Bienen“ von Maja Lunde

Die norwegische Autorin hatte bereits mehrere Kinder- und Jugendbücher geschrieben, als sie auf der Suche nach einem Thema für Erwachsene einen Dokumentarfilm über das Verschwinden der Bienen im Fernsehen sah.

Sie war fasziniert vom Thema und wollte darüber mehr wissen. So stellte sie sich drei Fragen, die im Roman in drei Zeitepochen und Erzählsträngen mit Familienportraits verbunden werden:

Warum sterben die Bienen? Die erste Geschichte handelt von William, der Mitte des 19. Jahrhunderts in England einen neuartigen Bienenkorb erfindet, was leider zur gleichen Zeit andere in anderen Ländern ebenfalls tun.

Wie fühlt es sich an, wenn ein Imker seine Bienen verliert? Wir lernen George kennen, der 2007 in den USA lebt, wo der Kollaps der Bienenkolonien anfängt.

Wie wird die Welt aussehen, wenn es keine Bienen mehr gibt? Die dritte Geschichte erzählt von Tao, die 2098 in China lebt. Die Bienen sind verschwunden und die Menschen müssen die Bestäubung selber vornehmen.

Mein Tipp: Die Geschichte ist spannend und durch die drei verschiedenen Erzählstimmen angenehm zu hören. – Es braucht allerdings eine grosse Portion Konzentration, damit man den Faden nicht verliert. Ich musste zudem am Ende nochmals die ersten Kapitel hören, um die riesige Informationsflut zusammenzusetzen.

Ich kann das Hörbuch aber als spannende Unterhaltung auch „Bienenlaien“ (wie ich es bin) empfehlen.

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- Lesetipp von Susanne Gambon

Wortwerkstatt. Deko- und Geschenkideen mit Sprüchen, Zitaten & Co.: Mit über 1000 weisen, witzigen und ironischen Sprüchen und über 30 Ideen für die kreative Umsetzung

„Wort Werkstatt -

 Deko- & Geschenkideen mit Sprüchen, Zitaten & Co."

Cooler Spruch, doch was macht man jetzt damit? Posten? Liken? Geht da nicht noch mehr? Doch, natürlich!

In diesem Buch findet ihr 30 Ideen und Anleitungen um eure Lieblings-Statements in eure kreative Welt zu holen: auf die Lieblingstasse, auf eine selbstgemachte Karte, an die Wand... Und die Sprüche Sammlung mit sage und schreibe 1000 Sprüchen hält garantiert auch das Statement bereit, das jede aktuelle Gemütslage erfordert.

Mein Tipp: Dieses Buch mit vielen schönen, witzigen und ironischen Sprüchen regt die Kreativität an und eignet sich auch als ideales Weihnachtsgeschenk! cheeky

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- Lesetipp von Ursula Lange

SOLO: Der Alleingänger Ueli Steck - Eine Erinnerung

„Solo - Der Alleingänger Ueli Steck - Eine Erinnerung“ von Gabriella Baumann-von Arx

Dort, wo anderen schon vom blossen Zuschauen elend wird, fühlte sich Ueli Steck zu Hause. Dort, wo es für Nichtalpinisten nur ein Abwärts gibt, zog es ihn nach oben. Und dies am liebsten ohne Seil, im Alleingang und mit nicht nachvollziehbarer Geschwindigkeit. Ueli Steck war ein alpiner Zehnkämpfer, der nicht nur am Fels in unseren Alpen, sondern auch im Himalaja, in Eis und Schnee und dünner Luft höchst erfolgreich war. 2005, nach seinen Erfolgen an den Wendenstöcken und seinem erfolgreichen sogenannten Khumbu-Express, fragte ihn die Autorin Gabriella Baumann-von Arx an, ob er an einem Buchprojekt interessiert sei. Nach kurzem Zögern sagte er zu und erklärte ihr in langen Gesprächen, was ihn antrieb. Am Schluss des Buches wird klar: Ueli Steck hat sein Leben geliebt – und es gerade deshalb so intensiv gelebt.

Mein Tipp: Das Buch, welches ursprünglich 2006 erschienen ist,  wurde nach dem tragischen Tod von Ueli Steck nochmals neu aufgelegt und mit einem Vorwort versehen.  Mit ihrer einfühlsamen Art gelang es Gabriella Baumann-von Arx, dem schweigsamen Alpinisten viel Persönliches zu entlocken. Man bekommt einen Einblick in ein Leben, das für viele von uns nicht nachvollziehbar ist.

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November-Tipps 2017

- DVD-Tipp von Lies Meyer

Die göttliche Ordnung

„Die göttliche Ordnung“ DVD

Nora ist eine junge Hausfrau und Mutter, die 1971 mit ihrem Mann und zwei Söhnen in einem beschaulichen Schweizer Dorf lebt. Hier ist wenig von den gesellschaftlichen Umwälzungen der 68er-Bewegung zu spüren. Der Dorf- und Familienfrieden kommt jedoch gehörig ins Wanken, als Nora beginnt, sich für das Frauenstimmrecht einzusetzen...

„Die göttliche Ordnung“ ist der erste Spielfilm über das Schweizer Frauenstimmrecht und dessen späte nationale Einführung 1971. Drehbuchautorin und Regisseurin Petra Volpe („Traumland“, Drehbuch von „Heidi“) nimmt das Publikum mit auf eine emotionale Reise in die ländliche Schweiz der 70er Jahre und diese bahnbrechende Zeit. „Die göttliche Ordnung“ setzt all den Menschen ein Denkmal, die damals für gleiche politische Rechte gekämpft haben, sowie all jenen, die sich auch heute für Gleichberechtigung und Selbstbestimmung engagieren.

Mein Tipp: Ein Stück Schweizer Geschichte, zur absurd späten Einführung des Frauenstimmrechts. Aber besser spät, als nie.

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- Lesetipps von Susan Ricklin

Underground Railroad: Roman

"Underground Railroad" von Colson Whitehead                                                                               

Cora ist nur eine von unzähligen Schwarzen, die auf den Baumwollplantagen Georgias schlimmer als Tiere behandelt werden. Alle träumen von der Flucht – doch wie und wohin? Da hört Cora von der Underground Railroad. Über eine Falltür gelangt sie in den Untergrund und es beginnt eine atemberaubende Reise, auf der sie Leichendieben, Kopfgeldjägern, obskuren Ärzten, aber auch heldenhaften Bahnhofswärtern begegnet. Jeder Staat, den sie durchquert, hat andere Gesetze, andere Gefahren. Wartet am Ende wirklich die Freiheit?

Die Underground Railroad war vom Ende des 18. Jahrhunderts bis Mitte des 19. Jahrhunderts ein Fluchtnetzwerk für entlaufene Sklaven von den Südstaaten der USA in den Norden. Es bestand aus geheimen Routen und sicheren Häusern, vielen helfenden Händen, die dabei ihr Leben riskierten. Benutzt wurden als Code Eisenbahnbegriffe wie Station, Schaffner, Gepäck, Passagiere… Colin Whitehead benutzt den Begriff Underground Railroad im Roman im wörtlichen Sinn. Es handelt sich tatsächlich um eine unterirdische Eisenbahnlinie mit verschiedenen Bahnstationen und Stationsvorstehern, zwischen denen Züge nach geheimen Absprachen verkehren.

Mein Tipp: Die Idee Whiteheads, eine so tragische Realität der Menschheitsgeschichte mit Fiktion in seinem Roman zu verbinden, finde ich gewagt, aber auch mutig. Meines Erachtens nimmt er so der unglaublichen Grausamkeit ein wenig an Dramatik, womit sich das düsterste Kapitel  in Amerikas Geschichte ein bisschen wie ein Abenteuerroadmovie lesen lässt. Dies könnte für  den einen oder anderen Leser Anlass zu Kritik sein. Wenn man sich dessen aber bewusst ist, wird einen dieser Roman, der den Pulitzerpreis 2017 zu Recht bekommen hat, nicht loslassen. Colson Whitehead hat ein beachtliches und aussergewöhnliches Buch zum bis heute hochaktuellen Thema Rassismus geschrieben. Und dies aus der Sicht der Opfer.  Unbedingt lesenswert und wichtig für das Verständnis der Rassenproblematik in den heutigen USA.

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Pusteblumentage

"Pusteblumentage" von Rebecca Westcott                                                                                         

Bereits der Einstieg ins Buch ist heftig: Wir erfahren, dass Liv einen geliebten Menschen verloren hat und dass sie nun vor einem Scherbenhaufen sitzt. Wie kam es dazu?  Obwohl das Zusammenleben mit einem autistischen Bruder eine Herausforderung ist,  führt die 12-Jährige ein ganz normales Teenagerleben: Sie geht in die High School, hat eine beste Freundin, schwärmt für einen Klassenkameraden, interessiert sich für Fotografie. Doch dann wird ihre Mutter, mit der sie ein wunderbares Verhältnis hat, krank und das glückliche Leben zerbricht. Die einzelnen Kapitel  führen uns in einer Art Countdown an das Unvermeidliche heran.

Mein Tipp: "Pusteblumentage" ist ein ergreifender Jugendroman, der aus der Sicht der zwölfjährigen Liv ein schweres Schicksal schildert. Trotzdem bleibt die Grundstimmung irgendwie positiv. Westcott ist es auf berührende Weise gelungen, junge Menschen mit dem Thema Verlust und Tod, aber auch mit Asperger in der Familie zu konfrontieren.  Ein bezauberndes Leseerlebnis, das nicht nur dem angestrebten Zielpublikum (10-13 Jahre) gerecht wird, sondern durchaus auch ältere LeserInnen anspricht. Ich habe die 200 Seiten in einem Zug gelesen und nicht nur am Schluss nasse Augen gehabt.

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- Hörbuchtipp von Vreni Bolt

Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge: 7 CDs

"Mister Peardews Sammlung der verlorenen Dinge" von Ruth Hogan

Anthony Peardews sammelt Verlorenes und archiviert alles sorgfältig zuhause. Dies hauptsächlich deshalb, weil er selber einmal etwas ganz Wichtiges verloren hat. Sein Ziel ist es, all diese eigentlich wertlosen Kleinigkeiten ihren Besitzern zurückzugeben und er hofft, so ein vor langer Zeit gegebenes Versprechen einzulösen.

Die Zeit läuft ihm allerdings davon und seine Haushälterin Laura tritt seine Nachfolge an. Ein schönes Erbe aber eine ganz schwierige Aufgabe, die sie nur mit Hilfe des Gärtners und eines geistig behinderten Nachbarmädchens lösen kann.

Durch all diese Fundgegenstände kommen ganz viele Lebensschicksale zutage. Die Autorin fasst dies so zusammen: "Wir warten alle darauf, gefunden zu werden..." Sie ist selber eine begeisterte Sammlerin von Fundgegenständen und kam durch einen schweren Autounfall und eine Krebserkrankung zum Schreiben. Dieser Roman über das Finden von Dingen und Geschichten ist ihr erstes Werk.

Mein Tipp: Die schöne Geschichte wird vom Deutschen Theater- und Filmschauspieler sowie Hörbuch- und Synchronsprecher Rufus Beck (vielen bekannt als Sprecher der Harry Potter - Hörbücher) gekonnt und wohltuend vorgetragen.

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- Lesetipp von Susanne Gambon

Die Geschichte der getrennten Wege: Band 3 der Neapolitanischen Saga (Erwachsenenjahre) (Neapolitanische Saga)

 
"Die Geschichte der getrennten Wege" von Elena Ferrante
Band 3 der Neapolitanischen Saga. Erwachsenenjahre

Es sind die turbulenten siebziger Jahre und die beiden inzwischen erwachsene Frauen. Lila ist Mutter geworden und hat sich befreit und alles hingeworfen - den Wohlstand, ihre Ehe, ihren neuen Namen - und arbeitet unter entwürdigenden Bedingungen in einer Fabrik. Elena hat ihr altes neapolitanisches Viertel hinter sich gelassen, das Studium beendet und ihren ersten Roman veröffentlicht. Als sie in eine angesehene norditalienische Familie einheiratet und ihrerseits ein Kind bekommt, hält sie ihren gesellschaftlichen Aufstieg für vollendet. Doch schon bald muss sie feststellen, dass sie ständig an Grenzen gerät.

Ganze Welten trennen die Freundinnen, doch gerade in diesen schwierigen Jahren sind sie füreinander da, die Nähe, die sie verbindet, scheint unverbrüchlich. Würde da nur nicht die langjährige Konkurrenz um einen bestimmten Mann immer deutlicher zutage treten.

Mein Tipp: Auch im dritten Band der neapolitanischen Saga beschreibt die Autorin wieder grossartig die beiden unterschiedlichen Leben der Freundinnen Elena und Lila. Das Buch umschreibt Freundschaft, Herkunft, Heimat und die politische Situation Italiens in den 70er Jahren auf interessante Weise. Mich hat auch dieses Buch wieder gefesselt und die Vorfreude auf Band 4 "Die Geschichte des verlorenen Kindes" bleibt also bestehen. Jetzt ist wieder Geduld gefragt, denn nach diesem Schluss möchte man unbedingt wissen, wie die Geschichte zu Ende geht.

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- Lesetipp von Ursula Lange

Losfahren: A Saudi Woman's Awakening

„Losfahren“ von Manal al-Sharif

In Saudi-Arabien ist es Frauen noch bis Mai 2018 verboten, ein Auto zu lenken. Ein Gesetz gibt es nicht, nicht einmal eine religiöse Begründung. Es ist eine Frage der Macht in einer von Männern dominierten Gesellschaft, in der die Frauen weitgehend rechtlos sind.

In „Losfahren“ erzählt Manal al-Sharif, wie sie sich über das Verbot,  Auto zu fahren, hinwegsetzt und dafür mit neun Tagen Gefängnis büssen muss. Mit ihrer Aktion, die sie mit dem Handy filmen lässt und ins Netz stellt, setzt sie eine Frauenbewegung in Gang,  die schliesslich die Aufhebung des Verbotes bewirkt. Es geht jedoch in diesem Buch um viel mehr als Autofahren. Es ist ein Buch, das tiefe Einblicke in den streng geregelten Alltag einer saudischen Familie gibt. Offen und eindringlich schildert Manal al-Sharif ihre Kindheit und Jugend, in der sie auf dem Weg war, eine vom Salafismus beeinflusste radikale Muslima zu werden. Den Ausschlag für ihre endgültige Abwendung vom Salafismus gaben die Anschläge des 9. September 2001, die fast ausschliesslich von saudischen Männern verübt wurden.

Manal al-Sharif gilt als eine der wichtigsten Vorkämpferinnen für Frauenrechte in der islamischen Welt. Ihre Lebensgeschichte ist ein Dokument der Unterdrückung und der Befreiung.


Mein Tipp: „Losfahren“ ist ein Buch, das mich sehr beschäftigt hat und immer noch beschäftigt. Für uns Frauen in der Schweiz gelten heute viele Rechte als selbstverständlich. Aber: bis 1971 hatten wir Frauen noch kein Stimm- und Wahlrecht. (Frauenstimmrecht im Kanton Appenzell Innerrhoden: ab 27.11.1990!) Eine verheiratete Frau konnte bis 1988 (!) ohne Zustimmung des Ehemannes keiner Berufstätigkeit nachgehen (siehe DVD-Tipp von Lies Meyer "Die göttliche Ordnung).

Die Unterdrückung der Frau ist leider auch heute noch in weiten Teilen der Welt ein trauriges Thema.

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- Lesetipp von Brigitte Locher

Die Jugend ist ein fremdes Land

„Die Jugend ist ein fremdes Land“ von Alain Claude Sulzer

„Dies ist weder ein Roman noch eine Autobiografie. Das Buch hat weder Anfang noch Ende, denn an den Anfang erinnere ich mich nicht und das Ende ist mir unbekannt.“ schreibt der Autor. Es setzt sich aus einzelnen Puzzleteilchen, Erinnerungen, zusammen. Jede kleine Geschichte ist in sich geschlossen. Dies alles ist nicht chronologisch aufgeführt und auch mit Unterbrüchen geschrieben worden, wie Herr Suter in der Sendung „52 beste Bücher“ von Radio SRF 2 berichtet. Er habe bei Lesungen immer wieder 1 – 2 Geschichten eingeflochten und bemerkt, wie gut sie beim Publikum ankamen (so auch in Richterswil).

Mein Tipp: Das Buch löst bei mir „genau so war es“-Momente aus, also ist es ein Zeitdokument der 60er und 70er Jahre. Mir gefällt die Schreibweise des Verfassers, nicht alles bis ins kleinste Detail in seine Bücher zu packen, sondern genau so viel wie es braucht, um auch eigene Schlüsse daraus zu ziehen.

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Oktober-Tipps 2017

- Lesetipps von Susan Ricklin

Schockfrost

"Schockfrost" von Mitra Devi und Petra Ivanov                                                                                   

Die alleinerziehende Psychiaterin Sarah Marten hat ihr Leben im Griff. Sie führt eine eigene Praxis und pflegt an den Wochenenden ihre schwerbehinderte Schwester Rebekka. Als sie den Künstler Till kennenlernt, ist Sarahs Glück perfekt. Doch dann stürzt sie die Treppe hinunter. Auf einmal leidet sie unter Sehstörungen und Gedächtnislücken. Spätfolgen der Gehirnerschütterung? Sarahs Exmann, ebenfalls Psychiater, zweifelt an ihren beruflichen Fähigkeiten. Ein schizophrener Patient behauptet, sie befände sich in Lebensgefahr. Und Rebekkas Körper ist von blauen Flecken übersät. Hat Sarah ihre Schwester misshandelt, ohne sich daran zu erinnern? Da entwickelt Till seltsame Krankheitssymptome. Und Sarahs 15-jähriger Sohn verschwindet. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Mein Tipp: Seit langer Zeit war dies wieder der erste Krimi, den ich gelesen habe. Das Gemeinschaftswerk der beiden Schweizer Königinnen des Genres konnte ich mir keinesfalls entgehen lassen. Und die Lektüre hat sich definitiv gelohnt: superspannend, raffiniert, mit Lokalkolorit und auch noch wie gewohnt gut geschrieben. Ein Psychothriller, der den beiden Krimi-Königinnen gerecht wird. Vielleicht ein bisschen allzu dick aufgetragen, aber ist das nicht ein Charakteristika des Psychothrillers?

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Hundert Stunden Nacht

"Hundert Stunden Nacht" von Anna Woltz, Jugendbuch                                                                                     

Emilia ist durchgebrannt und hat sich mit der Kreditkarte ihres Vaters einen Flug nach Amerika und ein Apartment in New York gebucht. So versucht sie, der üblen Hetzerei auf Twitter im Zusammenhang mit einem Vergehen ihres Vaters zu entkommen. Das vermeintliche Apartment gibt es allerdings nicht und Emilia steht nachts alleine in dem riesengrossen und fremden New York. Mit im Gepäck hat sie ihre Neurosen, die sich als Panikattacken und Zwänge äussern. Keine gute Kombination, wenn man als einzige Übernachtungsmöglichkeit eine verdreckte Matratze bei einem besoffenen Jugendlichen zur Wahl hat, der sich fast den Finger abgeschnitten hat und stark blutet. Die Situation spitzt sich zu, die Behörden warnen vor Wirbelsturm Sandy. Während Sandy New York verwüstet und ganze Stadtteile von der Aussenwelt abschirmt, sind die beiden bei Seth und Abby untergekommen, die selbst auch ein schweres Schicksal zu meistern haben.

Mein Tipp: Aus der Sicht eines Erwachsenen ist die Story doch recht unrealistisch. Wenn ich den Fokus allerdings nicht auf Authentizität lege, gefällt mir, dass verschiedene, teils ungewöhnliche Themen angesprochen werden und zum Nachdenken anregen. So z.B. Internet-Mobbing, Neurosen (Emilia hat panische Angst vor Bakterien und das ständige Bedürfnis, sich zu waschen), Verhältnis Lehrer/Schülerin (Vater verliebt sich in attraktive Schülerin, die sich dadurch bessere Noten erhofft),  Selbstmord in der Familie, Alkoholismus, erste Liebe usw. Alle Charaktere haben mit ihren jungen Jahren ihr Päckchen zu tragen und alle haben mit kleineren oder grösseren Problemen in der Phase des Erwachsenwerdens zu kämpfen. Die Autorin beschreibt ihre Entwicklung und lässt sie eine Lösung für ihren Lebensweg finden.  So kann sich Emilia am Ende von ihren nicht unkomplizierten Eltern abgrenzen. Damit erweist sich das wirkliche Leben im Ausnahmezustand erfolgreicher als ihre bisherige Psychotherapie.  Für Jugendliche ab 14.

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- Hörbuchtipp von Vreni Bolt

Gray: Kriminalroman

„Gray“ von Leonie Swann, Hörbuch

An der berühmten Universität von Cambridge ist ein Student in den Tod gestürzt. Dozent Dr. Augustus Huff vermutet, dass es Mord und kein Unfall war. Er macht sich, unterstützt von Gray, dem Graupapageien des Verstorbenen, auf die Suche nach dem Täter. Dr. Huff begreift schon bald, dass sich diese harte Nuss von einem Fall nur mit Hilfe des Papageien knacken lässt und die beiden entwickeln sich zu einem ganz guten Detektiv-Team.

Mein Tipp: Eine spannende, über weite Teile amüsante Geschichte, in welcher man den Papageien Gray ins Herz schliesst. Zum Teil etwas konstruiert und langfädig, es lohnt sich aber, bis zum Schluss durchzuhalten. Angenehm gelesen von Bjarne Mädel.

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- Lesetipp von Ursula Lange

Mein unglaubliches Leben mit einem Mann, der sein Gedächtnis verlor...

„Mein unglaubliches Leben mit einem Mann, der sein Gedächtnis verlor“ von Ute Jäger

Im Alter von 25 Jahren erleidet Theo Jäger eine massive Gehirnblutung, die nur einer von 10.000 überlebt. Seine Ehefrau Ute glaubt: Theo wird dieser eine sein.

Tatsächlich erwacht er aus dem Koma, lernt wieder laufen, lesen, schreiben, rechnen - doch sein Kurzzeitgedächtnis funktioniert nicht. Fortan ist Theos Leben eine Sammlung chaotischer, brisanter und unglaublicher Situationen.

Ute glaubt 25 Jahre lang unbeirrbar an die Heilung ihres Mannes. Theo lebt in dieser Zeit in seiner wirren Welt, die es zu entwirren gilt. Alle paar Minuten neu…

Mein Tipp: Diese wahre Geschichte wird abwechselnd von Ute und Theo erzählt. Es ist ein sehr persönliches Buch, das zum Denken anregt. Mich hat die Geschichte sehr beschäftigt. Es ist ein Buch über Krankheit, Verzweiflung, Vertrauen und Liebe. Ein starkes Buch!

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- Lesetipp von Brigitte Locher

Amandas Suche: Roman

„Amandas Suche“ von Isabel Allende

Amanda, ein aufgewecktes, aber auch eigensinniges junges Mädchen, stellt zusammen mit ihren Internet-Freunden aus der ganzen Welt Nachforschungen über einen Serienmörder an. Unterstützt werden sie von Amandas Grossvater. Aber auch ihr Vater, Chef des Polizeidezernats San Francisco liefert unbewusst wichtige Details. Die ganze Sache eskaliert als ihre Mutter, eine Spezialistin für Aromatherapie und Reiki, entführt wird.

Mein Tipp: Bedingt durch unseren Umbau und den damit verbundenen leeren „Neuheiten“-Gestellen, war auch ich gezwungen, wieder einmal auf die „alten“ Bücher zurückzugreifen. Es lag auf der Hand, dass Isabel Allendes 2014 erschienenes Werk, dank ihrem Nachnamen und der Garantie für gute Unterhaltung, bald mein Interesse geweckt hatte. Ich habe es nicht bereut. Eigentlich gehört ein oranger Punkt auf dieses Buch. Es ist unheimlich spannend aufgebaut und Frau Allende versteht es, verschiedene Charaktere treffend darzustellen. LeserInnen mit schwachen Nerven seien gewarnt und Krimi-Freunde können sich freuen. wink

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- DVD-Tipp von Lies Meyer

Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen

"Hidden Figures - unbekannte Heldinnen", DVD

Es ist die bisher noch nicht erzählte, unglaubliche Geschichte von Katherine Johnson (Taraji P. Henson), Dorothy Vaughn (Octavia Spencer) und Mary Jackson (Janelle Mone). Eine leidenschaftliche Hommage an drei herausragende afroamerikanische Frauen, die zu Beginn der sechziger Jahre bei der NASA arbeiten und an vorderster Front an einem der wichtigsten Ereignisse der jüngeren Zeitgeschichte beteiligt sind. Die brillanten Mathematikerinnen sind Teil jenes Teams, das dem ersten US- Astronauten John Glenn die Erdumrundung ermöglicht. Eine atemberaubende Leistung, die der amerikanischen Nation neues Selbstbewusstsein gibt, den Wettlauf ins All neu definiert und die Welt aufrüttelt. Dabei kämpft das visionäre Trio um die Überwindung der Geschlechter- und Rassengrenzen und ist eine Inspiration für kommende Generationen, an ihren großen Träumen festzuhalten.

Mein Tipp: Tatsächlich ist dies aber nicht nur wegen der Geschichte auf der Leinwand ein Ausnahmefilm. Eine von einem grossen Studio verantwortete Mainstreamproduktion, in der ausschliesslich Frauen im Mittelpunkt stehen? Noch dazu schwarze Frauen? So etwas ist selbst im Jahr 2017 ungewöhnlich in Hollywood.

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September-Tipps 2017

- Hörbuchtipp von Vreni Bolt

Di schöni Fanny: Musik: Christian Brantschen

„Di schöni Fanny“ von Pedro Lenz, Pianobegleitung: Christian Brantschen

Wie ein Blitzschlag trifft es den Möchtegern-Schriftsteller und Wettkönig Jackpot, als er ihr zum ersten Mal begegnet: Die schöne junge Frau aus Zofingen geniesst das Leben in scheinbar kindlicher Natürlichkeit und Naivität und ist ganz bei sich. Was aber wissen seine lebenserfahrenen Künstlerfreunde Louis und Grunz, die mit ihm die kleinen Freuden des Alltags geniessen,  über Fanny, die den beiden Malern Modell steht, ihnen allen den Kopf zu verdrehen scheint und die Männerfreundschaft gefährdet?

Jackpot macht uns vertraut mit Oltens Künstlerszene (Schriftstellern, Malern und Musikern), lässt uns aber auch teilhaben an seinen Wort- und Gedankenspielereien zu den ganz banalen Beobachtungen und Geschehnissen des Alltags. Zwar lässt sich die schöne Fanny nicht wirklich festhalten und besitzen, aber er geniesst die Momente mit ihr: „Ihres Strahle isch aasteckend gsi und i ha ddänkt, dass ds Läbe mängisch, wenigschtens für ne churze Momänt, genau eso isch, wis sött si, nämlech sehr guet.““.

Mein Tipp: Eine schöne Geschichte mit geballter Ladung Lebensphilosophie und Menschenkenntnis, von Pedro Lenz selbst wunderbar in Dialekt erzählt und mit  musikalischen Einlagen stimmig untermalt.

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- Lesetipp von Ursula Lange

Was man von hier aus sehen kann: Roman

„Was man von hier aus sehen kann“ von Mariana Leky


Selma kann den Tod voraussehen. Immer, wenn ihr im Traum ein Okapi erscheint, stirbt am nächsten Tag jemand im Dorf. Unklar ist allerdings, wen es treffen wird. Davon, was die Bewohner in den folgenden Stunden fürchten, was sie blindlings wagen, gestehen oder verschwinden lassen, erzählt Mariana Leky in ihrem Roman.
Es ist das Porträt eines Dorfes, in dem alles auf wundersame Weise zusammenhängt. Aber es ist vor allem ein Buch über die Liebe unter schwierigen Vorzeichen, Liebe, die scheinbar immer die ungünstigsten Bedingungen wählt. Für Luise zum Beispiel, Selmas Enkelin, gilt es viele tausend Kilometer zu überbrücken. Denn der Mann, den sie liebt, ist zum Buddhismus konvertiert und lebt in einem Kloster in Japan …

Mein Tipp: Für mich ist dieses Buch die Perle für das Jahr 2017! Ich habe eine Rezension gefunden, die ich weitergeben möchte:

„Man möchte Satz um Satz festhalten und nicht mehr loslassen. Was für eine wunderbare Sprache, präzise und lyrisch in einer ungewöhnlichen Kombination. Gibt es zum Beispiel ein schwärzeres, grausameres Schwarz als das Wort „kranzschleifenschwarz“, so endgültig und tief. Oder wer hätte nicht sofort ein Bild vor Augen, wenn Teppichfliesen wie Rauhaardackelfell beschrieben werden. Ich bin fasziniert von der Autorin und ihrer großartigen Gabe, mit Wörtern zu jonglieren und uns dabei wie mit einer überaus scharf geschliffenen Brille eine prismengenaue, dabei aber unendlich tolerante Sicht auf die Welt, auf die Menschen, auf all die alltäglichen Merkwürdigkeiten um uns herum zu gewähren. Und dies nicht mit einer drögen Ernsthaftigkeit, sondern mit einer gelassenen Heiterkeit. Meisterhaft!“

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- Lesetipp von Brigitte Locher

Talwasser: Roman

„Talwasser“ von Beat Hüppin

Der Schwyzer Kantonsschullehrer schildert das Leben einer Bauernfamilie. Das Wägital ist ihre Heimat und dort wird 1917 eine Staumauer errichtet und die ganze Ebene geflutet. Neben der Entstehungsgeschichte der damals weltgrössten Gewichtsstaumauer, sind wir Zeugen der einschneidenden Folgen für die Bevölkerung. Die Familie Dobler siedelt in die Linthebene um und erfährt die Vorteile einer Landwirtschaft in der Ebene. Das Heimweh nach Innerthal verlässt sie jedoch nie und alle wichtigen Festlichkeiten werden dort oben abgehalten.

Mein Tipp: Die ersten paar Seiten musste ich mich zuerst auf die innerschwyzer Sprachfetzen einstellen, die in bewusst eingeschleusten Begriffen festgehalten werden. Doch schon bald realisierte ich, dass ich es nicht mit einem Werk der schnulzigen Heimatromane zu tun hatte. Die sehr genaue Sprache des Autors ist gewährleistet durch den Umstand, dass Herr Hüppin auch das Sachbuch „Dummdeutsch-Blogg, der ganz alltägliche Sprachwahnsinn“ geschrieben hat (auch in unserer Bibliothek vorhanden). Der historische Hintergrund der Geschichte hat mich gefesselt, weil ich sicher war, dass der Schriftsteller gut recherchiert hat. Band 2 der Geschichte „Asphalt“ habe ich auch schon erworben und er schildert den Fortgang des Bauernlebens. Es ist kaum zu glauben, aber genau durch das Grundstück der Familie Dobler ist in den 1970er Jahren die Autobahn N3 geplant!

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- DVD-Tipp von Lies Meyer

„Lion“ DVD

Als der 5-jährige indische Junge Saroo am Bahnhof in einen Zug einsteigt, ahnt er nicht, dass dies sein Leben für immer verändert. Plötzlich findet er sich alleine - weit von seiner Familie entfernt - in der rauen Grossstadt Kalkutta wieder. 20 Jahre lang hat Saroo seine Vergangenheit zu vergessen versucht, aber der Drang, die Fäden seiner Kindheit in Indien wieder aufzunehmen, ist stärker. Bloss, wie lässt sich die sprichwörtliche "Nadel im Heuhaufen" finden?

Mein Tipp: Vor allem die bestechenden Darsteller-Leistungen und die, teils Beklemmung hervorrufende Bildsprache, machen "Lion" zu einem aussergewöhnlichen Film.

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- Lesetipps von Susan Ricklin

Und was hat das mit mir zu tun?: Ein Verbrechen im März 1945. Die Geschichte meiner Familie

"Und was hat das mit mir zu tun?" von Sacha Batthyany                                                               

Sacha Batthyanys Grosstante war in eines der schrecklichsten Nazi-Verbrechen verwickelt. Als er ihre Geschichte aufschreibt, stösst er auf ein altes Familiengeheimnis. Er beginnt nach Antworten zu suchen auf die Frage, inwieweit vorangegangene Generationen unsere Art zu leben prägen. Seine Reise führt ihn ins alte Ungarn, ins Oesterreich der Nachkriegszeit, in die Schweiz der Gegenwart, in die Lager des Gulag nach Sibirien und ins Wohnzimmer einer Auschwitz-Ueberlebenden in Buenos Aires. Und auch auf die Couch eines Psychoanalytikers.

Mein Tipp: Der in der Schweiz aufgewachsene Autor erzählt eine packende Familiengeschichte. Einerseits behandelt er den Stoff als Journalist, in dem er Fakten zusammenträgt, gleichzeitig geht es aber auch immer um ihn selbst als handelnde Person und um Ermitttlungen in eigener Sache. Im Zentrum steht der Mensch in all seiner Unzulänglichkeit, aber auch in seinen authentischen Bemühungen, sich äusseren und inneren Herausforderungen zu stellen und ihnen gerecht zu werden. Mich hat die Thematik, der er sich annimmt, sehr berührt. Der persönliche Zugang und seine Ehrlichkeit, die viel sehr Persönliches über Batthyany preisgibt, lassen die Gefühle des Kriegsenkels glaubwürdig erscheinen. Als Enkelin eines im Krieg Gefallenen und als Nachkomme vieler kriegsgeschädigter Vorfahren bin auch ich immer wieder mit der Frage konfrontiert, inwiefern mich diese Geschichten geformt haben. Meine Empfehlung.

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Pferd, Pferd, Tiger, Tiger

"Pferd Pferd Tiger Tiger" von Mette Eike Neerlin                                                                                            

Lebe lieber ungewöhnlich! Das Leben der 15-jährigen Honey ist mit ihrer skurril-chaotischen Familie schon kompliziert genug. Auf alles und jeden nimmt sie Rücksicht: auf ihre gestresste Mutter, die gehandicapte Schwester, den von der Familie getrennt lebenden Vater. Daher bemüht sie sich, möglichst wenig aufzufallen und widerspricht so gut wie nie. Das führt zwar zu einigen Missverständnissen und Problemen, aber auch zu einer ganz besonderen Freundschaft mit dem krebskranken Marcel. Durch ihn findet Honey zu ihrer eigenen Stimme und ins Leben hinein.

Mein Tipp: Ein total origineller Roman zu einem ehrlichen und humorvollen Umgang mit den Themen Liebe und Tod - witzig und weise geschrieben! Ein kleines, aber herausragendes Werk, welches mich zutiefst berührt hat und welches nicht nur junge Menschen ab 12 anspricht.

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August-Tipps 2017

- Lesetipp von Vreni Bolt

Gott, hilf dem Kind

„Gott, hilf dem Kind“ von Toni Morrison

Das schwarze Baby Lula Ann erfährt wegen seiner tiefschwarzen Farbe nur Ablehnung. Der Vater verlässt die Familie, weil er das Kind nicht als seines ansieht, die Mutter lehrt dem Kind Unterwürfigkeit und Gehorsam,  eher lieblos und in ständiger Angst vor rassistischen Angriffen. Die heranwachsende Tochter sträubt sich gegen diese Angepasstheit, sie ändert ihren Namen, kleidet sich provokant weiss, macht Karriere bei einer Kosmetikfirma und befreit sich auf ihre Weise von der Vergangenheit.

Eine tragische, ergreifende Geschichte über starke Frauen, Rassenkonflikt, Kindsmissbrauch, Menschenwürde und den Mut, seinen eigenen Weg zu gehen.

Mein Tipp: Ein packendes, schön geschriebenes, Buch, das in seiner Direktheit irritiert, aber zum Nachdenken anregt. Auch als Hörbuch zu empfehlen!

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- Lesetipp von Ursula Lange

bleiben: Roman

„bleiben“ von Judith W. Taschler

Es ist eine kurze, zufällige Begegnung auf der Reise nach Italien: Max, Paul, Felix und Juliane – vier junge Leute, voller Träume für die Zukunft, treffen im Nachtzug nach Rom aufeinander.
Juliane und Paul werden heiraten, Max und Felix sich auf eine Weltreise begeben.
Nach zwanzig Jahren trifft Juliane Felix zufällig in einer Galerie wieder und die beiden beginnen eine leidenschaftliche Affäre, die er jedoch ohne jede Erklärung abbricht. Erst Monate später erfährt Juliane - ausgerechnet von ihrem Mann - den Grund…

Mein Tipp: Taschler lässt pro Kapitel jeweils einen ihrer vier Protagonisten in der Ich-Form zu einem uns unbekannten Gesprächspartner sprechen. Jeder erzählt einen Teil seiner Lebensgeschichte. Es geht um Freundschaft, Liebe, Leidenschaft, Loyalität, Schuld, Heimat und Tod. Und immer wieder geht ums „Bleiben“. Bleiben an einem Ort, bei einem Menschen, auf dieser Welt. Für mich ein wunderbares Buch!

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- Lesetipp von Brigitte Locher

Die Unverbesserlichen: Roman

„Die Unverbesserlichen“  von Silvio Blatter

Wir befinden uns in Oberglatt, also in unmittelbarer Nähe des Flughafens. Jonas betreibt eine „Sportbar“ mit dem Namen Tangente und ist völlig zufrieden mit seinem Leben. Seine Lebenspartnerin, sein Vater, seine Freunde und Fussball bedeuten ihm alles. Ellis dagegen hadert mit ihrem Job in der Baubranche und fühlt sich als Frau in der Firmen-Hierarchie übergangen. Ihre Unzufriedenheit trübt die Beziehung und als sie eine neue Karriere beginnt, kommt auch Jonas ins Grübeln.

Mein Tipp: Die Geschichte wird leichtfüssig und unterhaltsam erzählt. „Scheinbar beiläufig fügen sich kleine und grosse Weisheiten in den Erzählstrang“ - meint die Berner Zeitung. Hier eine Kostprobe: „Die Vergangenheit kannst Du nicht reparieren aber die Gegenwart hat Schrauben, an denen Du drehen kannst“. Mir sind auch die schlechten Rezensionen bekannt. Aber da ich nicht immer einer Meinung mit Herrn Ebel vom Tagi bin, kann ich damit getrost leben. wink

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- Lesetipp von Susan Ricklin

Das Leben wartet nicht

„Das Leben wartet nicht“ von Marco Balzano                                                                                  

Ninetto ist ein neunjähriger Junge, der in einem kleinen Dorf in Sizilien aufwächst. Aus Hunger wurde er zum Dieb, aber er hat das Glück, die Schule besuchen zu dürfen. Er liebt seinen Lehrer und ist ein wissbegieriger Schüler. Als seine Mutter nach einem Schlaganfall in ein Heim kommt, muss er mit seinem Vater zur Arbeit gehen und die Schule abbrechen. Als das Geld immer knapper wird, muss er dann mit einem Bekannten nach Mailand ziehen, um dort sein Geld zu verdienen. Er lebt im heruntergekommensten Gebäude in ganz Mailand und findet Anstellung als Auslieferer. Bereits mit knapp 15 Jahren heiratet er die gleichaltrige Maddalena. Mit 15 darf er auch in der Fabrik arbeiten. Eine stumpfsinnige Arbeit, die er über viele Jahrzehnte ausübt. Aus Eifersucht begeht er eine Dummheit und verbringt 10 Jahre im Gefängnis. Als er wieder heimkehrt, ist nichts mehr wie es war. Seine Frau hat zwar auf ihn gewartet, aber er hat keine Arbeit, seine Tochter lässt ihn seine Enkelin nicht kennenlernen und er fällt in eine tiefe Depression. Sein Traum ist es, der kleinen Lisa seine Geschichte zu erzählen.

Mein Tipp: Das Thema Kinderemigration in Italien um 1960 war für mich bisher unbekannt und die Erzählung hat mich zutiefst bewegt. Der Autor hat mit verschiedenen Betroffenen, die noch immer in Mailand und Umgebung leben, gesprochen und in wunderbarer Sprache aufgeschrieben, welch unfassbares Schicksal sie alle teilen. Eine melancholische, von Erinnerungen geprägte und zugleich wunderschöne Erzählung, die stark nachwirkt und trotz ihrer Schwere immer auch von Hoffnung geprägt ist.

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- Lesetipp von Susanne Gambon

Das Herzenhören (Die Burma-Serie, Band 1)

„Das Herzenhören“ von Jan-Philipp Sendker

Die Suche nach ihrem vermissten Vater führt Julia Win von New York nach Kalaw, einem malerischen, in den Bergen Burmas versteckten Dorf. Ein vierzig Jahre alter Liebesbrief ihres Vaters an eine unbekannte Frau hat sie an diesen magischen Ort geführt. Hier findet sie nicht nur einen Bruder, von dem sie nichts wusste, sondern stösst auch auf ein Familiengeheimnis, das ihr Leben für immer verändert.

Mein Tipp: Ich habe das Buch schon vor längerer Zeit gelesen. Es kommt mir aber immer wieder in den Sinn, wenn ich an die besten Bücher denke, die ich gelesen habe. Deshalb möchte ich das Buch gerne empfehlen. Es ist eine etwas andere Liebesgeschichte, die aber jedes LeserHERZ gewinnen wird!

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Juli-Tipps 2017: Da wir in der Bibliothek im Juli Sommerpause und Umbauphase haben, verzichten wir auf den Juli-Tipp.

Bildergebnis für plastikente

Wir wünschen Ihnen allen

einen schönen, sonnigen Sommer

und erholsame Sommerferien!

Ihr Bibliotheksteam

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Juni-Tipps 2017

- Lesetipp von Ursula Lange

Kains Opfer: Kriminalroman (Rabbi-Klein-Krimis, Band 1)

„Kains Opfer“ von Alfred Bodenheimer - Zürich-Krimi

Als ein Mitglied seiner Gemeinde ermordet wird, ist Rabbi Klein bestürzt. Bald darauf bittet Kommissarin Bänziger von der Stadtpolizei Zürich ihn um die Übersetzung einiger hebräischer E-Mails des Toten. Sie ahnt nicht, dass es mit dem eigenwilligen Rabbi Klein nicht ganz einfach wird. Denn der macht sich Sorgen um seine Gemeinde. Als Klein die Rede zur Trauerfeier vorbereitet und über den Brudermord Kains nachdenkt, wird ihm klar, dass er wichtigen Hinweisen zum Verbrechen auf der Spur ist. Heimlich beginnt der sympathisch unperfekte Rabbi zu ermitteln ...

Mein Tipp: Es geht um ein Verbrechen im jüdischen Zürich. Bodenheimer ist es gelungen, Spannung, Unterhaltung, Humor und Religion miteinander zu verbinden. - Ein Muss für Fans des Zürich-Krimis!

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- Lesetipp von Brigitte Locher

Herr Schlau-Schlau wird erwachsen: Roman (Edition Periplaneta)

„Herr Schlau-Schlau wird erwachsen“ von Johann Krätschell

Hannes ist fassungslos: seine Eltern setzen ihn einfach so vor die Tür. Nach 35 Jahren unter einem Dach. Dabei hat er doch nie gestört. Im Gegenteil: er zahlt pünktlich seinen Mietanteil, wäscht seine Unterhosen selbst und hat nur ein Mal eine Frau mit nach Hause gebracht. Zwischen seinen viertausend Büchern, dem trockenen Rotwein aus Apulien und einem Sofa voller Kindheitserinnerungen war seine Welt bisher übersichtlich und in Ordnung.

Mein Tipp: Eigentlich ist uns dieses Buch schon von Manuela Hofstätter vorgestellt und ans Herz gelegt worden. Aber nachdem ich es nun gelesen habe, kann ich nicht anders, als dieses Kleinod dem Rest unserer Leserschaft, die den "Bücherfrühling" verpasst haben, wärmstens empfehlen. Ehrlich gesagt, ist der Titel in meinen Augen nicht gerade der Hammer. Was aber an Humor, an Wortspielereien, sowie charmanten und witzigen Episoden geboten wird, ist einmalig. Am Schluss wünscht man sich einen Nachbarn, wie den Hupe (Hugo-Peter). Dass der Autor seit seiner Geburt in Berlin-Pankow lebt und dieser Teil der Grossstadt auch als Skyline auf dem Buch-Cover festgehalten wird, ist selbstredend. Wer sich die "Berliner-Schnauze" von Hupe anhören will, bedient sich der beigelegten Hörspielfassung.

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- DVD-Tipp von Lies Meyer

Snowden

"Snowden", DVD

Verräter oder Held. Was trieb Edward Snowden dazu, geheime NSA-Dokumente zu veröffentlichen? War ihm bewusst, welchen Preis er dafür zahlen würde? Oscar-Preisträger Oliver Stone bringt mit SNOWDEN das Leben des kontrovers diskutierten Whistleblowers Edward Snowden auf die grosse Leinwand und zeigt den Menschen hinter dem Mythos, der mit seinen Enthüllungen der Welt die Augen öffnete, dafür aber seine Karriere und Heimat aufgeben musste. Es ist die Geschichte eines normalen Mannes, der es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren konnte, zu schweigen...

Mein Tipp: Ein Einblick in die Welt der Geheimdienste und ihrer skandalösen Überwachungsmethoden. Oliver Stone zeichnet nach, wie aus einem freiheitsliebenden Computerfreak ein Whistleblower wurde.

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- Lesetipps von Susan Ricklin

Schwesternwelten: Spuren und Schicksale auf zwei Kontinenten

"Schwesternwelten" von Hans Peter Treichler                                                                                 

Der abschliessende Band der Familiensaga rund um die "Löwenbraut" folgt den Lebensspuren von vier jungen Frauen durch das erste Drittel des 20. Jahrhunderts. Paula, Frieda und Milly, die jüngeren Schwestern von Susanne Meisser, alle geboren im Chur der 1880er-Jahre, haben eine Fülle von Briefen und anderen Lebenszeugnissen hinterlassen. Anhand dieser noch nie bearbeiteten Dokumente, aufbewahrt in einem Horgener Familienarchiv, lassen sich ihre Schicksale über Jahre hinweg verfolgen. In ihren Briefen zeichnet sich ein faszinierendes innerfamiliäres Beziehungsgeflecht ab, in dem sich Liebe und Abneigung, Anteilnahme und Ablehnung zwischen jungen Frauen mit unterschiedlichen Veranlagungen und Lebenszielen spiegeln. Trotz aller Unterschiede dominiert aber die immer spürbare Solidarität einer Generation, die den Schritt aus der beengten Atmosphäre einer vielköpfigen Churer Beamtenfamilie wagt und zwei der Schwestern bis in die Pionierwelt der kanadischen Wälder führt.

Mein Tipp: Wie schon in der "Löwenbraut" (Februar 2017) habe ich mich auch in diesem 3. Band der Familiensaga äusserst intensiv mit der Handlung und den Beziehungen, sowohl den interfamiliären als auch den weltgeschichtlichen Zusammenhängen, beschäftigt. Band 2 , der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in New York handelt, werde ich mir sehr gerne in den nächsten Ferien vornehmen. Herr Treichler hat mit seinem Werk ein unglaubliches Zeitdokument erschaffen und ich freue mich sehr auf seinen Auftritt in der Bibliothek am 20. Juni 2017.

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Sally Jones - Mord ohne Leiche

"Sally Jones - Mord ohne Leiche" von Jakob Wegelius                                                               

Im nächtlichen Hafen von Lissabon kommt es zu einem Handgemenge. Ein Mann stürzt ins Wasser. Seine Leiche wird nie gefunden. Doch der finnische Seemann Henry Koskela wird des Mordes angeklagt und zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt. Sally Jones, Gorilladame und erster Maschinist, muss ihrem Freund helfen! Um seine Unschuld zu beweisen, begibt sie sich auf eine abenteuerliche Reise um die halbe Welt, die sie aus den engen Gassen Lissabons bis nach Indien führt. Dabei begegnet sie einer wunderbaren Fadosängerin, einem finsteren Kommissar, einem freundlichen Friedhofswärter, einem launischen Maharadscha und einem dreihöckrigen Kamel.

Mein Tipp: Die Zielgruppe für dieses Buch ist etwas schwer zu bestimmen. Eigentlich ein krimimässig spannender Abenteuerroman im klassischen Stil für Kinder, in dem es um Freundschaft, Verrat, Träume und Sehnsüchte geht. Durch seine über 600 Seiten ist es aber wohl erst für Lesegeübte ab etwa 11 Jahren zu empfehlen. Ich würde deshalb sagen, "Sally Jones" ist ein wunderbares Vorlesebuch, bei dem sich Kinder ab 9 und Erwachsene gleichwohl amüsieren.

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- Hörbuchtipp von Vreni Bolt

Tschüss zäme!

"Tschüss zäme" von Achim Parterre

Der alte Ramseier wird am Samstagmorgen tot im Strassengraben gefunden. Bei Marie-Claire in der Dorfbeiz "Les Amis" treffen die Dorfbewohner aufeinander. Da ist Bernhard, einmal mehr auf Arbeitssuche, der bei Isenschmid eine Stelle als Weinverkäufer bekommen will. Da sind Liechti und Schärer von der Bauverwaltung, die auf dem Waldlehrpfad einen Hundehaufen finden. Dieser Fund könnte die Politikerlaufbahn von Gemeinderätin Isenschmid schädigen. Grossrat Monbaron entsorgt seinen Abfall illegal und Coiffeur Jean-Louis weiss alles über seine Kunden und erzählt (fast) nichts weiter.

Mein Tipp: Der Autor führt uns in seiner witzigen Dialektgeschichte – ein „Krimi“, der nicht wirklich ein Krimi ist – in die Dorfgemeinschaft von Gäzwil ein. Hier pflegt man den Zusammenhalt, man kennt und beobachtet einander und jeder schaut doch hauptsächlich für sich. Wer würde hier nicht gerne „tschüss zäme“ sagen und aus dieser Enge ausbrechen?

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Mai-Tipps 2017

- Lesetipp von Brigitte Locher

Warten auf Bojangles: Roman

„Warten auf Bojangles“ von Olivier Bourdeaut

Sie tanzen zu „Mr. Bojangles“, sie mixen sich Cocktails, ihre Liebe ist magisch. Bei ihnen gibt es nur Platz für das Vergnügen. Die Mutter gibt den Takt an, unberechenbar und in allem aussergewöhnlich. Erzählt wird aus der Sicht vom Vater und seinem Sohn. Georges schillernde Frau ist manisch-depressiv und muss in die Psychiatrie eingeliefert werden. Von dort entführen Vater und Sohn sie kurzerhand in einem Oldtimer und bringen sie in ihr Feriendomizil in Spanien. Sie hoffen dort so weiterleben zu können wie bisher.

Mein Tipp: Dieses kleine Buch nahm mich mit auf eine Achterbahn der Gefühle. Zuerst einmal musste ich das Lied mithilfe von Youtube wieder aus meiner Erinnerung heraufholen und es begleitete mich durch die ganzen 160 Seiten. Die Beschreibung des tanzenden Paares war so authentisch, dass ich die Beiden wie in einem Film vor mir tanzen sah. Die altkluge Erzählweise des kleinen Sohnes lösten immer wieder ein Schmunzeln aus. Erst später realisierte ich den Grund des immer schneller drehenden Wirbels: die Mutter litt, wie oben erwähnt, an manischer Depression. Der Vater glättete zuerst erfolgreich die Wogen, doch aufhalten konnte auch er das Finale nicht. Auch dieses Buch hatte mir die Buchhändlerin vom April-Tipp empfohlen und seitdem blieb es so stark in meiner Erinnerung, dass ich es unbedingt empfehlen muss.

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- Lesetipp von Susan Ricklin

Sieben kleine Verdächtige

„Sieben kleine Verdächtige“ von Christian Frascella                                                                     

Sie sind sieben an der Zahl und erst zwölf Jahre alt, als sie eines Tages beschliessen, die Bank in ihrer Heimatstadt Roccella auszurauben. Sie brauchen das Geld, um ihrem kleinen mittelitalienischen Nest zu entfliehen, in dem es für sie keine Zukunft gibt und in dem Giuliano Gorelli und seine Gang den Ton angeben. So schmieden Billo, Cecconi, Corda, Gorilla, Raccani, Lonica und Fostelli einen gewagten Plan. Um den aber ins Rollen zu bringen, muss einer sich opfern und „Speckbacke“, die Tochter des Barbesitzers, in sich verliebt machen. Ein Marathon soll entscheiden. Doch plötzlich ist er wieder da – der Mexikaner! Am helllichten Tag steht er vor ihnen, mit seinem Reptiliengürtel und seinen kalten grünen Augen. Aus dem Nichts wiederaufgetaucht, in das er vor Jahren verschwunden war, als es kein illegales Geschäft gab, das er nicht kontrollierte. Von da an wird es für die sieben Freunde richtig gefährlich.

Mein Tipp: Zurzeit lese ich den 2. Band der neapolitanischen Saga von Elena Ferrante und bin mittlerweile dem Sog der Erzählung vollständig erlegen – den vielen positiven Stimmen, auch der meiner Kollegin Susanne Gambon, die dieses Buch im April-tipp empfohlen hat, schliesse ich mich ohne Wenn und Aber an.

Vor einiger Zeit schon hatte ich den Roman des Italieners Frascella gelesen, den ich damals bereits in einem Kurs vorgestellt und meinen Kolleginnen wärmstens empfohlen hatte. Hier spielt die Handlung im Italien der achtziger Jahre. Das Buch ist nicht frei von brutalen Szenen und zeigt, in welch desaströsem Zustand Italien damals war: Kriminalität und Gewalt bestimmen den Alltag.  Die Kinder sind die Leidtragenden. Jeder der sieben Jungen wird in seinem familiären Hintergrund beschrieben. Eine Herkunft voller Gewalt und Betrug, Krankheit und Armut. Die Kinder werden von den Erwachsenen, die eigentlich für sie Verantwortung tragen sollten, misshandelt und verhöhnt. Die älteren Geschwister haben alle Hoffnung aufgegeben, doch die Jungen haben noch den Traum vom besseren Leben vor Augen (hier der Link zu der Saga von Ferrante). Mich hat der leichtfüssig und humorvoll geschriebene Roman, der in einem Italien abseits von falscher Romantik spielt, sehr beeindruckt.

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- Lesetipp von Vreni Bolt

Dorffrieden: Roman

„Dorffrieden“ von Lorenz Langenegger

Ein Polizeiwachtmeister in der Provinz wacht darüber, dass nichts passiert, hofft aber doch heimlich, dass er auch einmal bei einem wirklich grossen Fall eine wichtige Rolle spielen kann. Kurz vor dem Wochenende erhält er einen Hinweis, welchem er gründlich nachgeht: Er entdeckt einen Schlüssel, der ihn zum örtlichen Schwimmbad führt, zu einer Sporttasche, in welcher ein zerrissenes Foto seines Sohnes ist – und so gerät seine kleine, heile Welt ganz plötzlich arg durcheinander, nichts ist mehr so, wie es war…

Mein Tipp: ein sympathisches Buch, in einfacher Sprache geschrieben und deshalb leicht und rasch zu lesen. Die rätselhaften Geschehnisse bauen Spannung auf und die Geschichte gibt amüsante Einblicke in das Seelenleben eines kleinen, faden und leicht tollpatschigen Polizeiwachtmeisters, den  man mit all seinen Problemen gern bekommt und auch ein wenig bemitleidet.

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- Lesetipp von Susanne Gambon

Die Nachtigall: Roman

„Die Nachtigall“ von Kristin Hannah

Zwei Schwestern im von den Deutschen besetzten Frankreich: Während Vianne ums Überleben ihrer Familie kämpft, schliesst sich die jüngere Isabelle der Résistance an und sucht die Freiheit auf dem Pfad der Nachtigall, einem geheimen Fluchtweg über die Pyrenäen. Doch wie weit darf man gehen, um zu überleben? Und wie kann man die schützen, die man liebt? In diesem epischen, kraftvollen und zutiefst berührenden Roman erzählt Kristin Hannah die Geschichte zweier Frauen, die ihr Schicksal auf ganz eigene Weise meistern.

Mein Tipp: Der Autorin gelingt es wundervoll, alle Charaktere mit ihren Eigenheiten zu schildern. Ganz besonders ans Herz gewachsen sind mir natürlich die Schwestern, Vianne und Isabelle, die mitfühlend, mutig und stark sind. Der Schreibstil ist einfach packend und überwältigend. Die fiktive Geschichte der Schwestern ist sehr gut in die historischen Gegebenheiten des zweiten Weltkriegs eingebettet. Nachdem ich die letzte Seite beendet hatte, musste ich erst einmal tief durchatmen. Die Nachtigall ist ein Buch, das noch eine ganze Weile in meinen Gedanken "nachhallen" wird...

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- Lesetipp von Ursula Lange

Haus der Nonna: Aus einer Kindheit im Tessin

 „Haus der Nonna - Aus der Kindheit im Tessin“ von Joli Schubiger-Cedraschi

Im Jahr 1939 bringt der Vater die vierjährige Joli Cedraschi für ein paar Jahre zu den Grosseltern in ein Tessiner Dorf im Mendrisiotto. Seine Frau ist mit drei Kindern überfordert.

Wie viele Väter zu dieser Zeit, haben ihn berufliche Aussichten nach Zürich ziehen lassen.

Im Mittelpunkt der Erinnerungen steht Nonna Vittoria, die Grossmutter, um die alles kreist, die befiehlt und sagt, wo’s langgeht, die weiss, was richtig und falsch ist, was guttut und schaden kann. Neben ihr ist Nonno Pepp, der Grossvater, mit den Beziehungen zur Welt ausserhalb des Dorfes, der in der deutschen und französischen Schweiz gewesen ist, der im Weinberg die Reben spritzt, mit den Männern im Wirtshaus sitzt und der kleinen Enkelin – unter Protest der Nonna – derbe Geschichten von allerlei Spitzbuben erzählt.

Mein Tipp: Ein herziges, rührendes Buch. Eine kleine Zeitreise zurück in eine ärmere, einfachere Schweiz.

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April-Tipps 2017

- Lesetipp von Susan Ricklin

Im Vollbesitz des eigenen Wahns: Roman

"Im Vollbesitz des eigenen Wahns“ von Hilary Mantel  

Die Fortsetzung von „Jeder Tag ist Muttertag“ (siehe Tipp von September 2016). In Muriels Elternhaus lebt mittlerweile Colin Sydney mit seiner Familie, einer der alten Nachbarn von ihr und ihrer Mutter Evelyn. Vor allem ihn und die Sozialarbeiterin Isabel Field macht Muriel für die Geschehnisse von vor zehn Jahren verantwortlich. Der verheiratete Colin und Isabel waren einst ein Liebespaar. Beide sind aus den Auseinandersetzungen mit Muriel und Evelyn nicht unbeschadet hervorgegangen. Isabel gab damals nicht nur Colin, sondern auch ihren Beruf auf, während Colin in seine trostlose Ehe zurückkehrte. Mittlerweile haben sie angesichts pflegebedürftiger Eltern, renitenter Teenager, schwangerer Töchter und fremdgehender Ehemänner längst resigniert. Dagegen ist Muriels Energie ungebrochen. Auch wenn sie sich selbst als verrückt und dumm bezeichnet, legt sie eine bemerkenswerte Kreativität an den Tag, um Rache zu üben. Bei den Sydneys schleicht sie sich als grell geschminkte Putzfrau Lizzie ein; bei Isabel pflegt sie deren Vater im Altenheim als selbstlose, arme alte Mrs Wilmot. Ihre Rollen spielt Muriel so gut, dass keiner sie erkennt – vielleicht auch deshalb, weil jeder die Ereignisse von damals vergessen will. Erschöpft vom alltäglichen Wahnsinn, ahnen sie nicht, dass sie längst nicht mehr allein über ihr Leben bestimmen.

Mein Tipp: Auch hier wieder - wie im Vorgängerband - wird auf meisterhaft boshafte Art beschrieben, wie die verschiedenen englischen Mittelstandspersonen untergehen. Dieses psychologische und soziale Drama ist wunderbar verrückt und skurril und hat mir absolut fesselnde Lesestunden beschert. Allerdings sollte der erste Band vorgängig gelesen werden.

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- Lesetipp von Vreni Bolt

Der Junge, der nicht hassen wollte: Eine wahre Geschichte

"Der Junge, der nicht hassen wollte" von Shlomo Graber

Die glückliche Kindheit in einem ungarischen Städtchen ist für Shlomo Graber mit 14 Jahren auf einen Schlag zu Ende, als er mit seiner Familie von den Nazis deportiert wird. Der Jugendliche überlebt drei Konzentrationslager und sein Vater und er werden am Ende des Zweiten Weltkrieges als einzige Überlebende der Familie in Freiheit entlassen. Das Überleben gelingt nur dank seinem unerschütterlichen Glauben an sich selbst und der Nächstenliebe, die er auch in dieser schrecklichen Zeit niemals verloren hat.

Der heute 91-jährige Autor schildert seine Kindheits- und Jugenderlebnisse in einem erschütternden Lebensbericht, der für ihn auch ein Zeichen der Hoffnung ist. Sein Aufruf zur Humanität ist verbunden mit einer Botschaft an die heutige Jugend: "Lasst das Böse nicht an euer Herz, was auch passiert..."

Mein Tipp: Das Buch ist in einer einfachen, schlichten Sprache geschrieben und hat mich durch die Eindringlichkeit des Erlebten Anteil an dieser schlimmen Zeit nehmen lassen. Es scheint unglaublich, dass man an einer solchen Lebensgeschichte nicht zerbricht und ohne Hass in die Zukunft blicken kann.

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- Lesetipp von Susanne Gambon

Die Geschichte eines neuen Namens: Band 2 der Neapolitanischen Saga (Jugendzeit) (Neapolitanische Saga)

„Die Geschichte eines neuen Namens - Band II der Neapolitanischen Saga (Jugendzeit)“ von Elena Ferrante

 Lila und Elena sind sechzehn Jahre alt, und sie sind verzweifelt. Lila hat noch am Tage ihrer Hochzeit erfahren, dass ihr Mann sie hintergeht – er macht Geschäfte mit den allseits verhassten Camorristi. Für Lila, arm geboren und durch die Ehe schlagartig zu Geld und Ansehen gekommen, brechen leidvolle Zeiten an. Elena hingegen verliebt sich Hals über Kopf in einen jungen Studenten, doch der scheint nur mit ihren Gefühlen zu spielen. Sie ist eine regelrechte Vorzeigeschülerin geworden, muss aber feststellen, dass das, was sie sich mühsam erarbeitet hat, in ihrer neapolitanischen Welt kaum etwas gilt.

Trotz all dieser Widrigkeiten beharren Lila und Elena immer weiter darauf, ihr Leben selbst zu bestimmen, auch wenn der Preis, den sie dafür zahlen müssen, bisweilen brutal ist. Woran die beiden jungen Frauen sich festhalten, ist ihre Freundschaft. Aber können sie einander wirklich vertrauen? 

Mein Tipp: Dieser Roman ist ebenso fesselnd geschrieben wie der Vorgänger (meine geniale Freundin) und knüpft nahtlos an den ersten Teil an. Ein Buch zum Eintauchen in die spannenden, zwischenmenschlichen Beziehungen der 60er Jahre in Süditalien! Ich freue mich schon auf die kommenden Neapel-Romane Band 3 und 4!

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- Lesetipp von Ursula Lange

Was ich noch weiß: Roman

„Was ich noch weiss“ von Diane Broeckhoven

Warmherzig und fein komponiert erzählt Diane Broeckhoven die Geschichte einer komplizierten Mutter-Sohn-Beziehung. Manon geht in ihrer Rolle als Ehefrau, Hausfrau und Mutter auf, bis ihr Mann sie plötzlich für eine jüngere Frau verlässt. Sie bleibt mit den drei Kindern zurück und muss von nun an allein für die Familie sorgen. Sieben Jahre später entdeckt ihr Sohn Peter durch einen Zufall, dass Manon kurz nach dem Tod ihrer Schwiegermutter eine Affäre mit ihrem Schwiegervater gehabt haben muss. In jugendlicher Empörung und ohne seiner Mutter Gelegenheit zu geben, sich zu erklären, zieht er zu seinem Vater.
Die Kinder werden erwachsen und kurz bevor Peter mit seiner frischangetrauten Ehefrau für einige Zeit nach Japan ziehen will, erleidet Manon einen Schlaganfall und fällt ins Koma. Trotz ihrer früheren Differenzen legt Peter seine Pläne auf Eis, um für seine Mutter da sein zu können. Als Manon erwacht, muss sie sich ins Leben zurückkämpfen. ..

Mein Tipp: Dieses Buch ist für mich inhaltlich und sprachlich eine echte Perle!

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- Lesetipp von Brigitte Locher

Der Club

„Der Club“ von Takis Würger

Hans Stichler stammt aus einfachen Verhältnissen. Er bekommt ein Stipendium für die Universität in Cambridge – als Gegenleistung soll er dort ein Verbrechen aufklären. Er schafft es, Mitglied im elitären Pitt Club zu werden und verliebt sich in Charlotte, die ihn in die Bräuche der Snobs einweiht. Bald merkt er, dass hinter den alten Mauern der britischen Oberschicht Geheimnisse lauern, über die keiner spricht.

Mein Tipp: Dieses kleine Buch mit starkem Inhalt hat mir eine Buchhändlerin in meinem Winterferienort empfohlen. Sofort wandelte sich mein Frust über die schlechten Schneeverhältnisse ins Gegenteil. Nachdem man lange Zeit völlig im Dunkeln tappt, ahnt man mit der Zeit, welche Art Verbrechen der junge Student aufzuklären hat. Und siehe da – als ich aus der versnobten Welt der Clubs in der Universität Cambridge auftauchte, lag draussen 40 cm Neuschnee! Wieder einmal half ein Buch, nervige äussere Umstände, die niemand ändern kann, auszublenden.

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- DVD-Tipp von Lies Meyer

Swiss Army Man

"Swiss Army Man", DVD

Hank (Paul Dano) ist auf einer einsamen Insel gestrandet und hat inzwischen alle Hoffnung auf eine Rückkehr nach Hause aufgeben. Aber eines Tages ändert sich alles, als eine Leiche mit dem Namen Manny (Daniel Radcliff) an der Küste angespült wird. Die beiden werden schnell Freunde und begeben sich auf ein episches Abenteuer, welches Hank zurück zur Frau seiner Träume bringen soll.

Mein Tipp: Abgesehen von seinen Gags, lebt der Film vom vielseitigen Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller, Paul Dano und Daniel Radcliffe. Sehr, sehr schräg. wink

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März-Tipps 2017

- Lesetipp von Vreni Bolt

Elefant

"Elefant" von Martin Suter
Das Ergebnis eines missglückten gentechnischen Experiments - ein rosaroter Mini-Elefant - entzückt seine "Hersteller" ebenso wie einen Obdachlosen, eine Tierärztin, und einen burmesischen Elefantenflüsterer. Die unterhaltsame und mit Spannung erzählte Geschichte führt dicht gedrängt an verschiedene Schauplätze: vom gentechnischen Labor zu einem Zirkus, zur Stadtzürcher Obdachlosenszene, in eine Villa am Zürichberg und zuletzt nach Burma, wo man Elefanten besonders huldigt.
Mein Tipp: ein sympathisches Werk von Martin Suter, ich fühlte mich dem liebenswürdigen Elefäntli sehr nahe und habe mit seinem Schicksal mitgefiebert! Mir bleibt zu hoffen, dass sich die Gentechnik auf Sinnvolleres konzentriert, der kleine rosarot leuchtende Elefant ist ein wunderbares Symbol für all die unvorstellbaren Möglichkeiten des medizinischen Fortschritts.

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- Lesetipp von Ursula Lange

Bauernleben: Die unglaubliche Geschichte des Wisi Zgraggen

„Bauernleben- die unglaubliche Geschichte des Wisi Zgraggen“ von Barbara Lukesch

Wisi Zgraggen war seit zwei Jahren verheiratet und Vater eines Buben, als er mit 25 mit dem Gedanken spielte, den Hof seines Vaters zu übernehmen. Kurze Zeit später vereitelte ein schwerer Arbeitsunfall den Plan: Wisi geriet bei der Heuernte in die Rundballenpresse und verlor beide Arme. Noch auf der Unfallstelle versicherte er seinem Vater, weiterhin bauern zu wollen. Dank eisernem Willen und positiver Lebenseinstellung hat er das Unglaubliche geschafft. Heute ist er das, was er immer werden wollte: ein erfolgreicher Landwirt. In "Bauernleben - Die unglaubliche Geschichte des Wisi Zgraggen" erzählt der Urner nicht nur, wie er seinen Unfall überwunden und gelernt hat, den Alltag ohne Arme und Hände zu meistern, sondern gibt der Autorin Barbara Lukesch auch Einblick in die Gesetze der Landwirtschaft und den Beruf des Bauern.

Mein Tipp: Die Geschichte, wie ein junger Mensch weiterhin leben will und kann, wenn er einen solchen Unfall und Schicksalsschlag erfahren musste, hat mich tief beeindruckt. Ganz nebenbei erfährt man als LeserIn auch viel über den nicht einfachen Alltag und Überlebenskampf eines heutigen Bauern in der Schweiz.

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- Lesetipp von Brigitte Locher

Ein Brautkleid aus Warschau: Roman

„Ein Brautkleid aus Warschau“ von Lot Vekemans

Marlena ist die Hauptfigur in Lot Vekemans Roman. Sie ist eine junge, schöne Polin, Mitte zwanzig, die sich in Warschau in einen Amerikaner verliebt. Bevor sie realisiert, dass sie von ihm schwanger ist, muss Nathan unerwartet zurück in die USA. In ihrer ausweglosen Situation – die Mutter drängt zur Abtreibung, der Vater des Kindes ist nicht erreichbar – lässt sie sich als Katalogbraut an einen Bauern in Holland vermitteln.

Mein Tipp: Drei Personen erzählen die Geschichte aus ihrer Perspektive. Für alle drei Protagonisten entwickle ich eine gewisse Sympathie und verstehe die Beweggründe, eine Partnerschaft aufzubauen. Jeder ist sich selber der Nächste und dies auf Kosten des inzwischen neunjährigen Stanislaw. Sehr feinfühlig beschreibt die holländische Autorin dieses Beziehungsnetz und lässt uns daran teilhaben. Der Theaterautorin ist ihr Roman-Debüt gelungen.

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- DVD-Tipp von Lies Meyer

"Eddie the Eagle", DVD

Inspiriert von wahren Ereignissen ist EDDIE THE EAGLE eine Feel-Good-Geschichte über Michael "Eddie" Edwards (Taron Egerton), einen ungewöhnlichen aber überaus mutigen britischen Skispringer, der niemals aufhört, an sich selbst zu glauben - obwohl eine ganze Nation ihn bereits als Versager abgestempelt hat. Mit Hilfe eines rebellischen und charismatischen Trainers (Hugh Jackman) überwindet er alle Hürden und erobert die Herzen der Fans auf der ganzen Welt durch seine legendäre Teilnahme an den Olympischen Winterspielen in Calgary (1988).

Mein Tipp : Dieser Film ist wie gemacht für die Sportferien, obwohl vor Nachahmung gewarnt werden muss. wink

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- Lesetipps von Susan Ricklin

Flutlicht

"Flutlicht" von Gideon Samson, Jugendbuch                                                                                         

"Elin Andersson möchte mit dir auf Facebook befreundet sein." Pieter sieht sich gerade in Amsterdam das Endspiel der Fußball-WM 2010 an, als die Freundschaftsanfrage hereinkommt. Und plötzlich sind die Bilder wieder da ... Sri Lanka Dezember 2004: Nach einem Freiwilligeneinsatz in einem Dorf verbringen Pieter und sein englischer Freund John ein paar entspannte Urlaubstage am Meer, wo sie zwei schwedische Backpackerinnen kennenlernen. Für Pieter und Elin ist es Liebe auf den ersten Blick. The most beautiful Christmas ever! Sie wollen die Nacht zusammen am Strand verbringen ...

Mein Tipp: Der mehrfach ausgezeichnete, holländische Autor beschreibt auf originelle und eindringliche Art und Weise das Schicksal eines Jugendlichen, dessen unbeschwertes Leben sich von heute auf morgen in einen Albtraum verwandelt. Mit viel Einfühlungsvermögen hat er sympathische Protagonisten erschaffen und ein authentisches Bild von der Katastrophe des Tsunamis von 2004 gezeichnet, das teilweise so real wirkt, als wäre man selbst mittendrin. Die Geschichte, die aus der Sicht von Pieter erzählt wird, wechselt zwischen Gegenwart und Rückblenden.  Dies macht deutlich, wie sehr das Erlebte Pieter mitgenommen und verändert hat und welch grossen Raum diese Katastrophe – trotz der langjährigen Verdrängung – in seinem Leben einnimmt.

Flüssiger und spannender Schreibstil, der von der ersten bis zur letzten Seite packt. Und wieder eine Empfehlung für ein Jugendbuch, das nicht nur junge Leser fesseln wird

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Ein passender Mieter

"Ein passender Mieter" von Lukas Hartmann                                                                      

Als ihr Sohn auszieht, bleiben Margret und Gerhard Sandmaier allein in ihrem grossen Haus zurück. Besonders Margret leidet unter der Loslösung von Sebastian und unter dem leeren Haus. Gerhard arbeitet als Geschichtsprofessor, aber Margrets Teilzeitjob in der Buchhandlung und die Deutschstunden, die sie Flüchtlingskindern gibt, füllen sie nicht aus. Die Sandmaiers beschliessen, den Anbau, in dem der Sohn gewohnt hat, zu vermieten. Der passende Mieter ist bald gefunden: ein junger Fahrradmechaniker, unauffällig, höflich, wortkarg. Doch als sich die Schlagzeilen über einen Messerstecher häufen, der in der Stadt junge Frauen überfällt, regt sich in Margret ein schrecklicher Verdacht.

Mein Tipp: Dieses Buch ist kein Krimi, sondern meines Erachtens ein familienpsychologisches Meisterwerk. Hartmann schreibt aus den verschiedenen Blickwinkeln seiner Protagonisten - mal in erster, mal in dritter Person. Der Schock über des Mieters Verhaftung bricht die labile Struktur der Familie auf und wirft vor allem die Mutter gänzlich aus der Bahn. Und dazu trägt nicht nur der unpassende Mieter bei...  Ein grossartiges Buch, das mich aufgewühlt hat und das zum Nachdenken über eigene Verhaltensmuster anregt.

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Februar-Tipps 2017

- Lesetipp von Susanne Gambon

Neu in der Fremde: Von Menschen, die ihre Heimat verlassen

"Neu in der Fremde" von Daniela Burger, Sachbuch Jugend Oberstufe

Wie fühlt es sich an, wenn man seine Heimat verlassen muss? Wenn man in ein fremdes Land kommt, in dem man die Spielregeln nicht kennt? Und vielleicht sogar die Sprache nicht spricht ... Das Thema des Jahres sind sicher Menschen, die ihre Heimat verlassen. Die Entwurzelungen und Umwälzungen erlebt haben, die woanders neu starten mussten. Wie geht es diesen Menschen? Was haben sie für Wünsche und Träume? Wie fängt man überhaupt neu an? In diesem Buch erzählen Menschen davon, wie es sich anfühlt, wenn man seine Heimat verlässt und an einem anderen Ort bei Null anfängt. In eigenen Worten berichten sie von vielen unterschiedlichen Erlebnissen. Es kommen aber auch Menschen zu Wort, die andere dabei unterstützen, die im Alltag helfen, die auch mal einfach nur zuhören.

Mein Tipp: Den Sammelband finde ich deshalb so gelungen, weil die Herausgeberinnen Menschen aus verschiedenen Generationen und Weltgegenden zum Sprechen gebracht haben, die alle nur eint, dass sie heute in Deutschland leben. Das Buch schafft ein Bewusstsein für die Schicksale, die hinter den Neuanfängen stecken, und kann mehr Verständnis schaffen für das auf den ersten Blick fremd Wirkende.

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- Lesetipp von Ursula Lange

Hier können Sie im Kreis gehen: Roman

„Hier können Sie im Kreis gehen“ von Frédéric Zwicker

Im Alter von 91 Jahren kommt  der demente Johannes Kehr ins Pflegeheim. Nur: Seine Demenz ist vorgetäuscht. Im Heim hofft Kehr, seine Ruhe zu finden. Aber so einfach ist es nicht. Er beobachtet die schrulligen, nicht selten aggressiven Mitbewohner und die Nachlässigkeit der Pfleger. Seine vorgetäuschte Demenz nutzt er, um Desserts zu stehlen und Gehhilfen unliebsamer Nachbarn zu verstecken. Bald aber wird seine Schauspielerei anspruchsvoller; je vertrauter ihm das Heim wird, desto grösser ist die Gefahr einer Enttarnung. Als zufällig seine Jugendliebe Annemarie auftaucht, flackert die alte Zuneigung erneut auf.

Mein Tipp:  Der Autor erzählt auf feinfühlige und humorvolle Art eine Geschichte, die nachdenklich stimmt. Er greift in seinem Debütroman ein sensibles, wie auch aktuelles Thema auf. 

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- Sachbuch-Tipp von Brigitte Locher

Steve McCurry Lesen: Eine Leidenschaft ohne Grenzen

„Lesen“ von Steve MacCurry

Mein Tipp: Ein wunderschöner und eindrücklicher Foto-Bildband zum Thema Lesen. „Bücher sind ein wunderbarer Rückzugsort, ein neuer Horizont für die Fantasie und Neugier.“ Steve MacCurry

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- DVD-Tipp von Lies Meyer

Die Poesie des Unendlichen

"Die Poesie des Unendlichen", DVD

Der Inder Srinivasa Ramanujan (Dev Patel) hat kein Geld, um sich einen einfachen Start ins Leben zu ermöglichen. Aber er hat ein Kapital, das man sich nicht kaufen kann: seinen brillanten Verstand. Während des Ersten Weltkriegs gelangt er so nicht nur in das britische Königreich, um an der Universität von Cambridge studieren zu können, er entwickelt sich auch zu einem Mathegenie. Und so wird sein Geist zu einem Werkzeug, mit dem er sein Leben gestalten kann.

Mein Tipp: charmantes Biopic mit hervorragenden Schauspielern. Die Geschichte zweier völlig gegensätzlichen Charaktere. Auf der einen Seite der junge, emotionale, tiefgläubige Inder, auf der anderen Seite der rationale, bindungsunfähige, kühle Brite.

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- Lesetipp von Susan Ricklin

Salz für die See

"Salz für die See" von Ruta Sepetys                                                                                                  

Die letzten Kriegstage des Jahres 1945: Tausende Menschen flüchten aus Angst vor der Roten Armee nach Westen.  Sie kämpfen mit Hunger und Kälte und werden von Tod, Vergewaltigung und Vernichtung eingeholt. Darunter Florian, ein deutscher Deserteur, Emilia, eine 15-jährige, hochschwangere Polin, Joana, eine litauische Krankenschwester, der Schuhpoet und ein kleiner Streuner. Eine Notgemeinschaft, in der jeder ein Geheimnis hat, das er nicht preisgeben will. Denn der Krieg hat sie Misstrauen gelehrt. Im eiskalten Winter wählt der kleine Flüchtlingstrek den lebensgefährlichen Weg über das zugefrorene Haff. In Gotenhafen, so heißt es, warte die Wilhelm Gustloff, um sie nach Westen zu bringen. Doch auch dort sind sie noch lange nicht in Sicherheit.

Mein Tipp: Der Roman ist in äusserst kurze Kapitel gegliedert, in denen abwechslungsweise aus der Ich-Perspektive der drei Protagonisten erzählt wird. Die Autorin mit litauischen Vorfahren wagt sich auf unkonventionelle und gut recherchierte Art an ein Thema, dem hinlänglich kaum Beachtung geschenkt wurde. Beim Untergang der Titanic starben gut 1500 Menschen, das Drama wurde vielfach dokumentiert und verfilmt. Aber kaum jemand hierzulande kennt die Geschichte um die Bombardierung der Wilhelm Gustloff, auf der über 10'000 Menschen versuchten, dem Grauen zu entfliehen. Die Tragödie um den Untergang des Schiffes, bei dem schliesslich mehr als 9'000 Menschen umkamen, ist ein wichtiger Teil der Geschichte zum Zweiten Weltkrieg. Ich selbst bin mit Erzählungen aus dieser grauenvollen Zeit aufgewachsen, hat doch meine Oma bei dem Drama ihre jüngste Schwester mit ihren zwei kleinen Kindern verloren.

Ich empfehle dieses anspruchsvolle Jugendbuch ab 14 Jahren, unbedingt aber auch für Erwachsene. Und ich rate Eltern, mit ihren Kindern über den Inhalt zu sprechen. Gerade jetzt, wo wieder so viele Menschen auf der Flucht sind, ist es wichtig, dass wir unser Augenmerk auf dieses Ereignis lenken, und niemals vergessen, was dazu geführt hat.

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- Lesetipp von Vreni Bolt

Eierlikörtage: Das geheime Tagebuch des Hendrik Groen, 83 1/4 Jahre

"Eierlikörtage - Das geheime Tagebuch des Hendrik Groen, 83 1/4 Jahre", aus dem Niederländischen übersetzt von Wiebke Kuhn

Hendrik Groen beschliesst, über sein neues Zuhause in einem Altenheim in Amsterdam Tagebuch zu führen und nicht bloss auf das Ende zu warten. Zusammen mit ein paar Mitbewohnern wird der Club ALANITO (Alt-aber-nicht-tot) gegründet, da er und seine Freunde an der Interesselosigkeit und den Nörgeleien ihrer Mitbewohner leiden. Nun unternehmen sie selber organisierte Ausflüge, die sich angenehm vom Angebot im Heim unterscheiden.

Der Autor Hendrik Groen (es ist nicht bekannt, wer sich wirklich dahinter versteckt) veröffentlichte die ersten Seiten seines Tagebuches auf der Website des "Torpedo Magazines" bevor es in Holland zu einem erfolgreichen Buch wurde und sich im ganzen Land Hendrik Groen - Fanclubs bildeten. 

Mein Tipp: Die mit Sarkasmus geschriebenen Tagebuchaufzeichnungen vermitteln die tröstliche Vorstellung, auch mit Mitte 80 und als Heimbewohner Spass zu haben und selbstbestimmt und aktiv zu bleiben. Hendrik Groen erzählt berührend und ohne Sentimentalität was uns lebendig hält und wie schwer es ist, darauf irgendwann verzichten zu müssen.

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Januar-Tipps 2017

- Lesetipp von Ursula Lange

Die Spuren meiner Mutter: Roman

„Die Spuren meiner Mutter“ von Jodi Picoult

Die dreizehnjährige Jenna sucht ihre Mutter Alice, die nach einem tragischen Unfall im Elefantenreservat von New Hampshire spurlos verschwand. Sie wendet sich an die Wahrsagerin Serenity Jones, die früher als Medium half, Vermisste aufzuspüren, und den abgehalfterten Privatdetektiv Vergil Stanhope, der einst mit dem Fall der verschwundenen Alice betraut war. Das kuriose Trio macht sich mit unkonventionellen Mitteln auf eine spannende und bewegende Spurensuche…

Mein Tipp: Jodi Picoult ist eine wahre Geschichtenerzählerin. Ihre Sprache lässt einen schnell die Dicke des Buches vergessen. Raffiniert wechselt sie in jedem Kapitel den Protagonisten und lässt einen ihrer vier Hauptpersonen in der „Ich-Form“ erzählen. Und: Ganz nebenbei erfährt man viel über das Wesen der Elefanten…

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- Lesetipp von Brigitte Locher

Glückskind mit Vater: Roman

„Glückskind mit Vater“ von Christoph Hein

Konstantin wird am Ende des Zweiten Weltkrieges geboren. Seine Mutter nennt ihn „mein Glückskind“, denn da sie mit ihm hochschwanger ist, wagt der russische Offizier nicht, sie abführen zu lassen. Erst viel später erfährt er, was diese befürchtete Deportation für einen Grund hat: sein Vater war Brigadeführer der SS , wollte ein Gefangenenlager errichten und wurde in Polen von einer Selbstjustiz aufgehängt. Als er mit 14 Jahren realisiert, dass er mit dieser Vergangenheit in der DDR niemals das Abitur machen kann, flüchtet er. Aber leider wird ihm sein verstorbener Vater im zukünftigen Leben immer wieder einen Strich durch die Rechnung machen.

Mein Tipp: Wie schon der Titel besagt, wird Konstantin immer wieder Glück in seinem Leben erfahren. Doch leider holt ihn der Schatten des Vaters ebenfalls stetig ein. Diese Tragik schildert  Hein aber so gekonnt, dass einen dieses Schicksal nicht hinunterzieht. Ich zitiere aus einer Rezension: „Konstantin Boggosch ist nicht der Typ, der verbittert. Christoph Hein ist nicht der Typ, der dem Feind nicht einfach die schaurig unsympathische Rolle auf den Leib schreiben könnte. Das ist höhere Gerechtigkeit.“

Wieder einmal frage ich mich: Was macht ein Buch aus, dass ich mich ab der ersten Seite angesprochen fühle – während ein anderes viel mehr Überwindung braucht, fortzufahren? Wie subjektiv dieser Vorgang ist, erfahren wir Bibliothekarinnen untereinander, da können die Präferenzen auseinandergehen, was ja auch gut ist. Verfolgt man zudem den Literaturclub auf   SRF 1, realisiert man, dass auch „Fachleute“ selten einer Meinung sind. Fazit: Ich kann meine Frage nicht beantworten. Ich weiss nur eines: gut gibt es Bibliotheken, dort kann man einen „Fehlgriff“ unbesehen zurückbringen.

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- DVD-Tipp von Lies Meyer

Frühstück bei Monsieur Henri

„Frühstück bei Monsieur Henri“, DVD

Monsieur Henri ist ein mürrischer alter Herr und stolz darauf. Er lebt allein mit einer Schildkröte in einer viel zu grossen Pariser Altbauwohnung und ärgert sich - über die Ehefrau seines Sohnes, die jungen Leute von heute oder was sonst so anfällt. Doch weil Henris Gesundheit letzthin etwas nachgelassen hat, beschliesst sein Sohn Paul, dass es Zeit wird für eine Mitbewohnerin. Mit der chronisch abgebrannten Studentin Constance kommt ihm eine junge Dame ins Haus, die all das hat, was Henri auf den Tod nicht leiden kann, die seine Pantoffeln klaut und unerlaubt das Klavier benutzt. Weil sich Constance die Miete eigentlich nicht leisten kann, bietet Henri ihr ein skurriles Geschäft an: wenn sie es schafft, seinem Sohn Paul so lange schöne Augen zu machen, bis der seine Ehefrau verlässt, ist die Miete umsonst. Mehr "übel als wohl" willigt Constance ein. So stolpert der ahnungslose Paul in seinen zweiten Frühling und Constance in eine schrecklich nette Familie, die dank Monsieur Henri heillos im Chaos versinkt.

Mein Tipp: warmherzige Komödie mit überzeugenden darstellerischen Leistungen. „Die Franzosen können's einfach“, zumindest bezüglich des Filmemachens.wink

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- Lesetipp von Susan Ricklin

Sommer unter schwarzen Flügeln

Sommer unter schwarzen Flügeln“ von Peer Martin     

Nuri kommt aus Syrien und lebt im Asylbewerberheim. Der rechtsradikale Calvin wohnt nur wenige Häuser weiter und ist Mitglied einer gewalttätigen Jugendgang. Als sie sich kennenlernen, erzählt Nuri ihm von ihrem Heimatdorf am Rand der Wüste und von dessen Schönheit. Doch dann kamen die Schwingen des Bösen und legten sich über das ganze Land. Je mehr Calvin über das Mädchen mit den dunklen Augen erfährt, desto mehr verliebt er sich in sie. Calvin möchte seine Gang verlassen - doch so einfach entkommt er seinen alten Freunden nicht.

Mein Tipp: Dieses Buch hat zu Recht den Deutschen Jugendliteraturpreis 2016 gewonnen. Es ist beeindruckend ehrlich, schonungslos und mit viel Herzblut geschrieben und basiert auf gut recherchierten Fakten. Jedes Kapitel wird mit einem provokanten Zitat eröffnet und mit Anregungen zur weiterführenden Internetsuche abgeschlossen, wodurch das Buch über sich selbst hinausweist und zur Reflexion über die aktuelle politische Lage anregt. Besonders gern habe ich die Erzählungen von Nuri über ihre Kindheit in der Heimat gelesen. Diese Rückblenden werden eingerahmt vom Geschehen in der Gegenwart in Deutschland. Ein wichtiges und superaktuelles Buch, das nicht nur von jungen Menschen gelesen werden sollte.

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- Lesetipp von Vreni Bolt

Stille Nacht: Nicht nur eine Weihnachtsgeschichte

"Stille Nacht - Nicht nur eine Weihnachtsgeschichte" von Martin Walker (Anmerkung: Nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Krimi-Autoren!)

Eine berührende, liebevoll erzählte Geschichte, die dazu ermuntert, auch in den aktuellen Wirren von Krieg und Elend an das Schöne und Gute zu glauben und nicht aufzugeben...

Mein Tipp: ein wohltuend dünnes Büchlein (klein aber fein!), das man in einem Zug von der ersten bis zur letzten Seite gerne liest. cheeky

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- Lesetipp von Susanne Gambon

Hyggelig Wohnen: Inspirationen aus Skandinavien

"Hyggelig Wohnen - Inspirationen aus Skandinavien“ von Marion Hellweg, Sachbuch

Jedes Zuhause braucht Wohlfühlzonen. Marion Hellweg zeigt liebevoll gestaltete Heime unserer nordischen Nachbarn, die Sie inspirieren und zum Nachmachen animieren. Das neue Einrichtungsbuch lädt mit seinen Wohnideen zum Träumen, Entspannen und Geniessen ein. Farben, behagliche Texturen, warmes Licht und sorgfältig ausgewählte Accessoires machen auch Ihr Zuhause zu einem gemütlichen Rückzugsort.

Mein Tipp: ein Buch für lange, dunkle Winterabende - Kerzen anzünden, Füsse hochlagern und geniessen! „Hyggelig“ heisst auf Deutsch gemütlich und kommt hier voll zum Tragen. In diesem Sinne eine wunderschöne Inspirationsquelle für alle, die es gerne gemütlich haben!

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Dezember-Tipps 2016

- Lesetipp von Brigitte Locher

Nora Webster: Roman

„Nora Webster“ von Colm Tóibín

Als ihr Mann stirbt, verfällt Nora Webster in einen Schockzustand. Langsam tastet sie sich ins Leben zurück. Ihre beiden Töchter sind aus dem Haus, doch der stotternde Donal ist vom Tod seines Vaters verstört. Auch wird sein jüngerer Bruder grundlos in eine andere Klasse versetzt. Zudem muss sich Nora gegen die Schikanen am Arbeitsplatz wehren.

Mein Tipp: Der Autor schildert ein irisches Frauenleben auf unspektakuläre Art, die mich gleichwohl in den Bann gezogen hat. Zudem bekommt die Leserin/der Leser die Situation des provinziellen Lebens eines irischen Kleinstädtchens, Ende der 60er Jahre, geschildert: strenge Regeln der katholischen Kirche sowie die prekäre politische Situation weiter nördlich des Landes. Wie sich Nora Webster aus dem Schatten ihres verstorbenen Ehemannes löst und mit kleinen Schritten ihre Selbstsicherheit und Selbständigkeit aufbaut, wird sehr einfühlend geschildert. Die autobiographische Komponente sei in Tóibíns achtem Roman am offensichtlichsten, habe ich bei meiner Recherche erfahren.

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- DVD-Tipp von Lies Meyer

The Lady in the Van

"The Lady in the Van" DVD

Basierend auf einer wahren Geschichte erzählt "The Lady in the Van" von der Freundschaft zwischen der exzentrischen Miss Shepherd, dargestellt von der fabelhaften Maggie Smith, und Alan Bennett (Alex Jennings). Eine Frau unbekannter Herkunft parkt ihren Lieferwagen "vorübergehend" in Alan Bennetts Auffahrt in London und wohnt ab da 15 Jahre lang darin. Was als unfreiwilliger Gefallen beginnt, wird zu einer Beziehung, die das Leben der beiden ändern wird.

Mein Tipp: Nur schon der bärbeissigen Maggie Smith zuzuschauen, ist ein wahres Vergnügen. Eigentlich will man sie nicht mögen, aber trotzdem wird sie einem immer sympathischer. cheeky

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- Lesetipps von Susan Ricklin

Das Leben ist gut: Roman                                                                                                       

"Das Leben ist gut" von Alex Capus

Max ist seit fünfundzwanzig Jahren mit Tina verheiratet, sie ist die Liebe seines Lebens. Er betreibt eine kleine Bar, tagsüber bringt er das Altglas weg, repariert das Mobiliar – oder begibt sich auf die Suche nach einem ausgestopften Stierkopf, der unbedingt über dem Tresen hängen soll. Max liebt sein Leben, so wie es ist, seine Familie, seine Freunde. Das wird ihm einmal mehr bewusst, als Tina zum ersten Mal in ihrer gemeinsamen Ehe beruflich ohne ihn unterwegs ist.

Mein Tipp: Alex Capus gelingt es ausserordentlich gut, dem banalen Alltag menschliche, gefühlvolle Geschichten zu entlocken und uns daran teilhaben zu lassen. Diese verpackt er gekonnt in die Rahmengeschichte, in der seine Frau ihn zum Strohwitwer macht. Ein leichtes, erfrischendes Buch mit Tiefgang. Mit dem ihm eigenen scharfen und versöhnlichen Blick verteidigt Capus das, was im Alltag leicht übersehen wird. Ich habe Capus live bei einer Lesung erlebt, wo er noch viele andere solche Episoden erzählt hat. Und er hat mehrfach betont, dass dies mit Sicherheit kein autobiographisches Werk ist ...

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Mein bester letzter Sommer: Roman

„Mein bester letzter Sommer“ von Anne Freytag                                                                           

Tessa hat immer gewartet – auf den perfekten Moment, den perfekten Jungen, den perfekten Kuss. Weil sie dachte, dass sie noch Zeit hat. Doch dann erfährt das 17-jährige Mädchen, dass es bald sterben muss. Tessa ist fassungslos, wütend, verzweifelt – bis sie Oskar trifft. Einen Jungen, der hinter ihre Fassade zu blicken vermag, der keine Angst vor ihrem Geheimnis hat, der ihr immer zur Seite steht. Er überrascht sie mit einem großartigen Plan. Und schafft es so, Tessa einen perfekten Sommer zu schenken. Einen Sommer, in dem Zeit keine Rolle spielt und Gefühle alles sind …

Mein Tipp: wahnsinnig viel Gefühl auf gut 350 Seiten, viel Herzschmerz und viele Tränen. Auch ich konnte mir die eine oder andere nicht verdrücken. Trotzdem konnte mich die Geschichte nicht wirklich tief berühren. Vieles wirkt ein wenig unrealistisch und weit hergeholt. Aber ich gehöre zweifelsohne auch nicht zur Zielgruppe der (weiblichen) Jugendlichen ab 14. Bei Amazon wurde das Buch 212mal bewertet und immerhin 188mal bekam es die Höchstnote! Zumindest die Botschaft ist fantastisch: Es schreit einen förmlich an, das Leben zu geniessen. Sachen zu tun, die einen interessieren und eben nicht darauf zu warten bis es evtl. zu spät sein könnte.

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- Hörbuchtipp von Vreni Bolt

Wunder wirken Wunder: Wie Medizin und Magie uns heilen

"Wunder wirken Wunder" Hörbuch von Dr. med. Eckart von Hirschhausen

Eckart von Hirschhausen versteht es, medizinische Inhalte auf humorvolle Weise zu vermitteln und gesundes Lachen mit nachhaltigen Botschaften zu verbinden. Sein neustes - und wie er selber schreibt - "persönlichstes Buch" - ist ein weiteres Lese- und Hörvergnügen aus einer Serie von diversen Werken, welche in der Bibliothek als Hörbücher und z.T. als Sachbücher erhältlich sind (z.B.: "Glück kommt selten allein", "Liebesbeweise", "Wohin geht die Liebe, wenn sie durch den Magen durch ist").

Kommentar des Autors: "Dieses Buch ist eine Wundertüte. Nehmen Sie, was Sie brauchen können, und lassen Sie den Rest den anderen. Es ist genug für alle da!"

Mein Tipp: Gerne empfehle ich diese 76-minütige "Lachmedizin", die sich sowohl für längere eintönige Autofahrten als auch für gemütliche Familienabende eignet!

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- Lesetipp von Susanne Gambon

Zaira: Roman

„Zaira“ von Catalin Dorian Florescu

Zaira wächst auf einem rumänischen Gutshof unter der Obhut ihrer stolzen Grossmutter und ihres Cousins Zizi auf. Um sie über ihre Einsamkeit hinwegzutrösten, spielt er für sie Theater, das sie begeistert und das ihr Lebensinhalt wird. Der Krieg, der Faschismus, dann der Kommunismus verändern dramatisch die Lage der Familie. Dank ihrer Begabung wird Zaira zu einer berühmten Marionettenspielerin, doch bleibt sie unstet und rastlos. Ihre grosse Liebe scheitert. Die Kommunisten bedrohen sie und ihre Familie. Eine gefährliche Flucht über Prag bringt Zaira mit Mann und Tochter nach Amerika. Kämpferisch und zäh, dabei menschlich und liebenswert, gelingt es ihr, in der Fremde eine Existenz aufzubauen, doch glücklich wird sie nicht. Als alte Frau fasst sie den Mut, wieder in ihre Heimat zurückzukehren.

Mein Tipp: Eine grossartige Erzählung bei der man eine Epoche voller dramatischer Konflikte und einen verblüffenden Schluss erlebt. Florescu erzählt mit viel Feingefühl die spannende Geschichte von Zaira, die trotz aller Widerstände ihrer inneren Stimme folgt. Sehr beeindruckend!

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- Lesetipp von Ursula Lange

Andersen: Roman

„Andersen“ von Charles Lewinsky

„Dunkel. Nicht das kalte, fugenlose Dunkel einer Zelle. Eine warme Dunkelheit. Ich weiss nicht, wo ich bin.“

So beginnt der neue Roman von Charles Lewinsky. Schnell wird klar, dass der Protagonist kein Gutmensch ist…

Mein Tipp: Lewinsky ist ein Roman gelungen, der sich wie ein Thriller liest. Unheimlich und mit einer ganz neuen Sicht auf das Leben. Auf mich hatte das Buch eine Sogwirkung. Ich konnte es fast nicht mehr weglegen und schon gar nicht vergessen. Absolut lesenswert!

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November-Tipps 2016

- DVD-Tipp von Lies Meyer

Money Monster

„Money Monster" DVD

In dem hochgradig spannenden Thriller spielt George Clooney den TV-Moderator Lee Gates, der es durch seine erfolgreiche Finanzshow im Fernsehen zu einiger Berühmtheit gebracht hat. Er geniesst den Ruf, das Geld-Genie der Wall Street zu sein. Doch nachdem er seinen Zuschauern eine High-Tech-Aktie empfohlen hat, deren Kurs anschliessend auf mysteriöse Weise abstürzt, nimmt ein wütender Investor (Jack OConnell) Gates, seine Crew und seine Star-Produzentin Patty Fenn (Julia Roberts) Live on Air als Geisel. Der Film zeigt in Realzeit, wie Gates und Fenn verzweifelt versuchen, am Leben zu bleiben und gleichzeitig die Wahrheit hinter einem Netz aus Lügen rund um das "grosse Geld" aufzudecken. Investieren ist immer ein Risiko.

Mein Tipp: Jodie Foster inszeniert einen von der ersten bis zur letzten Minute zackigen und unterhaltsamen Thriller mit den zwei solide aufspielenden Topstars Clooney und Roberts.

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- Lesetipps von Susan Ricklin

Das Geräusch der Dinge beim Fallen: Roman

“Das Geräusch der Dinge beim Fallen” von Juan Gabriel Vásquez                                              

Bogotá, Kolumbien, im Sommer 2009: Der Jura-Professor Antonio Yammara liest in der Zeitung von einem Nilpferd, das aus dem ehemaligen Privatzoo des legendären Drogenkönigs Pablo Escobar entflohen ist. Unmittelbar fühlt er sich in die Zeit zurückversetzt, als der Krieg zwischen Escobars Medellín-Kartell und den Regierungstruppen auf Kolumbiens Strassen eskalierte. Damals musste er hautnah miterleben, wie ein Freund ermordet wurde. Noch Jahre später quälen ihn die Erinnerungen. Bei seinen Nachforschungen über den Mord entdeckt Antonio, wie stark sein eigenes Leben und das seines Freundes von der gewaltsamen Vergangenheit des Landes bestimmt wurden.

Mein Tipp: Das Geräusch der "Dinge beim Fallen" ist ein Porträt einer Generation, die der Drogenhandel in einem lebendigen Albtraum gefangen hielt. Vasquez verbindet hier Zeitgeschichte mit einer Familiengeschichte und nutzt die Schilderung des Leben seines Protagonisten, um über die katastrophalen Zeiten Kolumbiens unter Pablo Escobar zu schreiben. Entstanden ist ein Erinnerungsstrom, der den Leser hineinzieht in zwanzig Jahre Ausnahmezustand, Chaos, Trauma und Angst. Der in Bogota lebende Autor (siehe auch Juli-Tipp von Brigitte Locher für sein Buch „Die Reputation“) wurde für diesen Roman mit einem der wichtigsten Literaturpreise der spanischsprachigen Welt ausgezeichnet. Mir hat das Buch ausserordentlich gut gefallen. Geschichtlich interessant, poetisch, berührend und spannend geschrieben. Unbedingt lesen!!

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Der Geruch von Häusern anderer Leute

"Der Geruch von Häusern anderer Leute" von Bonnie-Sue Hitchcock                       

Bevor Alaska 1959 Bundesstaat der USA wurde, war das Leben für die Eingeborenen wie z. B. für die Familie von Ruth ein ganz anderes. Nun kommen immer mehr Leute aus dem Süden nach Alaska und es gibt zunehmend Regelungen, die das Jagen und Fischen beschränken. Beeinflusst von diesem Wandel ist auch Alyce, die zwar liebend gern tanzen würde, doch aus Furcht ihren Vater beim alljährlichen Fischen durch Abwesenheit zu enttäuschen, lieber ihren Herzenswunsch verschweigt. Dora will ihren Vater nie wieder sehen und wird von Dumplings Familie aufgenommen. Hank und seine Brüder hauen von zu Hause ab und einer gerät in grosse Gefahr.

Das Buch erzählt vier unterschiedliche Geschichten von Jugendlichen, die alle in Alaska leben und die Nachwirkungen durch den Wandel des Territoriums Alaska zum Bundesstaat von Amerika miterleben. Ihre Schicksale werden sich auf wundersame Weise verknüpfen.

Mein Tipp: Mir hat dieses tiefgründige und emotionale Jugendbuch ausserordentlich gut gefallen. Hier kommen Geschichte und Themen wie Missbrauch, Teenager-Schwangerschaft, Liebe und Suche nach sich selbst zusammen. Die Autorin hat einen einfachen, aber berührenden Schreibstil. Sie ist selbst in Alaska geboren und aufgewachsen und deshalb kommen die Informationen über den Staat und das Leben der Jugendlichen sehr authentisch rüber.

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- Lesetipp von Susanne Gambon

Im Meer schwimmen Krokodile -: Eine wahre Geschichte -

„Im Meer schwimmen Krokodile“ von Fabio Geda 

Als Enaiat eines Morgens erwacht, ist er allein. Er hat nichts als seine Erinnerungen und die drei Versprechen, die er seiner Mutter gegeben hat. Mit dem Ziel, ein besseres Leben zu finden, begibt er sich auf eine lange Reise Richtung Westen. Er durchwandert die Länder des Ostens bis nach Europa. Er reist auf Lastwagen, arbeitet, schlägt sich durch, lernt das Leben von seiner grausamen Seite kennen. Und trotzdem entdeckt er, was Glück ist… Fabio Geda erzählt die wahre Geschichte des zehnjährigen Enaiatollah Akbari in einem kurzen und zu Herzen gehenden Buch. Eine Geschichte, die uns den Glauben an das Gute zurückgibt. 

Mein Tipp: Das Buch hat mich sehr beeindruckt, da es auf einer wahren Begebenheit basiert. Ich finde es eine ganz besondere Geschichte zum Thema Flüchtling, die viel zum Verständnis der bedrohten Menschen beiträgt, die unfreiwillig ihre Heimat verlassen müssen. Ein eindrucksvolles und fesselndes Buch!

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- Lesetipp von Ursula Lange

Weit über das Land: Roman

„Weit über das Land“ von Peter Stamm

Ist es ein neuer Anfang, wenn man alles hinter sich lässt?
Ein Mann steht auf und geht. Einen Augenblick zögert Thomas, dann verlässt er das Haus, seine Frau und seine Kinder. Mit einem erstaunten Lächeln geht er einfach weiter und verschwindet. Astrid, seine Frau, fragt sich zunächst, wohin er gegangen ist, dann, wann er wiederkommt, schliesslich, ob er noch lebt.

Mein Tipp: Warum tut er das? Warum handelt sie so? - Mit seiner emotionslosen, nüchternen Sprache beantwortet Peter Stamm diese Fragen nicht. Die Figuren wachsen einem auch nicht wirklich ans Herz. Ihr Handeln bleibt einem fremd und kühl… - Und doch, es ist ein Buch, das beschäftigt und gerade durch das Fehlen von Erklärungen zum Nachdenken anregt.

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- Lesetipp von Brigitte Locher

Die störrische Braut: Roman

„Die störrische Braut“ von Anne Tyler

Frei nach Shakespeares Drama „Der Widerspenstigen Zähmung“ versucht die Autorin das Thema in der heutigen Zeit anzusiedeln. Völlig verheizt fühlt sich die fast dreissigjährige Kate Battista, als ihr weltfremder Vater, ein Immunologie-Professor kurz vor dem Durchbruch seiner Forschungsarbeit, ihr folgendes Anliegen unterbreitet: Damit sein brillanter Assistent Pjotor nicht des Landes verwiesen wird, soll seine Tochter ihn heiraten. Somit könnte der Weissrusse zu einer Greencard gelangen.

Mein Tipp: Diese turbulente Komödie von Anne Tyler liest sich in kürzester Zeit. Schon lange gefällt mir der humorvolle, treffend formulierte Stil der Autorin und sie hat mich noch nie enttäuscht. Lange Zeit fand ich es ein bisschen einfach, wie schnell sich Kate geschlagen gibt, doch ihr letzter Schlagabtausch, der sich während ihrer Hochzeit an ihre Schwester richtet, belehrt mich eines Besseren. Noch selten habe ich den Unterschied zwischen Frau und Mann so treffend beschrieben gelesen. Leider ist dieser Abschnitt zu lange, um hier zitiert zu werden, also: selberlesen! wink

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Oktober-Tipps 2016

- Lesetipps von Susan Ricklin

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„Am anderen Ende der Nacht“  von Jan-Philipp Sendker                                                

Auf einer Chinareise erleben Paul und Christine einen Albtraum: Ihr vierjähriger Sohn wird entführt. Zwar gelangt  David durch glückliche Umstände wieder zu ihnen, doch die Entführer geben nicht auf, sie wollen ihn zurück. Der einzig sichere Ort für die Familie ist die amerikanische Botschaft in Peking. Aber Bahnhöfe, Strassen und Flughäfen werden überwacht. Ohne Hilfe haben sie keine Chance dorthin zu gelangen. Wer ist bereit, ihnen Unterschlupf zu gewähren und dabei sein Leben aufs Spiel zu setzen? Wem können sie trauen?

Mein Tipp: Der Autor, vor allem bekannt durch seine Burmaromane „Herzenhören“ und „Herzenstimmen“, war viele Jahre Asienkorrespondent für den "Stern". Die ersten beiden Bände seiner China-Trilogie habe ich vor Jahren verschlungen und mich dementsprechend auf die Fortsetzung gefreut. Anders als in der Burmaserie steht hier die Spannung gross geschrieben, die Geschichte um Paul Leibovitz fällt ins Genre „Krimi“. Ausserdem ist es aber auch so etwas wie eine China-Reportage, in der es zudem um Verlust, Trauer und Liebe geht. Sendker macht uns auf professionell recherchierte und äusserst lebendige Art und Weise mit den Lebensumständen im heutigen China und Hongkong vertraut. Ein Highlight für Ostasien-Interessierte und Krimi-Liebhaber! Es empfiehlt sich, mit der Lektüre von „Das Flüstern der Schatten“ zu beginnen.

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"Meine geniale Freundin" von Elena Ferrante                                                                  

Diese neapolitanische Saga erzählt die Geschichte der Freundschaft zweier besonderer Frauen über viele Jahrzehnte hinweg. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein und sind doch unzertrennlich: Lila und Elena wachsen in einem trostlosen Viertel der italienischen Stadt in den Fünfziger Jahren auf. Die Eine ist äusserst begabt und wissbegierig, dabei aber unbändig und wild. Die andere, die Erzählerin, ist zurückhaltender und äusserst brav, ihre Erfolge basieren auf Strebsamkeit und Disziplin.

Als die heute 66-jährige Elena erfährt, dass Lila verschwunden ist und ihr gesamtes Haus leergeräumt hat, ohne ein persönliches Stück zu hinterlassen – sich sozusagen auflöst -, keimt die alte Rivalität wieder auf. Die Mädchen waren zwar seit Kindertagen engste Freundinnen, verbunden aber auch immer durch Konkurrenz. Weil Lila aus Elenas Sicht nun auch diese Sache masslos übertreibt, setzt sich die Schriftstellerin an den Computer, um ihre Geschichte aufschreiben. Sie will sehen, wer dieses Mal das letzte Wort behält.

Mein Tipp: Der Hype um dieses Buch schürte in mir Erwartungen, die es anfangs schwer erfüllen konnte. Erst ab etwa der Hälfte konnte ich mich auf das einlassen, was es ist: ein wunderbarer Roman mit Reflexionen über Freundschaft, Erwachsenwerden, Behauptung gegenüber der Männerwelt, Bildung und Literatur. Die weiteren Bände erscheinen im Halbjahresrhythmus und ich freue mich darauf. cheeky

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- Lesetipp von Vreni Bolt

Spurensuche

"Spurensuche" von Klara Obermüller

Die Autorin versucht, anhand von Kindheitserinnerungen, Aufzeichnungen des Vaters, Familienfotos und Tagebuchnotizen zu erkennen und zu verstehen, wie sie wurde, wer sie heute ist. 12 Fotos aus verschiedenen Lebensphasen werden von Texten begleitet, in denen sie sehr offen über die Sinnfragen des Lebens nachdenkt und ihr eigenes Schicksal beleuchtet und hinterfragt.

Mein Tipp: Ein sympathisches, berührendes Buch, das dazu anregt, sich mit seiner eigenen Vergangenheit zu befassen und in Erinnerungen zu kramen.

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- Lesetipp von Susanne Gambon

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„Über uns der Himmel, unter uns das Meer“ von Jojo Moyes

Australien 1946. Sechshundert Frauen machen sich auf eine Reise ins Ungewisse. Ein Flugzeugträger soll sie nach England bringen, dort erwartet die Frauen ihre Zukunft: ihre Verlobten, ihre Ehemänner - englische Soldaten, mit denen sie oft nur wenige Tage verbracht hatten, bevor der Krieg sie wieder trennte. Unter den Frauen ist auch die Krankenschwester Frances. Während die anderen zu Schicksalsgenossinnen werden, ihre Hoffnungen und Ängste miteinander teilen, bleibt sie verschlossen. Nur im Marinesoldat Henry Nicol, der jede Nacht vor ihrer Kabine Wache steht und wie sie Schreckliches erlebt hat im Krieg, findet sie einen Vertrauten. Eines Tages jedoch holt Frances ausgerechnet der Teil ihrer Vergangenheit ein, vor dem sie ans andere Ende der Welt fliehen wollte ...

Mein Tipp: Ein berührender Roman über Hoffnung, Schicksal und Liebe - inspiriert von Jojo Moyes' eigener Familiengeschichte.

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- Lesetipp von Ursula Lange

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„Die Schatten und der Regen“ von Hakan Nesser

Ist Viktor Vinblad tatsächlich ein Mörder? Oder hat man ihn vor Jahren zu Unrecht verdächtigt, als seine Jugendliebe ermordet wurde und er selbst danach spurlos verschwand? Ist er etwa selbst einem Verbrechen zum Opfer gefallen? Erst als Viktor nach 30 Jahren plötzlich wieder am Ort des Verbrechens auftaucht, entzerren sich Mythos und Wirklichkeit. Was ist damals wirklich passiert?

Mein Tipp: Ich bin ein Fan von Nesser und seiner Sprache. Ich finde, auch Krimis können sehr wohl literarisch hochwertig sein!! Mir gefällt die Langsamkeit in Nessers Krimis, wo das Psychologische im Mittelpunkt steht und nicht ein blutiges Gemetzel. Für alle LeserInnen, die sich einmal an einen Krimi wagen wollen, ist dieses Buch eine absolute Empfehlung! wink

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- Lesetipp von Brigitte Locher

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"Abwesenheitsnotiz" von Lisa Owen

Mit fast 30 Jahren nimmt Claire eine Auszeit und kündigt ihren Job. Eine Standortbestimmung sowie Zukunftsplanung sind ihre Ziele. Doch schnell realisiert sie, wie man in der heutigen Gesellschaft schräg angesehen wird, wenn man ohne triftigen Grund seine gute Arbeitsstelle aufgibt. Zudem leidet ihr Selbstvertrauen nach kurzer Zeit. Für ihren Lebenspartner, der seine Karriere als Neurochirurg voll im Griff hat, keine leichte Zeit.

Mein Tipp: "Schwere Kost", denkt man beim Lesen der obigen Zeilen. Doch weit gefehlt! Die junge englische Schriftstellerin verpackt die Geschichte in kurze Kapitel, in denen es nicht an scharfzüngigen Dialogen und satirischer Gesellschaftskritik mangelt. Viele von uns haben, direkt oder indirekt, schon solche Zeiten der Unsicherheit erlebt und fühlen sich in diesem Text verstanden. Mir gefällt auch die Auseinandersetzung mit dem wild wachsenden Sommerflieder (Buddleja) an ihrer Hausmauer: für die einen ein gemeines und zerstörerisches Unkraut, für die andern ein blühender Gartenstrauch, der alle Schmetterlinge anzieht. "Ähnlich verhält es sich mit der Arbeit: sie kann vernichten oder beglücken, und manchmal ist sie einfach nur ein notwendiges Übel" dies ein Zitat der Besprechung des Buches der NZZ am Sonntag.

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- DVD-Tipp von Lies Meyer

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"Ein Mann namens Ove" DVD

Ove (Rolf Lassgard) lebt in einer uniformen Einfamilienhaussiedlung. Jeden Morgen macht er routiniert seine Kontrollrunde: Er registriert unrechtmässig parkierte Autos, räumt falsch parkierte Fahrräder aus dem Weg und überprüft Mülltonnen... Aber hinter dem Gegrummel des schlecht gelaunten, grantigen und die Jahre gekommenen Mann namens Ove verbirgt sich eine traurige Geschichte.

Mein Tipp: Auch wenn die Idee vom Unruhestifter und Dauer-Nörgler nicht neu ist: die Art und Weise, wie Ove es schafft, sich immer wieder aufs Neue unbeliebt zu machen und seinen Ruf als brüskierter Griesgram untermauert, ist herrlich komisch.laugh

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September-Tipps 2016

- Lesetipp von Susanne Gambon

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„Jacob beschliesst zu lieben“ von Catalin Dorian Florescu

Rumänien in den 30er-Jahren: Jakob Obertin, ungehobelt und machtbesessen, herrscht unangefochten über das Dorf Triebswetter. Kummer bereitet ihm einzig sein Sohn Jacob: Er kränkelt und besitzt keinerlei Durchsetzungsvermögen beim Kampf um Einfluss und Eigentum. Dies trägt ihm die brutale Verachtung seines Vaters ein. Mehrfach steht Jacob in seinem Leben vor dem Nichts. Doch immer wieder trifft er Menschen, die ihm helfen, die politischen Wechselfälle und persönlichen Schicksalsschläge zu überstehen und einen neuen Aufbruch zu wagen.

Mein Tipp: Im Hinblick auf die Lesung mit Catalin Florescu bei uns in Richterswil im Preisig-Keller, am 27.10.2016, habe ich dieses Buch gelesen. Kraftvoll und zärtlich erzählt Florescu diese Geschichte von Liebe und Freundschaft, Gewalt und Verrat, Armut und Vertreibung und vermittelt ganz nebenbei ein Kapitel europäischer Geschichte. Ich freue mich auf den neuen Roman "Der Mann, der das Glück bringt" und darauf, Florescu live in Richterswil zu erleben!

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- Lesetipp von Vreni Bolt

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"Herzvirus" von Bettina Spoerri

Die Autorin versucht, anhand von Erinnerungen die Lebensgeschichte ihrer Mutter aufzuarbeiten, welche seelisch erkrankt, mit ihren zwanghaften Gedanken und Fantasien am Rand der Wirklichkeit lebt und sich schliesslich immer weiter von der realen Welt entfernt bis es kein Zurück mehr gibt.

Mein Tipp: Ein trauriges Schicksal, von der Tochter aber liebevoll aufgerollt und in Erinnerungsbildern feinfühlig erzählt.

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- Lesetipp von Ursula Lange

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„Ehre“ von Elif Shafak

Die Zwillingsschwestern Pembe und Jamila sind ein Herz und eine Seele. Doch während Jamila ihre Zukunft in einem kleinen kurdischen Dorf sieht, strebt Pembe nach mehr und zieht mit ihrem Mann und ihren drei Kindern nach London. Sie ahnt noch nicht, dass über ihrer Familie ein unfassbares Unheil schwebt. Ein bewegender Roman über Hoffnung und Verlust, Vertrauen und Verrat, Liebe und Ehre.

Mein Tipp: Ein eindrucksvolles und fesselndes Buch, in dem die Geschichte einer kurdischen Familie über drei Generationen erzählt wird. Eine Geschichte mit allen Höhen und Tiefen, mit kulturellen und religiösen Zwängen.

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- Lesetipp von Brigitte Locher

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„Kirschblüten und rote Bohnen“  von Durian Sukegawa

Dorayaki heissen die japanischen Pfannkuchen mit der roten Bohnenfüllung und stellen die Verbindung zwischen den drei Protagonisten her. Sentaro bereitet diese Süssigkeit in einer Imbissbude zu. Dabei achtet er überhaupt nicht auf die Qualität und verwendet eine Fertigmischung. Sowieso steht er eher auf der Schattenseite des Lebens und verbrachte sogar einige Zeit im Gefängnis. Tokue, eine alte Frau, bietet ihm das Rezept für die beste Bohnenpaste an und will ihm gleichzeitig die nicht einfache Herstellung beibringen. Das Schulmädchen Wakana kommt als Kundin dazu. Zwischen den Dreien entsteht eine Freundschaft, die durch verschiedene Umstände auf die Probe gestellt wird.

Mein Tipp: Wieder einmal halte ich ein typisch japanisches Kleinod in den Händen. Feinfühlig erzählt der Verfasser Sukegawa diese Geschichte, z.B. die Erschwernisse einer ehemaligen Lepra-kranken Frau, die zwar geheilt ist, aber trotzdem von der Gesellschaft geächtet wird. Auch die Beschreibung des nahestehenden Kirschbaumes lässt mich an dem Schauspiel der Blütenzeit teilnehmen. Mit grossem Erfolg wurde dieses Buch verfilmt und in Cannes 2015 unter dem Titel «An» gezeigt.

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- DVD-Tipp von Lies Meyer

"Dressmaker" DVD

Nach Jahren als Schneiderin für die exklusivsten Modehäuser von London, Mailand und Paris kehrt die stilsichere Schönheit Myrtle ,Tilly" Dunnage (Kate Winslet) in ihre australische Heimat zurück, aus der sie als Jugendliche einst vertrieben wurde. Willkommen im Städtchen Dungatar - irgendwo im Nirgendwo. Mit einer Nähmaschine bewaffnet, räumt das glamouröse Ausnahmetalent mit ihrer Vergangenheit auf und begibt sich auf einen süssen Rachefeldzug.

Mein Tipp:Löst kein schallendes Gelächter, aber viele leise Schmunzler, oft genugtuerischer Art, aus. Highlights sind hier klar Judy Davis als dement-scharfzüngige Matriarchin und die generelle Spleenigkeit des Films. cheeky

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- Lesetipp von Susan Ricklin

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Rabensommer“ von Elisabeth Steinkellner

Seit Jahren sind sie beste Freunde, fast alles haben sie zusammen gemacht - wie Raben. Jetzt, nach dem Abitur, muss jeder für sich entscheiden, wie es weitergeht. Die Ich-Erzählerin Juli entschliesst sich zu studieren, doch noch bevor es losgeht, verändert sich alles, Schlag auf Schlag: Niels, mit dem sie seit einem Jahr zusammen ist, macht mit ihr Schluss. August lüftet sein Geheimnis. Und Ronja geht nach London. Juli ist auf sich allein gestellt und muss ihr Leben, das ihr wie ein Haufen lauter kleine Schnipsel vorkommt, neu sortieren.

Mein Tipp: Eigentlich eine ganz alltägliche Geschichte, aber aussergewöhnlich originell und poetisch erzählt. „Rabensommer“ ist ein nicht sehr umfangreiches Buch über Freundschaft, Liebe und einen letzten gemeinsamen Sommer. Es erzählt die Geschichte vom Erwachsenwerden und den Schwierigkeiten, zu sich selbst zu finden. Bewegend, authentisch und absolut ehrlich. Gerne empfehle ich dieses Buch jungen Menschen an der Schwelle ins Erwachsenenleben und auch allen, die sich gerne an diese Zeit in ihrem eigenen Leben erinnern.

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August-Tipps 2016

- Hörbuch- und Lesetipp von Vreni Bolt

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"Warum Einstein niemals Socken trug - Wie scheinbar Nebensächliches unser Denken beeinflusst" Hörbuch von Christian Ankowitsch

Wir denken nicht nur mit dem Kopf, sondern mit dem ganzen Körper. Unterhaltsam erklärt der Autor, auf welch überraschende Weise Umgebung und Körpergefühl unser Denken beeinflussen und verrät einfache Tricks, wie dieses Zusammenspiel genutzt werden kann.

Mein Tipp: Ein Hörgenuss für alle, die verstehen wollen, was wirklich vor sich geht wenn wir denken, urteilen und handeln.

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"Die Eismacher" von Ernest van der Kwast

Der Autor lässt seinen Erzähler Giovanni, der Literatur genauso liebt wie Eis, charmant und witzig von der Geschichte des Eismachers sowie seiner eigenen Familiengeschichte mit all ihren Sehnsüchten, Verletzungen und unsichtbaren Banden erzählen.

Mein Tipp: Das Buch liest sich leicht und macht richtig "gluschtig" auf ein erfrischendes Eis! cheeky

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- Lesetipp von Ursula Lange

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„Eine treue Frau“, Jane Gardam

Manchmal vergisst Betty, dass sie keine Chinesin ist, so selbstverständlich nah ist ihr das Land, dessen Sprache sie seit Kindertagen beherrscht. Diese elementare Liebe zum Fernen Osten verbindet sie tief mit ihrem künftigen Mann Edward Feathers, dem jungen Star unter den Richtern der Krone in Hongkong. Als Betty Edward ewige Treue verspricht, weiss sie intuitiv, dass ihre Ehe kaum auf wilder Leidenschaft gründen wird. Doch sie ahnt nicht, dass sie nur eine Stunde später der Liebe ihres Lebens begegnen wird, Edwards Erzrivalen Terry Veneering …

Mein Tipp: Dieses Buch ist der Nachfolgeroman von „Ein untadeliger Mann“. Es ist die Vorgeschichte des Richters Edward Feathers aus Sicht seiner Frau Betty. Mit liebenswürdigem Humor und der gewohnten Ironie lässt Gardam auch hier den Leser hinter die Kulissen blicken und öffnet den Blick für Empfindungen und Geheimnisse, die hinter der bürgerlichen Fassade der „Contenance“ verborgen bleiben. Ein zarter Roman.

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- Lesetipp von Brigitte Locher

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"Die Welt voller Wunder" von Pearl S. Buck

Wie einsam sich das Leben eines hochbegabten Kindes gestalten kann, wird uns mit Rann Colfax deutlich gemacht. Das Glück, von einem sehr verständnisvollen Vater unterstützt zu werden, dauert nur bis zu seinem 12. Lebensjahr. Die geplante gemeinsame Weltreise, für die der Vater mehrere Jahre vorsieht, kann nicht durchgeführt werden. Ein Krebsleiden, sowie der Tod seines geliebten Papas stoppt dieses Vorhaben abrupt. Wissensdurst und Neugier treiben Rann von zuhause fort und hinaus in die Welt, deren Wunder er auf verschiedene Art und Weise kennenlernt.

Mein Tipp: Mit dieser Autorin verbinden sicher viele LeserInnen Erinnerungen an gute, unterhaltsame Literatur. Auch ich habe die Bücher der Nobelpreisträgerin gerne gelesen und war über diese Neuerscheinung hocherfreut. 2012 wurde das Manuskript zufällig in einer verlassenen Lagerhalle in Texas entdeckt. Pearl S. Bucks Adoptivsohn vermutet, dass seine Mutter diesen letzten Roman kurz vor ihrem Tod im Jahr 1973 beendete. Die zeitlose Sprache der Schriftstellerin hat mich einmal mehr während meinen Ferien gut unterhalten. Was ich mit einem Augenzwinkern hinzufügen möchte: wie gut, wenn das Leben eines Aussenseiters und ein gutes finanzielles Polster aufeinandertreffen. wink

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- DVD-Tipp von Lies Meyer

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"Zoomania" DVD

Zoomania ist eine Metropole wie keine andere, eine Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten und Schmelztiegel der unterschiedlichsten Tierarten aus aller Welt: Wüstenbewohner leben in Sahara-Wolkenkratzern neben Eisbären in coolen Iglu-Appartements. Hier scheint für jeden einfach alles möglich, egal ob Spitzmaus oder Elefant. Doch als Polizistin Judy Hopps - jung, ehrgeizig, Häsin - nach Zoomania versetzt wird, stellt sie schnell fest, dass es gar nicht so einfach ist, sich als einziges Nagetier in einer Truppe aus knallharten und vor allem großen Tieren durchzubeissen. Eben noch dazu verdonnert, Knöllchen zu schreiben, erhält die aufgeweckte Hasendame vom Polizeichef ihren ersten großen Auftrag: Sie soll eine zwielichtige Verschwörung aufdecken, die ganz Zoomania in Atem hält. Ihr erster richtiger Fall erweist sich bald als eine Nummer grösser als gedacht, doch Hopps ist fest entschlossen, allen zu zeigen, was sie drauf hat! Auch wenn sie dafür notgedrungen mit dem grossmäuligen und ziemlich ausgefuchsten Trickbetrüger Nick Wilde zusammenarbeiten muss...

Mein Tipp: Ein gelungener Disneyfilm für die ganze Familie. Kurzweilige Parabel über das Tier im Menschen. Viele gute Gags und Anspielungen, die den Film auch für Erwachsene zum Vergnügen machen. cheekycheeky

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- Lesetipps von Susan Ricklin

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"Der Schatten meines Bruders" von Tom Avery

Seit dem Tod ihres geliebten Bruders ist für Kaia nichts mehr wie vorher. Ihre Mutter betrinkt sich, Kaia hat keine Freunde mehr und ihr Klassenlehrer schimpft nur mit ihr. Doch dann taucht plötzlich ein wilder Junge in der Schule auf. Er hat seine eigenen Regeln, denn er kommt und geht, wie er es möchte. Ausserdem spricht er nicht. Kein einziges Wort.

Kaia und der fremde Junge werden Freunde. Ohne je ein Wort gewechselt zu haben. Ihre Freundschaft ist etwas Besonderes, denn der Junge hört Kaia zu, versteht sie und hilft ihr, wieder ins Leben zurückzufinden.

Mein Tipp: Eine zutiefst berührende Geschichte über das Weiterleben, wenn plötzlich nichts mehr so ist, wie es war. Ein gefühlvolles und hoch emotionales Buch, welches das Thema "Trauerverarbeitung" ergreifend aufnimmt. Ein Jugendbuch, vom Verlag ab 12 Jahren, von mir aber auf jeden Fall für jedes Alter empfohlen!

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"Becks letzter Sommer" von Benedict Wells

Beck ist nicht zu beneiden. Mit der Musikerkarriere wurde es nichts, sein sicherer Job als Lehrer ödet ihn an, und sein Liebesleben ist ein Desaster. Da entdeckt er in seiner Klasse ein unglaubliches Musiktalent: Rauli Kantas aus Litauen. Als Manager des rätselhaften Jungen will er es noch mal wissen, doch er ahnt nicht, worauf er sich da einlässt ... Ein tragikomischer Roman über verpasste Chancen und alte Träume, über die Liebe, Bob Dylan und einen Road Trip nach Istanbul. Ein magischer Sommer, in dem noch einmal alles möglich scheint.

Mein Tipp: Wie angekündigt habe ich hiermit das Erstlingswerk von Benedict Wells gelesen, der mich mit dem "Ende der Einsamkeit" (siehe Juni-Tipp) so fasziniert hat. Obwohl dieser Roman ganz anders ist, bin ich wiederum sehr beeindruckt. Auch wenn vielleicht einiges nicht ganz glaubwürdig ist und die Charaktere nicht immer stimmig dargestellt werden - der erst 23-jährige Autor schreibt von der Midlifecrisis eines 37-Jährigen Lehrers - hat mir auch dieses Buch sehr gut gefallen. Zwischendurch gibt es auch ein paar Längen und die Geschichte wirkt ein bisschen konstruiert. Für eine Lektüre des Buchs spricht vor allem der lockere, flüssig lesbare Schreibstil. Einschübe wie "Vier Gespräche zwischen Beck und seinen Freundinnen über die Liebe" und der rote Faden mit Bob Dylan und seinen Songtexten sind äussert originelle und witzige Einfälle. Auch wie der Autor sich selbst in die Geschichte einbringt und so immer wieder eine überraschende Spannung erzeugt, finde ich eine einmalige Idee.  In meinen Augen ein genialer Typ, dieser Benedict Wells! cheeky

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Juli-Tipps 2016

- Lesetipp von Ursula Lange

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"Am Ende bleiben die Zedern" von Pierre Jarawan

Samirs Eltern sind kurz vor dessen Geburt aus dem Libanon nach Deutschland geflohen. Als sein geliebter Vater spurlos verschwindet, ist Samir acht. Jetzt, zwanzig Jahre später, macht er sich auf in das Land der Zedern, um das Rätsel dieses Verschwindens zu lösen. Eine grosse Familiengeschichte, berührend, überraschend und meisterhaft verwoben mit dem dramatischen Schicksal des Nahen Ostens.

Mein Tipp: Es gibt Bücher bei denen ich mir wünsche, dass sie nie enden würden. Dieses Buch ist eines davon. Es besticht nicht nur durch seine Sprache, die bildgewaltig und zum Teil fast poetisch ist, sondern auch durch die berührende Vater-Sohn-Geschichte. Es ist eine Geschichte, die niemanden kalt lässt. Gleichzeitig ist sie mit der Flüchtlingsthematik leider top aktuell.

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- Lesetipp von Brigitte Locher

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"Die Reputation" von Juan Gabriel Vásquez

Dieses Buch handelt von der Macht eines Karikaturisten. Darf er sich, seiner Reputation zuliebe, alles erlauben? Javier Mallarino zeichnet für den «El Independiente», eine kolumbianische Zeitung in Bogotá. Dabei hat er weder vor der korrupten Regierung noch vor einflussreichen Leuten der Wirtschaft Angst. Auch Morddrohungen (genau, Charlie Hebdo fällt einem unmittelbar ein) und der Verlust seiner verängstigten Ehefrau können ihn nicht aufhalten. Seine Devise lautet: «Karikaturen können die Wirklichkeit übertreiben, können sie jedoch nicht erfinden. Sie können verzerren, aber niemals lügen.» Erst eine alte Geschichte, bei der er einen Abgeordneten der Pädophilie auf sehr subtile Art bezichtigte und dieser Suizid beging, lässt ihn aufhorchen. Eine junge Frau, die damals involviert war, ist der Auslöser dieses Rückblickes. Sie bittet ihn um Mithilfe, da sie sich an nichts mehr, was damals geschah, erinnern kann.

Mein Tipp: Vásquez versteht es raffiniert mit den Gefühlen des Lesers zu spielen. Das ganze Spektrum von totalem Verständnis bis hin zur Ablehnung des Karikaturisten haben mich auf den 184 Seiten ergriffen. Die wunderschönen Vergleiche des Autors liessen mich oftmals Sätze mehrmals hintereinander lesen. Eines ist sicher: Sein vorletztes Buch «Das Geräusch der Dinge beim Fallen» wird auch in das Regal unserer Bibliothek aufgenommen. Das Interesse für diesen südamerikanischen Schriftsteller ist geweckt.

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- DVD-Tipp von Lies Meyer

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"Suffragette" DVD

1903 gründete Emmeline Pankhurst (Meryl Streep) in Grossbritannien die "Womens Social and Political Union", eine bürgerliche Frauenbewegung, die in den folgenden Jahren sowohl durch passiven Widerstand, als auch durch öffentliche Proteste bis hin zu Hungerstreiks auf sich aufmerksam machte. Neben dem Wahlrecht kämpften sie für die allgemeine Gleichstellung der Frau und für heute so selbstverständliche Dinge wie das Rauchen in der Öffentlichkeit. Die sogenannten "Suffragetten" waren teilweise gezwungen in den Untergrund zu gehen und ein gefährliches Katz und Maus-Spiel mit dem immer brutaler zugreifenden Staat zu führen. Es waren grösstenteils Arbeiterfrauen, die festgestellt hatten, dass friedliche Proteste keinen Erfolg brachten. In ihrer Radikalisierung riskierten sie alles zu verlieren - ihre Jobs, ihr Heim, ihre Kinder und ihr Leben.

Mein Tipp: Ein bewegender Film über ein Stück wahrer Geschichte. Mit hervorragenden Schauspielern umgesetzt, die den für die damalige Zeit mutigen Frauen, ein Denkmal setzen. Absolut sehenswert, vor allem, wenn man bedenkt, dass die Frauen in der Schweiz noch bis 1972 warten mussten, um das Stimmrecht zu erhalten.

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- Lesetipp von Susan Ricklin

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„Nach Hause schwimmen“ von Rolf Lappert                                                      

Wilbur ist nur 1 Meter 50 gross, aber er wäre gerne so stark und unverwundbar wie Bruce Willis. 1980 ist er zur Welt gekommen und hat bei der Geburt seine Mutter verloren und zugleich auch seinen Vater, der durch ihren Tod keinen festen Boden mehr unter die Füsse bekommen hat. In zwei Strängen erzählt Rolf Lappert die Geschichte: Die eine beginnt mit dem versuchten Selbstmord des 20-jährigen Wilbur. Die Hauptperson selbst beschreibt die sich im Laufe einiger Monate vollziehende Wandlung eines Lebensunwilligen in einen jungen, lebensbejahenden Erwachsenen. Im zweiten Strang schildert ein Erzähler die ersten 20 Lebensjahre von Wilbur. So kommt dieser von der Pflegefamilie in Amerika zu seinen Grosseltern nach Irland, nach dem Tod der geliebten Grossmutter wieder zu Pflegeeltern und danach in ein Heim für schwererziehbare Jungen. Die folgende Rückkehr nach New York und die ständige Suche nach seinem Vater prägen seine Jugend.

Mein Tipp: Parallel liest man als Leser, wie es zur Katastrophe kam und wie sich der junge Mann danach mit Hilfe ihm zugewandter Menschen wieder fängt und eigentlich erst richtig findet. Diese Erzählweise sorgt für eine permanente Spannung. Die Beschreibung der vielschichtigen Charaktere, die ihr Leben allesamt nicht besonders gut im Griff haben und gerade deshalb so menschlich wirken, haben mir sehr gut gefallen.

Ich habe die knapp 550 Seiten in einem Rutsch durchgelesen und mich gefreut, mit Lappert wieder einen wunderbaren Erzähler kennengelernt zu haben.

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- Lesetipp Jugendsachbuch von Susanne Gambon

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"Vögel auf Weltreise" von Fleur Daugey und Sandrine Thommen

Jeden Herbst machen sich 50 Milliarden Vögel auf zu ihren oft tausende Kilometer entfernten Winterquartieren, um im Frühjahr pünktlich an den ersten warmen Tagen wieder zurückzukehren.
Wie finden die Vögel ihren Weg in der Luft? Wieso wissen sie genau, wohin sie fliegen? Woher wissen sie, wann der richtige Zeitpunkt für den Rückflug ist?
Manche dieser Rätsel hat die Forschung inzwischen gelöst, andere noch nicht. Dieses Buch stellt die wichtigsten Zugvögel vor, beschreibt ihre Flugrouten, erklärt, wie sich die Vögel orientieren und gibt Auskunft über alles, was mit Zugvögeln zu tun hat in Worten und in klaren Bildern.

Mein Tipp: Dieses wunderschön gestaltete Sachbuch hat es definitiv in sich und wartet mit vielen teils überraschenden und kuriosen Fakten auf. Nicht umsonst wurde es in Frankreich mit dem Prix Amerigo Vespucci Jeunesse als bestes naturkundliches Jugendbuch des Jahres 2015 ausgezeichnet.

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Juni-Tipps 2016

- Lesetipp von Brigitte Locher

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"Die Wahrheit der Baltimores" von Joël Dicker

Der Schriftsteller Marcus Goldman ist auch in diesem Buch der Hauptakteur. In Rückblicken erzählt er von seinen schönsten Sommermonaten zusammen mit seinen Cousins, den „Baltimores“ (genannt nach dem Wohnort dieses Zweiges der Goldman-Familie). Er idealisiert diese Verwandten und schämt sich gleichzeitig seines eigenen Zweiges, den „Montclairs“ (ein Vorort von New York). Geschickt flicht er immer wieder Andeutungen über eine Katastrophe ein, welche die sorgenlose Jugendzeit jäh beenden soll. Joël Dicker führt den Leser bewusst auf falsche Fährten und zaubert die diabolische Seite des Menschen hervor. Auch gelingt dem Schweizer Bestseller-Autor eine Spannung des Plots aufzubauen, wie in seinem Erstlingswerk „Die Wahrheit über den Fall des Harry Quebert“. Die beiden Bücher können aber unabhängig voneinander gelesen werden.

Mein Tipp: „Ein Freund ist jemand, den man gut kennt und trotzdem liebt“. Dieser Satz war in einem Radio-Interview zu hören. Die Lebensweisheiten dieses doch recht jungen Autors kommen nicht altklug hinüber, sondern man nimmt sie ihm ab. Seine anschauliche, dichte Sprache liest sich sehr leicht und flüssig, obwohl dauernd in den chronologischen Abläufen hin- und hergesprungen wird. Ich empfehle dieses Buch als gute Ferienlektüre.

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- DVD-Tipp von Lies Meyer

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"Carol" DVD

Im New York der 1950er-Jahre führt Carol eine unerfüllte Ehe mit ihrem wohlhabenden Mann Harge. Sie lernt die junge Therese kennen, die in einem Kaufhaus arbeitet und von einem besseren Leben träumt. Auf einer gemeinsamen Reise entwickelt sich eine ganz besondere Bindung zwischen ihnen – und schließlich die große Liebe. Harge will das neue Glück seiner Frau jedoch nicht akzeptieren. Er beauftragt einen Privatdetektiv damit, dem frisch verliebten Paar zu folgen und entscheidende Beweise für das laufende Scheidungsverfahren zu sammeln. Carol muss schon bald um das Sorgerecht ihrer geliebten Tochter kämpfen. Ihr Mann versucht es ihr mit allen Mitteln zu nehmen.

Mein Tipp: Todd Haynes macht aus „Carol“ keinen Skandalfilm, obwohl das möglich gewesen wäre. Stattdessen liefert der Regisseur eine meisterhaft gespielte und inszenierte lesbische Liebesromanze, die in gemächlichem Erzähltempo einen bald unwiderstehlichen Sog entwickelt.

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- Lesetipps von Susan Ricklin

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„Vom Ende der Einsamkeit“ von Benedict Wells                                                        

„Eine schwierige Kindheit ist wie ein unsichtbarer Feind: Man weiss nie, wann er zuschlagen wird.“ Jules und seine beiden Geschwister wachsen behütet auf, bis ihre Eltern bei einem Unfall ums Leben kommen. Als Erwachsene glauben sie, diesen Schicksalsschlag überwunden zu haben. Doch dann holt sie die Vergangenheit wieder ein. Ein berührender Roman über das Überwinden von Verlust und Einsamkeit und über die Frage, was in einem Menschen unveränderlich ist. Und vor allem: eine grosse Liebesgeschichte.

Mein Tipp: Ein wunderbares Buch! Benedict Wells, für mich eine neue Entdeckung, hat eine berührende, traurige und philosophische Geschichte geschrieben, die mich zwar zu Tränen gerührt, aber gleichzeitig mit einem Glücksgefühl zurückgelassen hat. Was wäre das Unveränderliche in dir? Das, was in jedem Leben gleich geblieben wäre, egal, welchen Verlauf es genommen hätte?“ Dies ist die Frage, um die es letzendlich immer wieder geht. Ich habe mir sofort die Vorgängerwerke des Autors vorgenommen.

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„Nächster Halt Dschihad“ von Agnes Hammer

Was treibt junge Menschen an, im Namen einer Religion zu morden? Auf der wahren Grundlage des gescheiterten Kofferbombenattentats im Kölner Hauptbahnhof von 2005 greift Agnes Hammer eine hochaktuelle Frage auf. Mit grosser Sensibilität und Respekt wirft sie mit der Geschichte von Max und Adil zahlreiche Fragen auf zu den Themen Dschihad, Terror und Islamismus in Deutschland sowie Ausländerfeinlichkeit. Adil, ein junger Türke, und sein deutscher Freund Max haben Probleme, sich in die Gesellschaft zu integrieren. Halt finden sie beim Freitagsgebet in der Moschee. Max ist fasziniert von der klaren Einfachheit der Dinge, die der Imam Mohammad predigt. Er nimmt sogar Koranunterricht, und schnell fühlt er sich als auserwähltes Werkzeug Gottes. Gemeinsam mit Adil plant er einen Terroranschlag, bei dem hunderte Menschen sterben werden …

Mein Tipp: Ein gutes, informatives Buch zum Thema. Leicht und packend zu lesen, nicht allzu dick. Aus vier Perspektiven geschrieben. Ab Oberstufe. 

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- Lesetipp von Vreni Bolt

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"Zum Beispiel Zanderfilet" von Robert Stalder

Es ist Samstagabend, eine Familie wartet aufs Nachtessen, die Lottozahlen werden gezogen, und das Glück schlägt zu. Die Familie ist plötzlich reich (Vater: Bürolist in einer Baufirma, Mutter: aushilfsweise an der Coop-Kasse, Tochter im Teenageralter, Sohn). Aus welchen Gründen auch immer möchten sie es niemandem erzählen und es soll auch niemand etwas von ihrem Reichtum bemerken, was zu unfreiwillig komischen Situationen führt. Der Autor fasst diese Eskapaden so zusammen: "Wer aufpassen muss, dass niemand merkt, dass man plötzlich viel Geld hat, hat so viel zu tun, wie wenn man so tun muss, als hätte man mehr Geld, als man hat".

Mein Tipp: Eine köstliche Geschichte um die Nöte einer Familie, die vermeintlich plötzlich "dazu gehören muss", sich dadurch leider oft tollpatschig verhält. Ihr Scheitern ist es aber, was die Figuren liebenswert macht.

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- Lesetipp Kindersachbuch von Susanne Gambon

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"Über den Gotthard" von Yvonne Rogenmoser


Der Gotthardpass ist das Bindeglied zwischen Nord und Süd. Zwischen Sprach- und Kulturräumen. Der wohl bekannteste Schweizer Pass hat bis heute nicht an Bedeutung verloren und prägt seit jeher die Identität der Schweiz. Seine Überquerung war schon immer eine Herausforderung.

Mein Tipp: Yvonne Rogenmoser erzählt in aussergewöhnlichen Bildern die Geschichte des Gotthards. Eine Geschichte der Mobilität, die von den Pilgern über die Postkutsche bis hin zu den modernen Zügen über und durch das Gotthardmassiv führt, und mit der Eröffnung des neuen Basistunnels vorerst ihren technischen Höhepunkt erreicht.

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- Lesetipp von Ursula Lange

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„Der Garten der Abendnebel“ von Twan Eng Tan

Die angesehene Richterin Teoh Yun Ling, deren Erinnerungskraft schwindet, setzt alles daran, das festzuhalten, was ihr das Wichtigste ist: ihre Vergangenheit. Kurz nach dem Krieg arbeitet sie, als einzige Überlebende eines japanischen Internierungslagers, als Anwältin für ein Tribunal, das japanische Kriegsverbrecher verurteilt. Doch der Tod ihrer Schwester lässt sie nicht zur Ruhe kommen. Sie will für diese, einer Liebhaberin der japanischen Gartenkunst, eine Grabstätte schaffen. Trotz ihres Hasses auf die Japaner versucht Yun Ling den japanischen Gärtner Aritomo zu engagieren. Der geheimnisvolle Mann bietet ihr an, sie als Lehrtochter in seine Kunst einzuweisen, damit sie selbst den Garten anlegen kann…

Mein Tipp: Mich hat dieses Buch gefesselt. Die Geschichte ist  bildgewaltig und tragisch. Trotz aller Tragik gibt es auch schöne, zarte Momente im Buch. Besonders gefallen hat mir die japanische Gartenkunst, die mit der Geschichte verwoben ist.

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Mai-Tipps 2016

- DVD-Tipp von Lies Meyer

"Taxi Teheran" DVD

Ein Taxi fährt durch die farbenfrohen Strassen der pulsierenden Stadt Teheran. Die unterschiedlichsten Menschen steigen zu. Der Fahrer spricht mit den Passagieren, die offen und unverblümt sagen, was sie denken. Da ist etwa ein Raubkopierer, der Filme vertreibt, deren offizielle Aufführung verboten ist. Oder ein Mann, der aus Angst ein Verbrechen nicht anzeigt. Und zwei abergläubische Damen, die ein Goldfischglas zu einer Quelle bringen müssen, um ein Unglück abzuwenden. Während der teils heiteren, teils dramatischen Fahrten wird politisiert und gescherzt. Am Steuer des Taxis sitzt niemand geringeres als der Regisseur Jafar Panahi selbst. Seit Jahren ist er vom iranischen Regime mit einem Berufs- und Reiseverbot belegt. Doch Jafar Panahi lässt sich nicht unterkriegen. Er realisiert seine Filme heimlich und lässt sie ausser Landes schmuggeln. Mit viel Menschlichkeit und Humor fängt er die Stimmung in der iranischen Gesellschaft ein.

Mein Tipp: "Taxi Teheran", ein vibrierender und unglaublich vielschichtiger Film, wurde vom Festival in Berlin verdientermassen mit dem Hauptpreis, dem GOLDENEN BÄREN, ausgezeichnet. Es ist ein Film, der trotz schwieriger und zum Teil gefährlicher Umständen, unter welchen er realisiert wurde, anrührend und witzig ist.

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- Lese- und Film-Tipp von Susan Ricklin

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„Freedom Bar“ von David Bielmann

Schauplatz der Geschichte ist ein Mehrfamilienhaus in der Schweizer Kleinstadt Freiburg. Der Tod seiner Grossmutter beschert dem jungen Bert Bucher eine Auszeit in ihrer Wohnung an der Lausannegasse 43. Er will endlich als Rockmusiker durchstarten und ist überzeugt, die Welt warte nur auf ihn. Johann B. Grab ist Inhaber der Buchhandlung im selben Haus. Er sehnt sich zurück in eine Welt ohne Internet. Seine Frau hingegen wünscht sich ein Kind und Johann sucht für diesen Zweck einen Mann für sie. Im Keller des Hauses wohnt Henry Schweizer in seiner „Freedom Bar“, seinem persönlichen Sehnsuchtsort.

Mein Tipp: Ein wunderbarer Roman, in dem die grossen Themen unseres Menschseins vereint sind: Sehnsüchte, Liebe, Träume, Freiheit und immer wieder auch die Frage nach dem Sinn. Bielmann’s Helden sind allesamt liebenswerte Charaktere in Auseinandersetzung mit dem persönlichen Lebensentwurf. Amüsant und auch sehr raffiniert lässt Bielmann ihre Wege sich ineinander verstricken. Wäre es ein Film, würde ich sagen: ein richtiges Feelgood-Movie, welches den eigenen Alltag etwas leichter macht. smiley

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Bildergebnis für lina film filmcover

„Lina“ DVD

Lina ist Anfang 60. Sie lebt auf einem kleinen, abgeschiedenen Pferdegestüt im Berner Jura. Eines Tages wird sie von ihrem Sohn Daniel aufgesucht, den sie bei seiner Geburt vor über 40 Jahren das erste und letzte Mal gesehen hat. Für Lina beginnt mit dieser Begegnung eine aufwühlende Reise in die Vergangenheit. Ihren Sohn hat sie im Gefängnis geboren. Als "administrativ Versorgte", die aufgrund ihres "lasterhaften Lebenswandels" und ihrem "Hang zur Liederlichkeit" von den Behörden zur Umerziehung gezwungen wurde, entzog man ihr zum Wohle des Kindes das Fürsorgerecht.

Mein Tipp: Der Film nimmt sich einem dunklen und noch wenig aufgearbeiteten Kapitel der Schweizer Geschichte an: der administrativen Versorgung und Fremdplatzierung von Jugendlichen bis ins Jahr 1981. Besonders schockierend empfinde ich die Tatsache, dass sich solche Dramen noch zeitgleich mit meiner eigenen Kindheit ereignet haben und dass unter ungünstigen Vorzeichen auch wir alle hätten betroffen sein können. Parallel zu diesem Film habe ich das Buch von Lisbeth Herger „ Unter Vormundschaft – das verlorene Leben der Lina Zingg“ gelesen. Derselbe Vorname der Protagonistinnen ist zufällig, ihre unglaublichen Schicksale haben mich aber gleichsam berührt. Die Ohnmacht, mit der die Frauen der Willkür der Behörden ausgesetzt waren, ist unfassbar.

P.S.: Lisbeth Herger wird am 29. Juni in unserer Bibliothek zu Gast sein und uns mit den unverzeihlichen Tatsachen aus dem Leben von Lina Zingg konfrontieren.

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- Lesetipp von Vreni Bolt

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"Gotthard" von Zora del Buono

Abgründig und komisch, sinnlich und raffiniert erzählt die Autorin von den Arbeitern am Gotthardbasistunnel, von einer buchstäblich heissen Arbeitsatmosphäre und einer Leiche im Keller. Im Laufe eines einzigen Tages, von dem "Gotthard" erzählt, wird Fritz Bergundthal, Eisenbahn-Fan aus Berlin und gepflegter fünfzigjähriger Junggeselle, immer tiefer verstrickt in die freundschaftlich familiären und erotischen Verwicklungen der Arbeiter rund um die Baustelle.

Mein Tipp: Die Autorin vermag die verschiedenen Personen treffend zu charakterisieren und die Spannung steigert sich bis zum "Schlussfinale", in welchem all die Verstrickungen endlich Sinn ergeben. Ein kleines, feines Buch welches mich auf unerwartete Art amüsiert und angesprochen hat und welches ich gerne weiterempfehle.

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- Lesetipp Kindersachbuch von Susanne Gambon

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"Bestimmt wird alles gut " von Kirsten Boie

Früher haben Rahaf und Hassan in der syrischen Stadt Homs gewohnt und es schön gehabt. Aber dann kamen immer öfter die Flugzeuge und man musste immerzu Angst haben. Da haben die Eltern beschlossen wegzugehen in ein anderes Land. Wie sie über Ägypten in einem viel zu kleinen Schiff nach Italien gereist sind und von dort weiter nach Deutschland - das alles hat sich Kirsten Boie von Rahaf und Hassan erzählen lassen und erzählt es uns weiter. Auch von einer schimpfenden Frau im Zug und einem freundlichen Schaffner. Und von Emma, die in der neuen Schule Rahafs Freundin wird.
 
Mein Tipp: Ein gutes Buch um mit Kindern über das ernste Thema der Flüchtlinge zu sprechen. In klaren Worten werden Situationen geschildert, Ängste und Bedrohliches so erzählt, dass Kinder es verstehen können.

Diese bewegende Geschichte ist zweisprachig erschienen, damit viele Flüchtlingskinder sie in ihrer Sprache lesen können. Ausserdem hilft ein kleiner Sprachführer im Anhang beim Deutsch- und Arabisch-Lernen. Jan Bircks Bilder begleiten den knappen Text auf eindrückliche und warmherzige Weise.

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- Lesetipp von Ursula Lange

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„Ein untadeliger Mann“ von Jane Gardam

Alles an Edward Feathers ist ohne Fehl und Tadel – seine Garderobe, seine Manieren und sein Ruf als Anwalt mit glänzender Karriere in Hongkong. Nun ist er alt und muss mit dem Tod seiner Frau Betty zurechtkommen, so wie er immer mit allem zurechtgekommen ist. Doch hinter dem vollendeten Gentleman mit dem hervorragenden Ruf verbirgt sich eine tieftraurige Geschichte, die bittere Seite des British Empire. Denn Edward Feathers ist eine Raj-Waise, ein Junge, der in den Kronkolonien geboren, aber zum Schulbesuch nach England verschifft und dort von Fremden aufgezogen wurde.

Mein Tipp: Es ist eine traurige Geschichte über eine verlorene Kindheit ohne Liebe. Eine Geschichte, die einem in die Zeit des  British Empire und in die Welt der englischen oberen Bürgerklasse des vergangenen Jahrhunderts befördert.

P.S.: Vorbild für die Romanfigur Edward Feathers war Jane Gardams Mann, ebenfalls eine Raj-Waise.

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- Lesetipp von Brigitte Locher

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"Unterleuten" von Juli Zeh

In diesem Buch „mänschelets“ - und zwar gröber. Ein kleines brandenburgisches Dorf soll einen Windräder-Park erhalten. Die Meinungen über dieses lukrative Vorhaben teilt die Einwohner in zwei Lager. Ehemalige Feinde verbünden sich und natürlich geraten sich alte Freunde in die Haare. Konflikte, die bis jetzt unter dem Deckel gehalten wurden, eskalieren.

Mein Tipp: Juli Zeh lebt seit Jahren mit ihrer Familie in einem ostdeutschen Dorf und kann daher aus dem Vollen schöpfen. Sie schildert „diese Gesellschaft, in der es nur noch darum geht, beim grossen Ausverkauf der Werte ihr Schäfchen ins Trockene zu bringen“ gekonnt und mit entsprechendem Sarkasmus. Obwohl die Geschichte um 2010 angesiedelt ist, spielt die ehemalige DDR eine grosse Rolle. Mir gefällt die Beschreibung der Figuren wie sie sich selber sehen, aber auch wie sie von den anderen gesehen werden. Das dabei entstehende Auseinanderklaffen des Selbst- und Fremdbildes realisiert man mit der Zeit beim Lesen des Buches und kann  darüber schmunzeln oder sich gruseln – je nachdem.

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April-Tipps 2016

- Lesetipps von Susan Ricklin

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"Der Mann, der das Glück bringt" von Catalin Dorian Florescu

Elena und Ray lernen sich in einer schicksalshaften Nacht in New York kennen. Sie ist eine rumänische Fischerstochter, er ein erfolgloser Künstler, der noch an den Durchbruch glaubt. Sie muss die Asche ihrer Mutter nach Amerika bringen, er will erreichen, was sein Grossvater für sich erhofft hatte. Ihre Lebenswege finden zusammen, als sie sich entscheiden können, einander erzählend zu vertrauen. Ihre Familiengeschichten führen den Leser in die Welt des New Yorks vor hundert Jahren und in die Wildheit des rumänischen Donaudeltas. Die beiden Erzählstimmen kommen abwechselnd zu Wort. So entsteht das Bild eines harten und doch fantastischen Jahrhunderts zwischen dem Schwarzen Meer und der amerikanischen Metropole.

Mein Tipp: Florescu ist einer meiner Lieblinge und er hat mich einmal mehr fasziniert mit seiner wunderbaren Erzählkunst. Er schreibt vom menschlichen Elend, von Hunger und Überlebenskampf, von Armut und Ausbeutung anfangs des letzten Jahrhunderts. Aber wie immer auch von grossen Träumen, Hoffnungen und Sehnsüchten!

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"Felsenmond" von Jasmin Adam

Die grossen Auf- und Umbrüche in der arabischen Welt errregen weltweit Aufmerksamkeit, doch der eigentliche Kampf findet im Verborgenen statt – in der Familie. Adam erzählt die Geschichte von fünf jungen, jemenitischen Frauen mit unterschiedlichen Schicksalen. Doch ihr Kampf um Selbstfindung und individuelle Freiheit ist ihnen allen gemein. Während Latifa gegen ihren Willen verheiratet wird, geht die 15-jährige Hanna freiwillig die Ehe mit einem reichen Saudi ein. Aischa wehrt sich gegen die herrische Schwiegermutter und Sausan muss ihr Studium abbrechen, als ihre Bekanntschaft mit einem Kommilitonen auffliegt. Malika dagegen schreibt kritische Zeitungsartikel, was sie bald in Schwierigkeiten bringt.

Mein Tipp: Die Autorin hat mehr als zehn Jahre in der arabischen Welt gelebt und in der Entwicklungszusammenarbeit reichhaltige Erfahrungen über die gesellschaftlichen und familiären Verhältnisse im Jemen gewonnen. Ihr ist ein beachtlicher und realistischer Roman gelungen, in dem sie versucht, Verständnis zu wecken für das Verhalten der Mädchen und für die Zwänge von Tradition und Familie. „Felsenmond“ ist ein wichtiges und zugleich auch spannendes Buch, welches ich nicht nur Jugendlichen ab 12 Jahren empfehlen möchte.

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- Hörbuch-Tipp von Vreni Bolt

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"Der Hut des Präsidenten" von Antoine Laurain

Die grosse Liebe finden, ein meisterhaftes Parfüm kreieren, der Chef des eigenen Chefs werden: Wer träumt nicht davon, seinem Leben eine neue Richtung zu geben?

Als der Präsident seinen Hut in einer Brasserie vergisst, setzt sein Tischnachbar ihn auf - und schlagartig ändert sich dessen Leben. Doch der Hut wandert weiter von Kopf zu Kopf und entfaltet seine ganz besondere Wirkung.

Mein Tipp: Ein spannendes Hörvergnügen, von Anfang bis Ende schön gelesen von Stéphane Bittoun. Für Liebhaber französischer Lektüre in der Bibliothek auch als Taschenbuch auf französisch vorhanden und absolut empfehlenswert! yes

Vom gleichen Autoren kann ich auch das Buch "Liebe mit zwei Unbekannten" empfehlen. Hier ist die aus dem Französischen übersetzte deutsche Ausgabe in der Bibliothek erhältlich.

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- Lesetipp von Susanne Gambon

für Kinder im ersten Lesealter:

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"Fliegen: Von schnellen Vögeln und tollen Fliegern - Leseforscher C - entdecken - staunen - lesen lernen",  von Kathrin Köller und Julia Dürr

Wieso können Vögel eigentlich fliegen? Wie klappt beim Flugzeug die perfekte Landung? Und was ist ein Ramp Agent? Spannende und unglaubliche Fakten rund um Flugzeuge, Fallschirmspringer, Raumschiffe und was sich sonst noch durch die Luft bewegt.

Mein Tipp: Mit verschiedenen Sachbuchtiteln werden die Kinder auf spielerische Art zum Lesen animiert. Stufen A, B, C haben unterschiedliche Leseniveaus.
Übrigens sind folgende Titel bei uns erhältlich:
Feuer - Vulkane / Drachen und andere Feuerspucker / Galopp - auf in die Welt der Pferde / Spitze - von Ballett bis HipHop / Wild - Tierisches vom Tiger bis zum Känguru / Tor auf! - Im Innern von Burgen und Schlössern. wink

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- Lesetipp von Ursula Lange

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„Wie ein Band aus roter Seide“ von Cecily Wong

Eine Liebe, die man sich grösser nicht vorstellen kann – so erschien Theresa die Beziehung ihrer Eltern. Erst beim Begräbnis ihres Vaters erfährt Theresa, dass die Ehe auf einer Lüge beruht. Es ist nicht die einzige Lüge in der einst reichen Familie, die 1914 von China nach Hawaii emigrierte und dort nach dem Zweiten Weltkrieg auf einen Schlag verarmte: Schon Theresas Grossmutter zerbrach an einem folgenschweren Betrug ihres Ehemannes... Nach altem chinesischen Glauben verbindet ein rotes Band die füreinander bestimmten Liebenden. Doch wer seiner Bestimmung zuwider handelt, verknotet das Band und verbaut sich und seinen Nachfahren das Lebensglück.

Mein Tipp: Ein wunderbares Buch für lange Abende. Eine Geschichte von Tradition und Hoffnung, Liebe und Leid. Meisterhaft geschrieben und erzählt!

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- Lesetipp von Brigitte Locher

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"Die Furgge" von Katharina Zimmermann

Während einer Auszeit im Emmental wird Anna Bloch-von Siebenthal, Cellistin, auf die Geschichte der örtlichen Täufergemeinde im 17. Jahrhundert aufmerksam. Die Obrigkeit des Kantons Bern sträubte sich mit allen Mitteln gegen diese harmlose Religionsgemeinschaft. Sie schreckte nicht vor Enteignung, Deportation und Gefangenschaft der Anhänger zurück. Es entsteht ein paralleler Erzählstrang, in dem die Biografie der mutigen und aufrichtigen Bäuerin Madleni Schilt aufgegleist wird.

Mein Tipp: Die Autorin hat dieses Buch 1989 geschrieben und der Zytglogge-Verlag hat auf weitverbreiteten Wunsch eine 8. Auflage 2016 herausgegeben. Aufgrund Katharina Zimmermanns authentischer Sprache wähnte ich mich beim Lesen dieses Buches in der hintersten Gemeinde des Emmentals, in Schangnau, genoss die Naturbeschreibungen und litt mit der armen, unterdrückten Bevölkerung.

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- DVD-Tipp von Lies Meyer

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"Heidi"

Die glücklichsten Tage ihrer Kindheit verbringt das Waisenmädchen Heidi (Anuk Steffen) zusammen mit ihrem eigenbrötlerischen Grossvater, dem Alpöhi (Bruno Ganz), abgeschieden in einer einfachen Alphütte in den Bündner Bergen. Zusammen mit ihrem Freund, dem Geissenpeter (Quirin Agrippi), hütet sie die Geissen des Alpöhi und geniesst die Freiheit in den Bergen. Doch die unbeschwerte Zeit endet jäh, als Heidi von ihrer Tante Dete (Anna Schinz) nach Frankfurt gebracht wird. Dort soll sie in der Familie des wohlhabenden Herrn Sesemann (Maxim Mehmet) eine Spielgefährtin für die im Rollstuhl sitzende Tochter Klara (Isabelle Ottmann) sein, und unter der Aufsicht des strengen Kindermädchens (Gouvernante) Fräulein Rottenmeier (Katharina Schüttler) lesen und schreiben lernen. Obwohl sich die beiden Mädchen bald anfreunden und Klaras Grossmutter (Hannelore Hoger) in Heidi die Leidenschaft für das Lesen und Schreiben erweckt, wird die Sehnsucht nach den geliebten Bergen und dem Alpöhi immer stärker.

Mein Tipp: Sehenswerte Neuverfilmung des Schweizer Kinderbuch-Klassikers schlechthin. Ein echtes Familienhighlight! cheeky

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März-Tipps 2016

- Lesetipp von Vreni Bolt

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"Der Mann mit den schönen Füssen" von Arto Paasilinna

Eine skurrile Geschichte um einen erfolgreichen Unternehmer, dessen wohlgeordnetes Leben aus den Fugen gerät, als seine Frau die Scheidung will. Er zieht sich auf (s)eine einsame Insel zurück, möchte in seiner Verzweiflung bei der Telefonseelsorge anrufen, verwählt sich aber und landet bei der resoluten Besitzerin eines Fusspflegesalons…. Dadurch kommt sein Leben richtig in Schwung.

Mein Tipp: Witzig und kurzweilig erzählt, ein herrliches Lesevergnügen!

P.S.: Bei uns in der Bibliothek auch als Hörbuch vorhanden cheeky.

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- Lesetipp von Susanne Gambon

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"Sockenschlacht und Löwenzahn - Mädchen und Buben in der Schweiz von früher" von Katharina Tanner und Laura Jurt

"Sockenschlacht und Löwenzahn" erzählt aus dem Alltag von Kindern in der Schweiz, auf dem Land und in der Stadt, von den Dreissiger- bis in die Sechzigerjahre. In sechs unterschiedlichen Kinderwelten der heutigen Grosseltern- und Urgrosselterngeneration lesen wir von ihren Spielen, Flüchen, Liedern, Krankheiten, Lieblingsessen, ihren Sorgen, ihrer Arbeit und ihren Familien. Es ist ein Buch für Kinder und Erwachsene zum Vorlesen und Selberlesen.

Mein Tipp: Unterhaltsames Buch, das zum Nachspielen alter Spiele, zum Nachkochen und Nachbacken alter Rezepte sowie zum Nachfluchen altertümlicher Schimpfwörter blush und vor allem zum Nachfragen einlädt. Das Buch ist für Kinder eine Anregung zum Eintauchen in unbekannte Kindheiten und in fremde Zeiten. Für Eltern und Grosseltern gibt es Anregung zum Nachdenken über die eigene Kindheit und zum Erinnern und Erzählen davon.  ... und wie war es bei dir?

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- Lesetipp von Ursula Lange

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„Lila“ von Marilynne Robinson

Lila ist ein Findelkind, das von einer Landstreicherin aufgegriffen wird. Als Ziehmutter und Tochter ziehen sie durch Amerikas harte Jahre, als Dürre und Hunger das Leben zeichnen. Bis eines Tages Lila im Regen unerwartet ein Dach über dem Kopf findet. Und mehr als das - nach Jahren der Entbehrung wird sie mit der Sorge und Zartheit eines Mannes konfrontiert, der ihr Leben und alles, was sie bisher erfahren hat, auf den Kopf stellen wird.

Mein Tipp: Mich hat die Sprach- und Bildgewalt, mit der die Autorin dieses Leben aufzeichnet, tief beeindruckt. Diese Einsamkeit, Suche nach Geborgenheit, Wärme und Vertrauen kann man fast körperlich nachempfinden.

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- Lese- und DVD-Tipps von Brigitte Locher

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„Die Hochzeit der Chani Kaufman“ von Eve Harris

In diesem Buch erhalten wir Einblick in die jüdisch-orthodoxen Gepflogenheiten. London 2008: Chani, 19-jährig, sollte sich langsam für einen Ehemann entscheiden. Die Ehe wird durch ein „Schadchen“, eine Eheanbahnerin, arrangiert. Doch Chani ist durch ihr Selbstbewusstsein nicht leicht zu vermitteln. Die Mutter ihres Zukünftigen ist strikt gegen diese Verbindung, doch ihr Sohn, der grossen Gefallen an diesem Mädchen bekundet, setzt sich durch.

Mein Tipp: Begleitet von Witz und Charme habe ich diese orthodoxe Gemeinde kennengelernt. Aus einem Interview in „Buchzeichen“ Radio SRF 1 weiss ich, dass die Autorin  Jüdin ist. Während eines halben Jahres hat sie an einer orthodoxen Schule gearbeitet und war selber erstaunt über die Unterschiede innerhalb des Glaubens.

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„Der grosse Trip - Wild“

Durch den Tod der Mutter aus der Bahn geworfen, beschliesst Cheryl, einen Teil des Pacific Crest Trails* ganz alleine zu bewältigen. Sehr naiv und untrainiert startet sie in Südkalifornien. Nach fast 2000 km und 3 Monate später erreicht sie den Norden Oregons.

*Der 4279km lange Wanderweg PCT startet in Mexiko und verläuft entlang der Westküste bis an die Grenze Kanadas.

Mein Tipp: Hier ist die Umsetzung des autobiographischen Buches von Cheryl Strayed in meinen Augen gelungen, nicht zuletzt auch dank der Schauspielerin Reese Witherspoon. Sie spielt diese couragierte Protagonistin überzeugend und einfühlend.

P.S.: Das gleichnamige Buch ist selbstverständlich auch in unserer Bibliothek vorhanden!

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- DVD-Tipp von Lies Meyer

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"The Hollow Crown", Staffel 1

Es ist die Geschichte dreier Könige:

RICHARD II ist ein eitler Emporkömmling, der sich unfähig und respektlos gegenüber der Staatsraison und seiner wichtigsten Berater zeigt. Als er endlich lernt, was es heisst, König zu sein, ist es bereits zu spät: Sein eigener Cousin beraubt ihn all seiner Würden und besteigt den Thron als HENRY IV. Dessen Regentschaft ist geprägt von der Schuld an Richards Tod, Bürgerkrieg und der nagenden Furcht, dass sein Sohn Hal, der sich lieber im Wirtshaus herumtreibt als bei Hofe, ein Taugenichts ist und der Krone nicht wert. Als er schliesslich dennoch als HENRY V die Geschicke Englands führt, muss er sich seiner Vergangenheit entledigen, während er sowohl gegen Frankreich, als auch seine ganz eigenen Dämonen zu Felde zieht.

Mein Tipp: Für alle, die diese Shakespeare-Stücke schon mal im Theater sehen wollten, oder für jene, die sie lesen wollten und es einfach nie geschafft haben wink. Sehr gute Verfilmung mit tollen Schauspielern.

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- Lesetipp von Susan Ricklin

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„Über tausend Hügel wandere ich mit Dir“ von Hanna Jansen

Jeanne ist zehn Jahre alt und wächst behütet mit ihren Geschwistern in Ruanda auf. Ihre Familie gehört den Tutsi an, einem Volksstamm, der in Ruanda eine Minderheit darstellt. Das glückliche Leben des Mädchens hat jedoch ein Ende, als im Jahr 1994 der Bürgerkrieg ausbricht. Auch ihre Familie beschliesst zu fliehen, als plötzlich immer mehr Soldaten auftauchen. Die Familie wird getrennt. Jeanne ist dabei, als ihr Bruder skrupellos ermordet wird. Das Mädchen lebt in einem Albtraum weiter und versucht sich durchzuschlagen. Ihr kindliches Entsetzen, ihr Nichtbegreifen vom dem, was passiert und ihr ungebrochener Überlebenswille werden sehr berührend beschrieben.

Mein Tipp: Die geschilderten Erlebnisse sind nicht fiktiv, Hanna Jansen erzählt das nach, was ihre Adoptivtochter Jeanne ihr über die schrecklichen Ereignisse während des Völkermordes berichtet hat. Vor den Kapiteln werden immer kurze Begebenheiten geschildert, wie Jansen die Gespräche oder bestimmte Vorkommnisse mit Jeanne damals erlebt hat nach ihrer Ankunft in Deutschland. Diese Situationssplitter zeigen auf, wie Jeanne versucht, das Grauen zu verarbeiten. Es ist deshalb kein reines Jugendbuch, kann aber ab 14 Jahren empfohlen werden, auch wenn keine leichte Kost geboten wird. Ein ehrliches und wichtiges Buch, das aus der persönlichen Sicht eines Kindes von etwas Unvorstellbarem erzählt: In 100 Tagen verloren mehrere Millionen von Menschen auf grausamste Weise ihr Leben. Ich wünsche diesem Buch viele Leser, die sich mit dem Geschehen auseinandersetzen und sich vielleicht die Frage stellen, wie es dazu kommen konnte.

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Februar-Tipps 2016

- Lesetipp von Susanne Gambon

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 „Das Pubertier“ von Jan Weiler

Sie waren süß. Sie waren niedlich. Jeden Milchzahn hat man als Meilenstein gefeiert. Doch irgendwann mutieren die Kinder in rasender Geschwindigkeit von fröhlichen, neugierigen und nett anzuschauenden Mädchen und Jungen zu muffeligen, maulfaulen und hysterischen Pubertieren. Die Kommunikation scheint ohnehin phasenweise unmöglich, denn das Hirn ist wegen Umbaus vorübergehend geschlossen. Und doch ist da ein guter Kern. Irgendwo im Pubertier schlummert ein erwachsenes Wesen voller Güte und Vernunft. Man muss nur Geduld haben, bis es sich durch Berge von Klamotten und leeren Puddingbechern ans Tageslicht gewühlt hat. Verdammt noch mal!

Mein Tipp: Ein sehr humorvolles und amüsantes Buch, in dem man über Sachen lachen kann, die, wenn man gerade selber mittendrin steckt ja nicht immer lustig sind. -  Ich bin auf jeden Fall auf Jan Weilers zweites Buch "Im Reich der Pubertiere" gespannt. Erscheint demnächst...

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- Lesetipp von Ursula Lange

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Americanah“  von Chimamanda Ngozi Adichie

Die Autorin erzählt von der Liebe zwischen Ifemelu und Obinze, die im Nigeria der neunziger Jahre ihren Lauf nimmt. Dann trennen sich ihre Wege: Die selbstbewusste Ifemelu studiert in Princeton, USA, Obinze strandet als illegaler Einwanderer in London. Nach Jahren stehen sie plötzlich vor einer Entscheidung, die ihr Leben auf den Kopf stellt…

Mein Tipp: Ein vielschichtiger, eindringlicher Roman über die gefühlte und erlebte Benachteiligung von Schwarzen, sowohl in Amerika als auch in England, die ein neues Leben im Westen wagen wollen.

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- Lesetipp von Brigitte Locher

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„Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ von Joachim Meyerhoff

Wir kennen Joachim schon von seinen ersten beiden autobiographischen Büchern: „Alle Toten fliegen auf“ und „Wann wird es endlich so, wie es nie war“. Inzwischen ist er Zwanzig und wird an der Münchner Schauspielschule aufgenommen. Da seine Grosseltern eine Villa in derselben Stadt bewohnen, bietet es sich an, bei ihnen unterzuschlüpfen. Beruflich gesehen, erwarten ihn drei zähe Jahre und er hinterfragt immer wieder den Sinn des Ganzen.

Mein Tipp: „Im Zentrum des Romans stehen die Grosseltern, die auf liebevolle Weise porträtiert werden“. Dieser Rezension des Tages Anzeigers kann ich mich nur anschliessen. Daneben leidet man mit dem Protagonisten an seinen Misserfolgen als Schauspielschüler, sowie an der Trauer über seinen verstorbenen Bruder. Aber sein Hang zur Komik rettet vor dem Abdriften in die Ausweglosigkeit.

Übrigens für alle, die sich auch gewundert haben: Seine unmöglichen Buch-Titel sind Zitate deutscher Klassiker...cheeky

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- DVD-Tipp von Lies Meyer